Unverbindlich versprochen, verbindlich bezahlt
Washington, EPA-Hauptsitz, Donnerstag der dreiundzwanzigste Juli im Jahre zweitausendsechsundzwanzig: Ein Präsident, dem man nachsagt, er schätze goldene Wasserhähne, versammelt dreiundzwanzig Gouverneure, fünfundfünfzig Versorger und siebenundzwanzig Rechenzentrumsbetreiber, um ihnen einen Schwur abzunehmen. Er nennt ihn den „Ratepayer Protection Pledge", und er soll — so das Versprechen — die amerikanische Familie vor steigenden Stromrechnungen schützen. Wer ihn nicht unterschreibt, so lässt der Präsident verlauten, „wird das Geld verpassen, das andere einstecken werden". Es ist, man erinnere sich, die alte Melodie: Hier ist das Gold, dort ist der Rubikon, und wer nicht hinübergeht, bleibt arm.
Die Unterschriftenliste liest sich wie das Who's Who der amerikanischen Tech-Oligarchie. Google, Microsoft, Meta, Oracle, xAI, OpenAI, Amazon — sie alle haben sich verpflichtet, die Kosten für die Energieinfrastruktur, die ihre Rechenzentren benötigen, selbst zu tragen. Das klingt nobel. Es klingt nach Markt, nach Verantwortung, nach dem freien Unternehmertum, das sich selbst an die Kandare nimmt. Es klingt nach allem, was eine Regierung ihren Wählern erzählen möchte, wenn die Wähler im Winter eine Rechnung über tausend Dollar auf dem Tisch finden — wie jene Bewohner im Großraum Washington, die das in der vergangenen Saison erlebt haben.
Nur: Das Dokument, das hier unterzeichnet wurde, ist freiwillig. Es ist unverbindlich. Auf Englisch, in jener Sprache der Verträge, die niemand mehr ernst nimmt, heißt das „voluntary, nonbinding". Es ist ein Handschlag, festgehalten auf Papier, das im Aktenschrank vergilbt, während die Server-Hallen wachsen. Wer bricht schon einen Schwur, der rechtlich nichts wiegt?
Die Zahlen, die das Weiße Haus nicht in seine Pressemitteilung schreibt, sprechen eine andere Sprache. Das ICF, eine Energieberatungsfirma, die sich nicht dem Präsidenten verpflichtet fühlt, hat im Mai des vergangenen Jahres errechnet, dass die Strompreise für Privathaushalte in den nächsten fünf Jahren um fünfzehn bis vierzig Prozent steigen könnten. PJM, der größte Netzwerkbetreiber des Landes, der dreizehn Bundesstaaten versorgt, hat in den vergangenen zwei Jahren einen Anstieg der Kapazitätspreise von unter dreißig auf dreihundertneunundzwanzig Dollar pro Megawatt-Tag verzeichnet. Das ist eine Verzehnfachung. Die dreizehn Gouverneure, deren Staaten PJM bedient, haben das Rahmenabkommen des Weißen Hauses am Donnerstag unterschrieben. PJM selbst hat es ignoriert.
Da wäre noch die kleine Unannehmlichkeit, dass dieselben Tech-Konzerne, die in Washington feierlich ihre Unterschrift unter den Pledge setzen, in Kalifornien gegen Gesetzesvorhaben kämpfen, die sie genau dazu verpflichten würden, was sie angeblich freiwillig tun. Matthew Freedman, ein Anwalt des Utility Reform Network, bringt es auf den Punkt: „Es ist enttäuschend, wenn auch nicht überraschend, dass dieselben Tech-Konzerne, die den Ratepayer Protection Pledge unterschreiben, gleichzeitig Anstrengungen auf bundesstaatlicher Ebene bekämpfen, die sie zur Einlösung ihrer Versprechen zwingen würden." Man schwört auf die eine Bibel und reißt die andere aus dem Regal.
Der Präsident verspricht den Amerikanern das Blaue vom Himmel. „Elektrizitätsrechnungen für amerikanische Familien werden tatsächlich sinken", sagt er. Das ist eine bemerkenswerte Aussage für einen Mann, der gleichzeitig zugibt, dass das Land „doppelt so viel Strom wie derzeit braucht, vielleicht sogar mehr". Wo soll der Strom herkommen, wenn nicht aus neuen Kraftwerken, deren Baukosten irgendjemand tragen muss? Das Weiße Haus sagt: die Rechenzentren. Die Rechenzentren sagen: selbstverständlich. Die Versorger sagen: wir haben unterschrieben. Die Bürger werden sagen: bitte, was?
Dass dreiundzwanzig Gouverneure unterschrieben haben, bedeutet nicht, dass sie auch liefern können. Gouverneure unterschreiben Erklärungen, die ihnen die Energieversorger ihres Staates anschließend in den Aktenschrank legen — oder, schlimmer, in den Gesetzentwurf, den sie im nächsten Wahlkampf als eigene Leistung verkaufen werden. Die Unterzeichner des Pledge, so rechnet das Weiße Haus vor, machen achtzig Prozent des Stromverbrauchs in den Vereinigten Staaten aus, in Haushalten wie in Betrieben. Das ist keine kleine Gruppe. Das ist das Netz. Und dieses Netz ist alt. Es wurde nicht für eine Welt gebaut, in der Rechenzentren viereinhalb Prozent des Stroms schlucken und bis 2030 bis zu zwölf Prozent schlucken sollen.
Eine Gallup-Umfrage vom Mai ergab, dass sieben von zehn Amerikanern den Bau von KI-Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft ablehnen. Sieben von zehn. Das ist keine Minderheit, die sich mit Geld oder Versprechen besänftigen lässt. Das ist eine Mehrheit, die genau versteht, was auf sie zukommt: Lärm, Wasser, Grundlast — und am Ende des Monats eine Rechnung, die höher ist als im Vormonat. Der Präsident sagt, die Hallen seien „unglaublich anzusehen". Er sagt, man könne fünfundzwanzig Pentagons darin unterbringen. Er sagt das, weil Ästhetik das Letzte ist, was zählt, wenn der Kühlschrank warm läuft.
Was bleibt, ist ein Pakt, der niemanden bindet, getragen von einer Industrie, die ihre eigenen Versprechen gleichzeitig untergräbt, beschworen in einem Land, in dem die Mehrheit der Bürger bereits weiß, dass sie die Rechnung erhalten wird. Die Unterzeichner haben sich feierlich verpflichtet. Die Bürger haben sich noch nicht verpflichtet — aber sie werden zahlen. So funktioniert das. Immer.