Der Architekt und sein Preisgeld: Fauci, das NIAID und die Barschecks
Es gibt Bilder, die sich in das Gedächtnis einer Berichterstatterin einbrennen wie Säure in Kupfer: Männer in gut geschnittenen Anzügen, die lächelnd unterschreiben, während sie wissen, dass das Papier, das sie morgen berühren werden, längst brennt. In Genf habe ich solche Männer gesehen. In Bethesda — jenem Zipfel amerikanischer Vorortlandschaft, in dem das National Institute of Allergy and Infectious Diseases residiert — beginnt nun ein weiteres Kapitel jener Akten, die niemand liest, solange niemand sie lesen muss.
Die Rede ist von Dr. Anthony Fauci, dem Architekten der amerikanischen Seuchenkampagne während der COVID-19-Pandemie, und von einer Anschuldigung, die der republikanische Senator Josh Hawley aus Missouri in dieser Woche auf das Senatspult gelegt hat wie einen versiegelten Brief: Fauci habe während der Pandemie acht fest angestellte Bundesbedienstete des NIAID damit beauftragt, in seinem Namen Cash-Awards einzuwerben — Preisgelder, die ihm persönlich zufließen sollten. Über eine Million Dollar, wie mehrere US-Medien unter Berufung auf Hawleys Darstellung berichten.
Hier nun beginnt das Zögern, das jedem ehrlichen Bericht vorausgehen sollte. Was auf dem Senatspult lag, war eine politische Mitteilung, keine gerichtliche Feststellung. Die Dokumente, die Hawley eigenen Angaben zufolge aus dem Jahr 2020 vorlegte, persönliche E-Mails aus Faucis Mitarbeiterkreis, sind bislang nur durch die Brille eines Senators gefiltert. Die Originalquelle muss, bevor sie in Druck geht, umfassend validiert werden. Es handelt sich um eine Meldung im Breaking-News-Status; die Verifikation ist nicht ein Beiwerk, sie ist Voraussetzung jeder weiteren Zeile.
Plattformen wie Snopes arbeiten, soweit bekannt, an der Einordnung. Bis ihre Ergebnisse vorliegen, gilt für diese Spalten dasselbe, was für jeden noch nicht abgeschlossenen Vertrag gilt, den ich in Genf unterschreiben sah: Man achte auf die Unterschriften, nicht auf die Worte darüber.
Was sich indessen sagen lässt, ohne zu spekulieren, ist die Chronologie. Über mehrere konservative US-Nachrichtenseiten verbreitete sich Hawleys Darstellung Ende Juli. Die Vorwürfe stehen im Kontext einer politisch aufgeheizten Phase: Hawley gehört zu den Stimmen im Senat, die Fauci seit Monaten wegen seines Managements der Pandemie attackieren. Aus den Berichten ist ein Gesetzentwurf hervorgegangen, getauft auf den Namen No Cash Prizes for Bureaucrats Act, der es Bundesbediensteten künftig untersagen soll, während der Arbeitszeit Bargeldpreise anzunehmen. Hawley, so heißt es, sagte wörtlich: No federal bureaucrat should accept cash prizes while on the job.
Die Mechanismen hinter dieser Initiative sind bemerkenswert. Sie zeigen das alte Muster: Auf eine Anschuldigung folgt ein Gesetzentwurf, der die Lücke schließen will, durch die, wäre die Anschuldigung wahr, ein Schaden floss. Es ist die Grammatik der Macht, die ich wiederkenne. Der Vorwurf wird zur Architektur, die Architektur wird zur Zukunft, und die Zukunft beantwortet nicht die Frage, die der Vorwurf aufwarf.
Was die Bundesangestellten betrifft, die, wie Hawley sagt, ihre Arbeitszeit der Jagd nach Preisgeldern für ihren Vorgesetzten widmeten: Sie sind in dieser Geschichte bislang namenlos. Sie sind die Hände hinter den Handschuhen. Über ihre Zustimmung, ihre Verweigerung, ihr Wissen oder Nichtwissen schweigen die Quellen, die wir haben.
Fauci selbst hat, soweit aus den vorliegenden Berichten hervorgeht, die Vorwürfe nicht im Detail kommentiert. In den dokumentierten Szenen wurde er in einer Anhörung durchgehechelt, wie der angelsächsische Sprachgebrauch es nennt, eine Vokabel, die in der amerikanischen Presse derzeit für parlamentarische Befragungen Verwendung findet. In den Fragestunden, so lässt sich aus den Berichten entnehmen, fielen Phrasen wie got rich while people were dying und all kinds of terrible things.
Was bleibt? Eine Untersuchung, die noch keine gerichtliche ist; eine Summe, die noch keine bewiesene ist; ein Name, der noch kein verurteilter ist. Der Stoff, aus dem später entweder die Justiz oder das Vergessen ihre Tücher schneiden wird.
Man nehme die Handschuhe ab, bevor man weiterblättert. Man bittet um Bestätigung. Man verlangt die Originale. Und man erinnere sich an die Genfer Lektion: Es sind nicht die Verträge, die zählen. Es sind die Hände, die sie halten.