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Die Nacht trägt einen anderen Namen: Horrorfabrik Amazonas

3. August 2026 — — — Kastner

Die Bühne ist längst bereitet, und das Publikum sitzt bereits. Es hat seine Eintrittskarten bezahlt, ohne zu wissen, dass die Vorstellung, die es sehen wird, schon vor Jahren begonnen hat — und dass die wahren Akteure nie auf der Bühne stehen werden.

Ich spreche vom Amazonas. Nicht von jenem gewaltigen grünen Atemzug, den die Geographen vermessen und die Dichter besingen. Sondern von jenem anderen Amazonas, der aus Zelluloid und Druckerschwärze besteht, aus dem Flüstern alter Legenden und dem gezielten Schauer, den eine Industrie zu produzieren versteht, wenn sie ein Terrain betritt, das ihr auf eigentümliche Weise ausgeliefert ist.

Denn der Amazonas, das zeigen die jüngeren Produktionen und Publikationen mit bemerkenswerter Deutlichkeit, ist zu einer Fabrik des Horrors geworden. Nicht zu einer, in der das Grauen wohnt — sondern zu einer, in der es verpackt, etikettiert und in Umlauf gebracht wird.

Da wären zunächst die Filme. Das Portal Amazônia verzeichnet sechs Produktionen, die in der Region gedreht wurden oder von ihr handeln. Anaconda steht darunter — jenes Riesenschlangen-Spektakel, das den Dschungel zur bloßen Kulisse eines Monstertreffens degradierte. Daneben Holocausto Canibal, dessen Titel allein schon eine Anklage ist. Matinta und Terminal Praia Grande komplettieren die Liste, jene Werke, in denen die Feuchtigkeit der Luft zur Feuchtigkeit der Angst wird.

Es ist eine bemerkenswerte Industrie, die hier entstanden ist. Sie braucht keine Fabrikhallen, keine Maschinenparks, keine Minen. Sie braucht nur das Imaginäre der Anderen — jenen diffusen Schrecken, den der zivilisierte Westen vor dem Ungezähmten empfindet — und die Bereitschaft der Region, sich diesem Blick zur Verfügung zu stellen.

Doch der Horror, der im Amazonas wächst, kommt nicht allein aus der Kinematografie. Er kommt auch aus der Literatur, und hier wird die Sache, bei aller gebotenen Zurückhaltung, aufschlussreicher.

Im Jahre 2020 erschien die Anthologie Terror na Amazônia, herausgegeben von Girotto Brito, einem Autor, der bereits mit Contos para uma noite de insônia hervorgetreten war. Die Sammlung versammelt, je nach Zählung, zwanzig oder einundzwanzig Erzählerinnen und Erzähler. Sie alle bedienen sich des Folklores der Region — der Matinta, der Curupira, all jener Gestalten, die in den Dörfern am Fluss und in den Randzonen der Städte seit Generationen ihr Unwesen treiben.

Der Rezensent der Biblioteca do Terror beschreibt das Programm mit einer Klarheit, die nichts zu wünschen übrig lässt: Die Anthologie erkunde den Horror, der sich hinter der Unermesslichkeit des Waldes verberge, von legendären Figuren, die Bewohner kleiner Siedlungen heimsuchen, bis zu den Schrecken der städtischen Peripherien. Es ist, mit anderen Worten, eine Bestandsaufnahme des Bösen in seinen einheimischen Formen — jenseits importierter Monstren.

Und genau hier öffnet sich die Tür, durch die wir hindurchsehen müssen, ohne jedoch mehr hineinzulesen, als die Quellen hergeben.

Denn diese Geschichten sind nicht aus dem Nichts entstanden. Sie sind nicht das Produkt einer Fantasie, die sich selbst genügt. Sie sind Archiv. Sie sind das, was übrig bleibt, wenn das Leben in einer Region sich verdichtet hat — in Ängsten, in Erzählungen, in Namen, die man Kindern zuruft, damit sie nicht zu weit in den Wald laufen.

Die Website Flor de Jambu listet solche Legenden auf und betont, dass es nicht nur die Geschichten von Hexen sind, die den Schlaf rauben. Es gibt Dutzende anderer, kaum bekannter Erzählungen aus dem brasilianischen Folklore, die ihre Kraft gerade aus dem Unerklärten ziehen.

Man darf hier, das sei mit der Kälte angemerkt, die diese Materie verlangt, keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Quellen, die uns vorliegen, sind Belege für eine kulturelle Produktion. Wer aus dem Vorhandensein von Horrorfilmen und Horroranthologien ein System der Macht konstruieren will, der begeht denselben Fehler wie jene, die in jeder Legende ein historisches Ereignis vermuten — er sieht mehr, als die Akten hergeben.

Was sich indessen registrieren lässt, ist die Tatsache, dass die Matinta, jene Gestalt, die als schwarze Rauchwolke erscheint und den Menschen ihre Gesichter stiehlt, älter ist als jeder Film. Neu hingegen ist, dass sie heute in Sammelbänden erscheint, in Filmproduktionen zitiert wird, in Listen auftaucht, die man an Halloween liest.

Neu ist die Tatsache, dass der Schrecken des Amazonas zu einem Produkt geworden ist. Dass die Finsternis, die über dem größten Wald der Erde liegt, einen Markt hat. Dass Angst sich gut verkauft, wenn sie nur exotisch genug verpackt ist.

Mehr lässt sich aus den vorliegenden Belegen nicht mit Sicherheit sagen. Und vielleicht ist das schon mehr, als die meisten wissen wollen.

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