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Kaliforniens zweites Schweigen: Gewerkschaften und das versagte Warnsystem

9. August 2026 — — — Kastner

Manchmal beginnt eine Geschichte dort, wo sie offiziell endet: in der verstrichenen Frist. Kaliforniens gesetzgebende Kammern haben es zum zweiten Mal versäumt, jenes Warnsystem zu reparieren, das jene Lehrkräfte kenntlich machen soll, denen kein Kind jemals wieder ausgeliefert werden dürfte. Es war kein Zufall, es war kein Versehen, es war ein Beschluss, getroffen von Menschen, die wissen, was sie tun, und dennoch so tun, als wüssten sie es nicht. Ich habe diese Geste in Genf gesehen, an Tischen, an denen Verträge unterschrieben wurden, die niemand einhielt; ich erkenne sie wieder, hier, zwischen Sacramento und Los Angeles, in einer Aktenlage, die kein Geheimnis ist und dennoch verschwiegen wird.

Die Fakten, die sich aus den Dokumenten lesen lassen, sind nüchtern und unbarmherzig. Kinder fallen durch ein Bildungssystem, das nicht um sie herum gebaut wurde, sondern um die Interessen, die es verwalten. Die Schulen Kaliforniens, einst Vorzeigemodell einer ganzen Republik, sind heute Laboratorien eines Versagens, das sich nicht mehr als Unfall tarnen lässt. Lehrerinnen und Lehrer arbeiten unter Bedingungen, die das Wort Verantwortung zur Hohnrede machen; Verwaltungen verwalten, was zu verwalten ist; und Eltern, die ihre Kinder morgens an Schultoren abgeben, fragen sich längst nicht mehr, was sie tun sollen, sondern wem sie noch glauben können.

In dieses Bild gehört die Gewerkschaft, und hier beginnt die Debatte, die in den Vereinigten Staaten seit Jahren mit einer Heftigkeit geführt wird, die jeden außenstehenden Beobachter das Blut in den Adern gefrieren ließe. Den Lehrergewerkschaften wird vorgeworfen, nicht die Kinder, sondern ihren eigenen Bestand zu schützen; sie verteidigten Mitglieder, deren Fehlverhalten dokumentiert sei, und sie blockierten Reformen, die den Schutz der Schülerinnen und Schüler verbessern würden. Michael Petrilli, Präsident des Thomas B. Fordham Institute, vertrat diese Position in einem Beitrag für RealClearEducation vom 5. Dezember 2024, in dem er auf die unzureichende Unterstützung für Berufsanfänger in großstädtischen Systemen mit ihren vielen benachteiligten und aus Einwandererfamilien stammenden Schülern hinwies. Auf der anderen Seite steht das Gegenargument, das auf der Plattform Open to Debate am 21. Dezember 2023 formuliert wurde: Die Aufgabe der Gewerkschaft bestehe darin, für Lehrkräfte einzutreten, nicht für Bildungspolitik im Allgemeinen, und es sei daher verfehlt, die Gewerkschaften für das Versagen der Schulen verantwortlich zu machen. In einer Antwort auf der Plattform Quora wies ein Nutzer darauf hin, dass, wer nach einem Schuldigen für die Zerstörung der amerikanischen Bildung suche, nicht bei den Gewerkschaften ansetzen müsse, sondern bei den Eltern, deren Verhalten und Erwartungen das eigentliche Problem darstellten. Die American Enterprise Institute schließlich veröffentlichte am 17. Mai 2024 einen Beitrag, der den Gewerkschaften vorwarf, ihren Würgegriff auf die Bildung zu verlieren und sich dies selbst zuzuschreiben.

Es sind dies die vier Ecken eines Rechtecks, in dem sich die amerikanische Debatte seit Jahren bewegt, und jede Ecke hat auf ihre Weise recht. Was in Kalifornien jedoch hinzukommt, ist die institutionelle Beharrung, die jede dieser Positionen in praktische Politik übersetzt. Die zweite gescheiterte Reform des Warnsystems ist kein Bildungsrandthema; sie ist die Voraussetzung dafür, dass Eltern, Schulverwaltungen und die Öffentlichkeit überhaupt wissen, wem sie ihre Kinder anvertrauen. Ein System, das diese Voraussetzung nicht gewährleistet, ist kein System, das schützt; es ist eines, das verwaltet.

Man darf, wenn man die Berichte liest, nicht übersehen, dass die Gewerkschaften in Kalifornien politischer Akteur und berufsständische Vertretung zugleich sind. Sie finanzieren Wahlkämpfe, sie mobilisieren Wählerinnen und Wähler, sie verhandeln Verträge, die über Jahre laufen, und sie verteidigen Mitglieder, deren Fehlverhalten in den Akten steht. Dies alles geschieht in einem Staat, dessen Bildungswesen chronisch unterfinanziert ist, dessen Pädagogen mit Klassenstärken arbeiten, die jeden pädagogischen Anspruch zur Makulatur werden lassen, und dessen Verwaltungen mit einer Bürokratie belastet sind, die jede Reform im Keim erstickt. Wer in diesem Geflecht nach dem einen Schuldigen sucht, wird keinen finden; wer jedoch nach dem Muster sucht, das alle Beteiligten verbindet, findet es überall.

Das Muster hat einen Namen, und der Name ist Beharrung. Die Reform des Warnsystems scheiterte zum ersten Mal, sie scheiterte zum zweiten Mal, und sie wird, wenn diejenigen, die sie blockieren, nicht wechseln, auch ein drittes Mal scheitern. Die Kosten tragen jene, die am wenigsten zu sagen haben: die Schülerinnen und Schüler, die jeden Morgen in Klassenzimmer gehen, in denen die Bedingungen ihrer eigenen Bildung längst ausgehandelt sind, bevor sie den Raum betreten.

Man könnte sagen, dies sei das Wesen der Politik. Man könnte auch sagen, dies sei das Wesen einer Demokratie, die ihre eigenen Verfahren nicht mehr ernst nimmt. Beides wäre richtig, und beides wäre unzureichend. Denn was in Kalifornien versagt, ist nicht ein Gesetz, nicht ein Apparat, nicht eine einzelne Gewerkschaft; es ist die Bereitschaft, die Konsequenzen des eigenen Handelns zu tragen. Die zweite verstrichene Frist ist keine Nachricht; sie ist ein Befund.

Wer das nächste Mal einen Streik in Los Angeles sieht, eine Demonstration in Sacramento, eine Schlagzeile über die Schulen von Oakland, der erinnere sich an diese zwei gescheiterten Anläufe. Sie sind der Maßstab, an dem sich alle weiteren Versprechen messen lassen müssen. Man trägt Handschuhe, auch beim Schreiben, aber man zieht sie aus, wenn man die Hand reicht. In Kalifornien reicht seit Jahren niemand mehr die Hand.

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