lf Komma fünf Milliarden, überreicht in weißen Handschuhen
Manhattan, Los Angeles, die üblichen Adressen. Am Mittwoch dieser Woche ist gemeldet worden, was die Agenturen als Sensation verkaufen und was bei näherer Betrachtung vor allem eines ist: ein Geschäft von erlesener Klarheit über die Beschaffenheit der Gegenwart. Mark Walter, Mehrheitseigentümer der Los Angeles Lakers, verkauft die Franchise an Joshua Kushner und den derzeitigen Vorstandsvorsitzenden von Walt Disney, Bob Iger. Zwölf Komma fünf Milliarden Dollar. Gemeldet zuerst von ESPN, übernommen von allen übrigen. Ein Rekord, der seinen eigenen Vorgänger — Walters eigenen Kauf vor vierzehn Monaten für zehn Milliarden — um zweieinhalb Milliarden übertrifft. Die Lakers, dieses in Purpur und Gold gekleidete Imperium aus Meistertiteln und einem unerschöpflichen Reservoir an Erzählungen, wechseln abermals die Hand. Walter behält, so berichtet es die New York Post, die Los Angeles Dodgers. Er tauscht also nicht das Spielzeug, er sortiert es um.
Bevor wir uns den Zahlen hingeben, sollten wir die Beteiligten betrachten. Joshua Kushner, Bruder des früheren Beraters im Weißen Haus, Gründer der Risikokapitalfirma Thrive Capital; Bob Iger, der Mann, der das Imperium von Walt Disney über zwei Jahrzehnte hinweg lenkte und vor nicht allzu langer Zeit an die Spitze des Unternehmens zurückkehrte. Beide, so heißt es in einer gemeinsamen Erklärung gegenüber der New York Post, betrachten sich als lebenslange Fans der Liga. Sie sprechen von Stewardship, von Verantwortung, vom Bauen auf dem Fundament, das Jerry und Jeanie Buss gelegt haben. Hübsche Sätze. Sätze, wie sie Männer formulieren, wenn sie um Vergebung bitten, bevor sie zugreifen. Jeanie Buss, so berichtet es das Blatt weiter, bleibt für fünf Jahre als Gouverneurin im Amt der Franchise — ein galantes Arrangement, das aussieht wie Mitbestimmung und funktioniert wie ein langer Abschied. Der Verkauf bedarf der Zustimmung des Board of Governors der Liga. Die nächste Sitzung findet im September statt; einige Wochen, heißt es, werde das Verfahren dauern.
Nun das, was in den Meldungen zwischen den Zeilen steht und was zu erwähnen unsere Pflicht ist. Walter, so berichtet das Wall Street Journal, steht im Zentrum einer Untersuchung durch die US-Staatsanwaltschaft in Manhattan und die Börsenaufsicht SEC. Geprüft wird, wie Darlehen in Höhe von sechzehn Milliarden Dollar, die an Unternehmen im Umfeld seiner Investmentfirma TWG Global vergeben wurden, über einen Drittparteien-Mechanismus bei Versicherungsgesellschaften landeten, die ihm gehörten. Dies ist ein Fakt, kein Gerücht. Was er im Kontext des Verkaufs bedeutet, ob die Verfahren Kenntnis von der Transaktion haben, ob die Transaktion Kenntnis von den Verfahren hat — das zu erörtern wäre vermessen. Wir vermerken die Koinzidenz. Wir spekulieren nicht.
Was bleibt? Ein Preis, der sich in vierzehn Monaten um fünfundzwanzig Prozent erhöht hat. Eine Liga, deren Franchise-Werte in eine Sphäre aufgestiegen sind, die mit dem, was wir früher Sport nannten, nur noch den Namen teilt. Ein Paar Käufer, deren Biographien sie als Architekten von Aufmerksamkeit und Kapitalströmen ausweisen — der eine in den Kassen der Wall Street und der politischen Sphäre zu Hause, der andere in der Unterhaltungsindustrie, wo man früh lernt, dass Geschichten billiger sind als Fabriken und billiger verkauft werden als Stadien. Eine Verkäuferin, Jeanie Buss, die ihre Familie durch dieses Labyrinth geführt hat und nun zusieht, wie andere die Schlüssel weiterreichen. Ein Verkäufer, Mark Walter, der das eine Imperium behält und das andere abgibt, als tausche man Mäntel in der Garderobe eines Theaters, in dem er selbst noch auf der Bühne steht. Walter selbst sagt, der Besitz der Lakers sei eine der größten Ehren seines Lebens gewesen. Eine außerordentliche Investition, sagt er. Was er tragen werde, sei die Gemeinschaft, die Fans, eine Stadt, die diese Mannschaft als Familie behandle. Hübsch formuliert. Wie ein Abschied formuliert wird.
Zwölf Komma fünf Milliarden Dollar. Eine Zahl, die bald in schöner Regelmäßigkeit in den Bilanzen amerikanischer Sportfranchisen auftauchen wird, bis sie selbstverständlich geworden ist und wir uns nicht mehr erinnern, dass sie einmal unvorstellbar war. So wachsen Imperien. In Handschuhen.
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