Die Woche, die den Fußball erschütterte — und das Schweigen danach
Manche Wochen tragen ihren Namen wie eine Last. Diese trug einen besonders schweren: „the week that shook football". So steht es geschrieben, so wird es zitiert, so bleibt es im Gedächtnis einer Branche, die sich ungern erinnert und noch ungerner erinnert wird.
Was genau geschah, darüber herrscht eine bemerkenswerte Unschärfe. Die offiziellen Mitteilungen schweigen sich aus, wo sie sprechen sollten; sie reden, wo Schweigen angezeigt wäre. Man erfährt von Spielen, die verschoben wurden, von Ergebnissen, die nicht in die Akten fanden, von Verantwortlichen, die plötzlich verreist waren. Eine Woche lang, so viel lässt sich sagen, war der übliche Betrieb gestört.
Ich habe Verträge gelesen, die nie eingehalten wurden. Männer lächelten dabei, als sie unterschrieben. Das Lächeln war immer dasselbe — höflich, gewinnend, leer. Wer heute auf die offiziellen Stellungnahmen dieser Fußballwoche blickt, erkennt den Ausdruck wieder. Die Erklärungen sind sorgfältig formuliert, die Sätze gehen nie zu weit, die Verben meiden jede Verantwortung. Es wird „festgestellt", „zur Kenntnis genommen", „bedauert". Was fehlt, ist die eine Stimme, die sagt: Ich war dabei, und ich sage Ihnen, wie es war.
Dass eine ganze Woche im Terminkalender eines Sports als Erschütterung figuriert, ist bemerkenswert. Fußballwochen vergehen sonst im Gleichmaß. Anstoßzeiten werden eingehalten, Schiedsrichter pfeifen, Siege werden gefeiert und Niederlagen verworfen. Wenn eine Woche aus diesem Rhythmus fällt, dann nicht ohne Grund. Dann haben Abläufe nicht funktioniert, die für gewöhnlich reibungslos laufen. Welche Abläufe das waren, ist nicht öffentlich bekannt.
Die Branche spricht von „Krise". Das Wort ist klug gewählt, weil es niemanden beschuldigt. Eine Krise ist etwas, das über die Menschen kommt, ein Naturereignis fast. Man kann ihr nicht vorwerfen, dass sie Spielpläne durcheinanderwirbelt. Man kann nur „damit umgehen". Die Protokolle dieser Tage, sollten sie je vollständig ans Licht kommen, würden zeigen, wer mit wem sprach, wer welche Entscheidung traf, wer im entscheidenden Moment erreichbar war und wer nicht. Solche Protokolle werden in anderen Zusammenhängen gewöhnlich später vernichtet. Hier wissen wir es nicht. Wir wissen nur, dass die Erinnerung der Beteiligten erstaunlich lückenhaft ausfällt, wenn man sie danach fragt.
Ich trage Handschuhe beim Schreiben, schon lange. Sie schützen nicht vor der Kälte des Materials, aber sie halten sauber. Was hier zu Papier kommt, ist nicht mehr als eine sorgfältige Beobachtung dessen, was sichtbar ist. Sichtbar ist: eine Woche, die ihren Namen behalten hat. Sichtbar ist: eine Branche, die sich anschließend beeilte, zur Tagesordnung überzugehen. Sichtbar ist auch das, was zwischen den Zeilen der Pressemitteilungen mitschwingt — das leise Einverständnis, dass die Geschichte dieser Woche noch nicht erzählt ist.
Die Welt spielt Schach, und nicht alle Züge jener Woche sind nachvollziehbar. Was im Hintergrund geschah, entzieht sich der öffentlichen Kenntnis. Auffällig sind die kurzfristig abgesagten Termine, die unerklärten Reisen, die Verschiebungen im Zeitplan — Dinge, die für sich genommen wenig besagen, in der Summe jedoch ein Muster bilden, das Fragen aufwirft.
Vielleicht wird eines Tages jemand sprechen, der damals dabei war. Vielleicht werden Unterlagen freigegeben, die heute noch in Archiven ruhen, die niemand öffnen darf. Bis dahin bleibt die Woche das, was sie im Titel war: eine Erschütterung, deren Epizentrum wir ahnen, aber nicht benennen können.
Die Terminal Tribune wird den Vorgang im Auge behalten. Nicht aus Neugier — Neugier ist eine Tugend, die ich mir abgewöhnt habe — sondern aus Pflicht. Wer eine Woche lang den Fußball erzittern lässt, hat Anspruch darauf, beim Namen genannt zu werden, sobald das möglich ist. Bis dahin gilt, was immer galt: Die Wahrheit kommt zuletzt, aber sie kommt.