Die Achttausend von BMW — und was die Republik nicht fragt
Es gibt Nachrichten, deren Gewicht erst in der Stille nach dem Lesen zur Geltung kommt. Die Mitteilung, der Automobilkonzern BMW wolle bis Ende des kommenden Jahres rund 8.000 Arbeitsplätze abbauen, gehört in diese Kategorie. Sie stammt von CORRECTIV, gestützt auf "Unternehmenskreise", und wurde, so die redaktionelle Notiz, zuerst von der dpa verbreitet. Eine einzige Quelle für eine Nachricht dieses Kalibers. Diesen Satz muss man festhalten, bevor man irgendetwas anderes feststellt.
Was festgehalten werden kann: Der größte Teil der Stellenstreichungen soll die Verwaltungen in Deutschland treffen, die direkte Produktion werde eher ausgenommen. Die deutschen Werke seien, dem Vernehmen nach, gut ausgelastet; was als "üppig aufgestellt" gilt, sind die indirekten Bereiche — Verwaltung, Entwicklung. Das Unternehmen selbst äußerte sich nicht. Man kann das als höfliches Schweigen lesen oder als kalkulierte Stille. Beides ist möglich.
Der neue Vorstandschef Milan Nedeljković, der im Mai die Leitung von seinem Vorgänger Oliver Zipse übernommen hat, begründet den Schritt mit der Entwicklung in China. Lokale Hersteller wie BYD und Xpeng bauten mit Kampfpreisen ihre Position aus, die Lage habe sich in den vergangenen sechs Monaten verschlechtert, "praktisch kein Geld mehr zu verdienen". So steht es in den zitierten Unternehmenskreisen. Die Aussage trägt sich selbst — und sie ist nicht falsch. Sie ist auch nicht vollständig.
Vollständig wird sie erst, wenn man die deutsche Premiumlandschaft danebenlegt. Volkswagen plant, sein laufendes Sparprogramm auszuweiten und den Stellenabbau auf mindestens 100.000 Jobs zu verdoppeln, ein Gutteil davon in Deutschland; Vorstandschef Oliver Blume erwägt die Schließung der Werke Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau. Mercedes verhandelt mit dem Betriebsrat über die Streichung weiterer 5.000 bis 6.000 Arbeitsplätze hierzulande, nachdem zuvor bereits 5.500 Mitarbeiter einem freiwilligen Abfindungsprogramm zugestimmt hatten. Was parallel verhandelt wird, ist die Verlagerung von Produktion nach Osteuropa, dorthin, wo die Lohnkosten niedriger sind. Die Logik ist überall dieselbe. Sie wird nur an unterschiedlichen Orten ausgesprochen.
BMW, so heißt es in der Branche seit Jahren, war die Ausnahme: der stabile deutsche Premiumhersteller, der sich dem Sog der Krisenmeldungen entzog. Diese Ausnahme endet nun. Und gerade weil BMW als Ausnahme galt, ist die Nachricht politisch lesbar. Sie besagt nicht, dass ein Unternehmen spart. Sie besagt, dass die Phase der Schonung, die politisch verabreicht wurde, beendet ist.
Man kann das betriebswirtschaftlich deuten. Man kann es als konjunkturelle Normalität verbuchen. Man kann auch fragen — und an dieser Stelle werden die Handschuhe enger —, was die politische Klasse aus diesem Signal macht. Sichtbar wird: nichts. Keine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses, keine Klarstellung des Kanzleramts, ob die "Transformation", die in Sonntagsreden beschworen wird, mit dieser Zahl an Beschäftigten bezahlt werden soll. Die Stille ist nicht neutral. Sie ist eine Form der Zustimmung.
Was bedeutet es politisch, wenn ein Hersteller beginnt, seine administrativen Kerne auszudünnen — jene Abteilungen, in denen nicht geschraubt, sondern geplant, gesteuert, verhandelt wird? Es bedeutet den langsamen Übergang von einem Unternehmen mit Hauptverwaltung in München zu einem Unternehmen, dessen Hauptverwaltung überall sein könnte, wo die steuerlichen Bedingungen günstig sind. Es bedeutet, dass die Bindung der Beschäftigten an einen Standort von der Bindung an ein Logo abgelöst wird. Das ist, längerfristig, eine politisch brisantere Aussage als jede Gewinnwarnung. Bestätigt wird dieser Befund durch die Standorte Wackersdorf und Regensburg, an denen Mitarbeiter bereits angeschrieben wurden — zwei Namen, die in der Hauptstadt kein Echo finden.
Wer profitiert kurzfristig? Die Aktionäre, deren Kurse auf Sparsymbole reagieren. Die Berater, die den Umbau strukturieren werden. Die Logistikketten, die sich verschieben. Die chinesischen Wettbewerber, deren Marktposition nicht mehr bestritten wird. Die Frage, die offen bleibt: ob auch jene profitieren werden, die in den nächsten Wahlkämpfen erklären müssen, warum in ihren Landkreisen 8.000 Menschen weniger zur Arbeit gehen.
Bemerkenswert ist der Satz, den ein BMW-Insider in der CORRECTIV-Recherche zitiert bekommt: Die Einigung mit dem Betriebsrat innerhalb von sechs Wochen zeige, "dass die Mitbestimmung auch in der Krise funktionieren könne". Das ist eine Formulierung, die Mitbestimmung als Verfahren vorstellt, nicht als Gegenmacht. Wer so spricht, hat den Konflikt bereits gewonnen — als Terminkalender, nicht als Auseinandersetzung.
Man sollte CORRECTIV für die Veröffentlichung danken. Man sollte aber auch das Verfahren festhalten: eine Quelle, eine Agentur, ein Unternehmen, das sich nicht äußert. Das ist im Einzelfall redlich. Im Wiederholungsfall — und die deutsche Automobilindustrie liefert derzeit nur Wiederholungsfälle — wird es zur Methode. Und Methoden, das weiß jede, die einmal in Genf über einem Verhandlungstisch saß, hinterlassen Spuren, auch wenn alle Anwesenden lächeln.
Am Ende steht eine Zahl. 8.000. Und daneben die Frage, was sie politisch wiegt, wenn Berlin weiter schweigt.