Die Bühne, die niemand betreten wollte — und der Eimer, der sie füllte
Es gibt Sätze, die in keinem Protokoll stehen sollten und die trotzdem Geschichte schreiben. "Game on, Nige", sagte ein Mann mit Blecheimer auf dem Kopf, und niemand in Westminster lachte; man starrte auf das Polizeiband, dann auf die Zensur, dann auf die Nachrichten, dann wieder auf den Eimer.
In Clacton-on-Sea, jener Küstenstadt im Südosten Englands, die sich seit Jahrzehnten damit brüstet, ein Ferienort für Arbeiterfamilien gewesen zu sein, bevor sie zu dem wurde, was sie heute ist — eine Bühne für eine Posse, die niemand bestellt hat —, findet an diesem Donnerstag eine Nachwahl statt, die in keinem amtlichen Dokument als das bezeichnet wird, was sie tatsächlich ist: ein politisches Vakuum, verkleidet als demokratischer Akt. Nigel Farage, Vorsitzender von Reform UK und Architekt des Brexit, war aus dem Parlament ausgeschieden, um sich — so seine eigenen Worte — "gegen die Vorwürfe zu rehabilitieren". Finanzielle Anschuldigungen standen im Raum. Farage sprach, vor laufenden Kameras, von einer Hexenjagd und kündigte an, das Volk gegen das Establishment zu vertreten. Die übrigen großen Parteien Großbritanniens antworteten auf die einzige Sprache, die sie noch sicher beherrschen: mit kollektivem Boykott. Sie weigerten sich, eigene Kandidaten ins Rennen zu schicken.
Was folgte, war das Szenario, vor dem jeder Wahlforscher seit Jahren warnt und das niemand politisch Verantwortlicher zu verhindern versuchte: ein Feld von nahezu drei Dutzend Bewerbern, von denen die meisten, wie die New York Post festhielt, "vom absurden Ende des Spektrums" stammten. An ihrer Spitze, weil er am lautesten war, am schnellsten war und am unverwechselbarsten — Count Binface.
Count Binface, ein Pseudonym für den britischen Schriftsteller Jonathan David Harvey, wie die Enzyklopädie vermerkt, ist ein Mann, der einen schwarzen Umhang trägt, einen Abfalleimer als Helm, Körperrüstung, die aussieht wie das Budgetrequisit eines Films, der das Licht der großen Studios nie erblickte. Er ist, seiner eigenen Aussage nach, ein intergalaktischer Raumkrieger mit einem 20-Punkte-Plan. Er hat gegen Premierminister vergangener und gegenwärtiger Tage kandidiert. Er hat verloren, jedes Mal, und er hat, jedes Mal, die präzisere Diagnose gestellt als alle, die gewannen.
"Game on, Nige", hatte Binface gesagt, kaum dass Farage seine erneute Kandidatur angekündigt hatte. Später, im Studio der BBC, fragte er den Moderator: "Hat irgendjemand hier 'Die Rückkehr der Jedi-Ritter' gesehen?" — eine Anspielung auf jene Szene, in der Darth Vader den Helm abnimmt. "Niemand will wissen, was unter dem Recycling steckt", sagte Binface. "Es ist absolut verwest."
Rachel Reeves, damals Schatzkanzlerin des Vereinigten Königreichs, sagte den Satz, der in die Annalen dieser Woche eingehen wird, obwohl sie ihn vermutlich nicht für die Annalen bestimmt hatte: "Wenn Farage den Sommer damit verbringen will, mit einem Mülleimer zu streiten, werde ich ihn nicht aufhalten." Sie hat ihn nicht aufgehalten. Sie hat ihn laufen lassen. Sie hat ihm das Feld überlassen — und damit auch das Feld einem Komödianten, der seinerseits sehr genau versteht, was die Stunde geschlagen hat.
"Ich bin das einzige Frische auf der Speisekarte", sagte Binface der Associated Press an einem Tag, an dem er Journalisten aus Japan, den Niederlanden, Italien und Deutschland Rede und Antwort stand. "Ihr seid all dieser Politiker überdrüssig, so gut sie sich auch bemühen. Aber ihr wisst, dass ihr etwas anderes braucht. Ein bisschen geheime Soße."
Was hier wie ein Witz klingt, ist die präziseste soziologische Diagnose des britischen Zustands, die in dieser Woche öffentlich geäußert wurde. Binface bietet den Menschen, was die etablierten Parteien ihnen seit Jahren verweigern: Aufmerksamkeit. Ein Gesicht. Eine Figur. Eine Geschichte, die erzählbar ist. Es ist die Geschichte eines Familienvaters aus London, der einen Müllbehälter trägt, weil der Behälter, so seine eigene Logik, das ehrlichste Symbol für das ist, was die Wähler seit Jahren erhalten: Behälter ohne Inhalt. Attrappen, hinter denen das Recycling wartet.
Die etablierten Parteien haben diesen Wahlkampf nicht durch ihre Anwesenheit geprägt, sondern durch ihre Abwesenheit. Sie haben ihn nicht gewonnen, sondern ihm den Boden entzogen — und dann zugeschaut, wie auf diesem Boden etwas wuchs, das sie nicht mehr kontrollieren konnten. Man kann das Zynismus nennen. Man kann es auch Strategie nennen, in jenem verwalteten Sinn, in dem Strategie heute verstanden wird: als die Kunst, einen Wahlkampf so zu führen, dass er niemandem gehört außer dem, der ihn am lautesten führt. Man kann es aber auch, und dies wäre die ehrlichere Lesart, das Symptom einer politischen Pathologie nennen, die tiefer reicht als jeder einzelne Wahlzettel in Clacton-on-Sea.
Denn die Frage, die an diesem Donnerstag gestellt wird, ist nicht, ob ein Mann im Eimer gewinnt. Die Frage ist, warum er überhaupt antreten muss. Warum die seriösen Parteien glaubten, durch ihr Schweigen etwas zu gewinnen, das ihnen durch Reden längst entglitten war. Warum die Wähler, die an diesem Donnerstag ihre Kreuze machen, dies tun werden in einem Feld, in dem kein einziger Name steht, den sie von den Plakaten der vergangenen dreißig Jahre wiedererkennen — außer dem von Farage, der gerade dabei ist, sich zu rehabilitieren, und außer dem des Mannes, der sich hinter einer Tonne versteckt.
Reform UK wird diese Nachwahl vermutlich gewinnen, sofern die Demoskopen sich nicht irren, was selten genug vorkommt. Farage wird zurück ins Parlament einziehen. Der Mann im Eimer wird einen Achtungserfolg erzielen, der sich vorzüglich macht für die nächste Talkshow, das nächste Kapitel in einer Karriere, die nie eine andere sein wollte als die des aufmerksamkeitsökonomischen Außenseiters. Und die Wähler werden an die Küste zurückkehren, dorthin, wo das Meer gegen die Promenade schlägt, und werden wissen, dass sie an einem Theater teilgenommen haben, das niemand bestellt hat und das dennoch stattfand, weil die Bühne sonst leer geblieben wäre.
Was bleibt, ist die geheime Soße. Was bleibt, ist der Eimer. Was bleibt, ist die Erinnerung daran, dass Demokratie, wenn man ihr den Boden entzieht, nicht zusammenbricht — sie wird zur Komödie. Und Komödianten, so hat es schon Jonathan David Harvey festgestellt, sind ehrlicher als die meisten, die sich Politiker nennen.
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