Wenn Zentralbanken experimentieren: Die Yen-Intervention und ihre wahren Kosten
Tokyo, diese Woche. Der Yen fiel, dann stieg er wieder. Eine koordinierte Intervention der japanischen und US-amerikanischen Behörden ließ ihn von knapp über 163 auf knapp unter 157 Dollar fallen, binnen eines Nachmittags. Eine beeindruckende Bewegung für einen Markt, der sich sonst in Bruchteilen bewegt. Wer hier noch glaubt, Devisenmärkte seien neutrale Aggregatoren wirtschaftlicher Informationen, hat die Lektionen des 20. Jahrhunderts nicht gelernt.
Dreißig Jahre Forschung. Ich habe gesehen, wie saubere Hypothesen in unsauberen Händen zu Instrumenten wurden. Die Formel bleibt dieselbe: Man nehme eine plausible Theorie, gebe ihr einen seriösen Anstrich und überlasse sie jenen, die nicht wissen wollen, was sie kostet. Heute nennt man das monetäre Normalisierung. Damals nannte man es anders.
Die Bank of Japan vollzieht nach eigener Darstellung eine graduelle Normalisierung ihrer Geldpolitik. Das klingt beruhigend. Es ist ein Euphemismus für den langsamen Rückzug aus einem Experiment, das fast ein Jahrzehnt gedauert hat. Die Realzinsen bleiben negativ. Das bedeutet: Selbst nach den offiziellen Zinsschritten verliert Kapital in Japan real an Wert. Der Yen werde daher, so die nüchterne Marktanalyse, weiterhin mehr durch das Risiko einer Intervention gestützt als durch inländische monetäre Fundamentaldaten.
Mit anderen Worten: Die einzige Stütze ist die Drohung, dass jemand eingreift. Das ist kein Fundament. Das ist ein Strohhalm.
Japan und die Vereinigten Staaten handeln koordiniert. Sechs Yen pro Dollar, das ist die Größenordnung der Bewegung. Genug, um Schlagzeilen zu produzieren, nicht genug, um die zugrundeliegenden Probleme zu lösen. Japans Schuldenlast zählt zu den höchsten der industrialisierten Welt, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Die Renditen japanischer Staatsanleihen werden künstlich niedrig gehalten. Kapital fließt ab. Ökonomen warnen bereits, die Intervention könne nur kurzfristige Erleichterung bieten. Mittelfristig, so ihre Prognose, könnte der Wechselkurs durchaus in Richtung 180 Yen pro Dollar getrieben werden.
Wann hört die Öffentlichkeit auf, jede Intervention als Erfolg zu feiern, und fängt an, sie als Eingeständnis zu lesen?
Was hier geschieht, ist kein Einzelfall. Es ist ein Symptom. Globale Währungssysteme sind über Jahrzehnte mit geldpolitischen Experimenten behandelt worden: Negativzinsen, quantitative Lockerung, Zinssätze nahe Null. Jedes dieser Experimente wurde mit dem Versprechen begonnen, man wisse, was man tue. Jedes endete mit der Erkenntnis, dass man es eben nicht wusste. Die einzige Konstante: Die Kosten trugen andere.
Wer hat das bezahlt? Bei der Yen-Intervention sind es die japanischen Steuerzahler, durch die koordinierte Aktion indirekt auch die amerikanischen. Wer hat widersprochen? Die Ökonomen, die seit Jahren vor den Strukturschwächen warnen — sie stehen in den Fachzeitschriften, nicht in den Schlagzeilen. Was wurde nicht gemessen? Die langfristigen Wirkungen einer Währungspolitik, die sich immer weiter von den realen Wirtschaftsdaten entfernt.
Die Geschichte der japanischen Interventionen ist lang und gut dokumentiert. Sie reicht zurück in eine Zeit, als die Notenbank glaubte, mit genügend Devisenreserven jeden Wechselkurs stützen zu können. Jede dieser Interventionen wurde seinerzeit als Erfolg verkauft. Heute, mit einer Verschuldung, die in kaum noch überschaubare Dimensionen gewachsen ist, schreibt sich diese Geschichte fort. Nur die Akteure sind andere.
Ich erinnere mich an Versprechen. Sie wurden nicht gehalten. Die Pfeife habe ich aufgegeben, die Labore mochten den Geruch nicht. Geblieben ist die Skepsis als Methode. Welche Kosten tauchen in keiner Bilanz auf? Wie lange kann ein System, das auf Interventionen statt auf Fundamenten ruht, noch aufrecht stehen, bevor es unter seinem eigenen Gewicht nachgibt?
Die Versuchsanordnung ist global, die Labore sind die Märkte, die Versuchspersonen sind wir.
Und wenn die nächste Intervention kommt — werden wir dann wieder fragen, oder werden wir nur wieder zuschauen?