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Ugandas letzter Vorhang – Was man nicht sehen soll, wenn das Wort ‚Ende' fällt

3. August 2026 — — — Kastner

Manche Worte werden gesprochen, damit sie etwas beenden. Manche Worte werden gesprochen, damit sie etwas verschleiern. Wenn ein Gesundheitsminister vor die Kameras tritt und seinem Land das Prädikat „frei" verleiht, dann lohnt es sich, genau hinzuhören – nicht auf das, was er sagt, sondern auf das, was er nicht sagt.

Chris Baryomunsi, ugandischer Gesundheitsminister, erklärte am Dienstag den jüngsten Ebola-Ausbruch im Land für beendet. Zwanzig Menschen hatten sich infiziert, zwei von ihnen starben. Man habe, so der Minister, „landesweit eine intensive Überwachung aufrechterhalten". Es seien keine neuen Fälle mehr nachgewiesen worden. Der Ausbruch, das sollte man sich merken, war erst Mitte Mai bekannt gegeben worden.

Fünfzehn der zwanzig Infizierten – das sind fünfundsiebzig Prozent – hatten sich in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo angesteckt. Uganda war in diesem Fall weniger ein eigenständiger Herd als vielmehr ein Echo, ein Nebenraum eines Dramas, das sich nur wenige Kilometer entfernt abspielt. Dort, im Kongo, liegt die Zahl der bestätigten Fälle inzwischen bei mehr als dreitausend. Dreitausend bestätigte Fälle – eine Zahl, die in jeder Zeitung dieser Welt in fettem Druck stehen sollte, die aber meist nur in den hinteren Spalten der Weltseiten auftaucht, zwischen Börsenkursen und Wetterberichten aus Regionen, die niemanden interessieren.

Doch zurück nach Uganda. Man feiert das Ende. Man atmet auf. Die Weltgesundheitsorganisation wird lobend erwähnen, wie vorbildlich die ugandischen Behörden reagiert hätten. Die Geberländer werden erleichtert die Schecks unterschreiben – diesmal kleiner als sonst, versteht sich, denn der Notfall scheint vorbei. Die internationale Gemeinschaft applaudiert, und die Listen der Kontaktpersonen – sofern es sie je in der Form gab, die eine echte Nachverfolgung ermöglicht hätte – wandern in Archive, die niemand mehr öffnet.

Fragen wir also nach, mit der Höflichkeit einer Frau, die zu viele Verträge hat scheitern sehen, die nie eingehalten wurden.

Eine „intensive Überwachung" ist kein Naturereignis; sie ist ein Budgetposten. Sie kostet Personal, sie kostet Logistik, sie kostet Laborkapazitäten, sie kostet vor allem politischen Willen. In dem Moment, in dem ein Minister das Wort „Ende" ausspricht, wird ebendieser Posten zur Disposition stehen. Die Geberländer atmen auf, die Ministerien atmen auf, und die Maschinerie, die man in den letzten Wochen mit viel internationalem Geld aufrechterhalten hat, wird leiser. Das ist keine böswillige Vermutung; das ist die Mechanik der Mittelverteilung, die jeder kennt, der je an einem Gebergipfel teilgenommen hat.

Wer profitiert vom Narrativ des Endes? Uganda hat in den vergangenen Jahren wiederholt bewiesen, dass es Seuchenkrisen managen kann – schneller als viele Nachbarn, sichtbarer als die meisten. Dieses Narrativ ist Kapital. Es zieht Touristen an, es beruhigt Investoren, es legitimiert eine Regierung, die sich als Hüterin regionaler Stabilität inszeniert. Das ist nicht zynisch; das ist die Grammatik der Macht, die jeder kennt, der je in Genf an einem Verhandlungstisch gesessen hat.

Was aber geschieht mit den Residualrisiken? Der Kongo ist keine hundert Kilometer entfernt. Die Grenzen sind porös, die Straßen holprig, die Statistiken unzuverlässig. Wenn achtzig Prozent der neuen Fälle im Kongo außerhalb der bekannten Kontaktlisten entdeckt werden – wie Fachleute berichten –, dann bedeutet das, dass das Virus sich dort längst in jenen Dunkelzonen bewegt, die kein Minister auf einer Pressekonferenz betreten möchte. Uganda liegt am Rand dieser Dunkelzonen. Es war nie Epizentrum, nur Echo – aber Echos wiederholen sich, wenn der Sturm nicht aufhört.

Zwei Tote. Zwanzig Infizierte. Eine Erklärung, die wie ein Schlussstein wirkt, aber vielleicht nur ein weiterer Baustein in einer Architektur ist, die niemand vollständig überblickt. Man sollte das Wort „Ende" mit Handschuhen anfassen – nicht aus Furcht vor Ansteckung, sondern aus alter Gewohnheit. Wer einmal zu viele Verträge hat platzen sehen, hebt solche Worte vorsichtig hoch und prüft, was darunterliegt.

Unter diesem Wort liegt: ein Nachbarland in Flammen, eine Überwachung, die ihren Preis hat, eine Regierung, die ein narratives Fenster schließt, bevor das nächste sich öffnet, und zwanzig Menschen, deren Krankheit nun als Fußnote in einer Erfolgsgeschichte geführt wird.

Ich trage Handschuhe. Auch beim Schreiben. Das hat man mir beigebracht, damals, als ich noch glaubte, man könne mit Handschuhen die Wahrheit greifen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen.

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