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Accra versinkt, und alle wussten es

30. Juli 2026 — — — Kastner

Es regnete, wie es in Accra seit Jahren nicht geregnet hatte — 140 Millimeter, eine Zahl, die Präsident John Dramani Mahama persönlich in die sozialen Medien trug, vermutlich weil sie sich gut macht auf einem Bildschirm, der sonst nichts zeigt als das eigene Profilbild. Zum Vergleich: Der höchste Tageswert des vergangenen Jahres lag bei 56 Millimetern. Die Mathematik dieser Verdopplung überlasse ich jenen, die noch glauben, der Himmel sei ein unparteiischer Richter.

Dreizehn Tote meldet die Feuerwehr, zwölf die internationale Agentur; die Diskrepanz ist klein und im Grunde nebensächlich, denn die wachsende Zahl gehört zum Protokoll jeder Katastrophe, die nicht verhindert wurde. Mehr als 470 Menschen wurden gerettet — eine Zahl, die nach Erfolg klingt, bis man bedenkt, dass es nichts zu retten gäbe, hätten Kanäle, Bauaufsicht und Entwässerung jene Funktion erfüllt, für die sie bezahlt werden. Vier Millionen Menschen leben in Accra, eine der am schnellsten wachsenden Städte Afrikas, wie die Weltgesundheitsorganisation notiert. Eine Stadt, die bei jedem ordentlichen Wolkenbruch nachgibt.

Die Überschwemmung kam in der Nacht zum Sonntag. Sie kam, wie Überschwemmungen in Accra seit Jahren kommen — langsam, lautlos, vorhersehbar. Tiefer gelegene Stadtteile versanken zuerst, wie immer. Häuser, Fahrzeuge, Märkte, Geschäfte, teils weggespült. Eine Gummifabrik fing Feuer, weil das Wasser die Feuerwehrwagen aufhielt; die Flammen schlugen in die Höhe, während die Retter im Stau standen. Der Ghana National Fire Service bestätigte später, dass die Überflutung den direkten Grund für die verzögerte Reaktion beim Brand in der Circle-Odawna-Industriezone darstellte. Patience Naa Adjeley Adjei, Lehrerin, wischte achtmal durch ihr Zimmer und gab danach auf. Philip Mensah verlor seine Plattensammlung der Siebziger an das Wasser — ein privater Verlust, der in keinem Bulletin steht, aber in jedem Sinn zählt.

Die Regierung ordnete an, zu Hause zu bleiben oder auf höheres Gelände auszuweichen. Nicht durch überflutete Straßen waten, weder zu Fuß noch im Wagen; wer sich in Sicherheit befinde, solle drinnen bleiben, wer nicht, solle umgehend die Notrufnummer 112 wählen. Man rief das Militär, die Polizei und die nationale Katastrophenbehörde NADMO auf den Plan; das Innenministerium entsandte Beamte zur Überwachung und zum Schutz von Leben und Eigentum. Dreihundert Millionen Cedi, umgerechnet etwa 27 Millionen Dollar, wurden für die Hilfsmaßnahmen freigegeben. Man darf diese Summe messen an dem, was jahrelang nicht in die Kanalisation floss, in die Bauaufsicht, in die Räumung der Wasserläufe. Behörden, Verwaltungen und auswärtige Beobachter wissen seit langem, was Accra bedroht: verstopfte Drainage, unerlaubte Bebauung über und in den Abflussrinnen, eine Stadtplanung, die den Namen kaum verdient. Es sind keine Geheimnisse. Es sind offene Tatsachen, geduldig aufgelistet in jedem sachkundigen Bericht.

Der Präsident nennt den Klimawandel als Ursache, und er hat nicht Unrecht. Nur ist der Klimawandel eine bequeme globale Vokabel, hinter der sich die sehr ortsgebundene Verantwortung besonders gut versteckt. Die Meteorologische Behörde warnt vor weiteren Regenfällen am Dienstag, mit einem schweren Sturm aus dem Osten. Nicht unter Bäumen Schutz suchen, nicht durch Wasser waten, freiliegende elektrische Leitungen meiden. Solche Hinweise sind das Standardrepertoire nach jeder Katastrophe: kleine, vernünftige Sätze, die nichts kosten und nichts verändern.

Auch die Elfenbeinküste wurde von heftigen Regenfällen getroffen — nach inoffiziellen Angaben rund zwanzig Tote, eine Zahl, die noch vorläufig ist. Was bleibt, ist das Vertraute: ein Präsident, der Zahlen veröffentlicht; ein Innenministerium, das Truppen bewegt; eine Feuerwehr, die 470 Menschen aus dem Wasser zieht, die sie selbst nicht hineingetrieben hätte, wäre Accra jemals als das behandelt worden, was es ist — kein Schicksal, sondern eine Baustelle.

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