Börse 1937
Terminal Tribune

14. August 2026

Dossier · Politik & Macht

'Giftig', sagt einer — und die Stille hat ein Ende

14. August 2026 — — Kastner

Es gibt Worte, die fallen wie ein Stein in stilles Wasser; man sieht die Kreise erst, wenn es zu spät ist, und bis dahin hat sich die Oberfläche längst wieder geglättet, als wäre nichts gewesen. Eines dieser Worte ist in diesem Jahr gefallen, in einem Interview, in dem der Chef eines Unternehmens sprach, das man nicht ohne Grund zwischen Regierungen und dem übrigen Silicon Valley verortet. Das Wort lautete — und man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen, weil es im Geschäftston sonst nicht fällt: 'really toxic'. Auf Deutsch: wirklich giftig.

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Wer es aussprach, war nicht Palantir selbst. Es war jemand, der über Palantir sprach, in einem Gespräch, das zwischen März und Juli dieses Jahres seine Runde machte und seither nicht zur Ruhe kommt. Auf Reddit, im Subforum r/technology, trug ein Beitrag am 12. März 2026 die Überschrift 'Palantir CEO Makes Shocking Confession on Disrupting Democratic Power'. Ein Nutzer fragte, ob jemand ein CNBC-Pro-Abonnement habe und das vollständige Interview teilen könne — es war, so scheint es, nicht leicht zu finden. Ein anderer verwies auf einen längeren Clip bei Yahoo, ursprünglich über X verbreitet, in dem CEO Alexander Karp dem Wort eine Einleitung voranstellte: 'diese Technologien', sagte er, und 'Silicon Valley'. Er sprach also, wenn man die Präposition ernst nimmt, nicht allein über sein eigenes Haus. Er sprach über eine ganze Klasse von Unternehmen, deren sichtbarstes Mitglied zufällig seins ist.

Das ändert die Sache nicht. Es verfeinert sie.

Denn das Wort 'giftig' blieb hängen. Es blieb hängen, weil es nicht aus dem CEO-Mund kam, sondern aus dem Mund eines Beobachters — und weil es ein Wort ist, das in der Geschäftssprache sonst sorgfältig vermieden wird. Man sagt 'umstritten'. Man sagt 'in der Diskussion'. Man sagt 'polarisierend'. Man sagt 'regulatorisch herausfordernd'. Das sind die Schleier, die man über Dinge legt, die man nicht beim Namen nennen will. Aber 'giftig'? Das ist ein Wort aus dem Giftschrank der Medizin, nicht aus dem Konferenzraum. Wer es benutzt, hat die Schleier beiseitegelegt.

Am 2. Juni 2026 veröffentlichte der Guardian einen Beitrag mit der Überschrift 'Tuesday briefing: Palantir's rise — and why so many oppose its role in the British state'. Die Zeitung erinnerte daran, dass Karp, Mitgründer und CEO, Anfang des Jahres ein Manifest veröffentlicht habe, das als 'much-maligned' gilt und das implizit 'bestimmte Kulturen als minderwertig' darstelle. Die Guardian-Reporterin Aisha Down sprach darüber in der Sendung First Edition — über Palantirs Aufstieg und über die wachsende Zahl von Menschen, die seine Rolle im britischen Staat ablehnen.

Am 1. Juli 2026 erschien bei SiliconANGLE ein Bericht unter dem Titel 'Palantir CEO Alex Karp doesn't hold back in interview as he rails against AI industry'. Karp, so hieß es dort, hielt sich nicht zurück. Er schimpfte. Er geißelte die Branche, in der er selbst eine der größten Figuren ist.

Was also bleibt, nach drei Stationen in vier Monaten?

Es bleibt ein einzelnes Wort aus einem Interview, das ein Außenstehender, wie der Kontext nahelegt, über Palantir sagte. Ein Wort, das in seiner Knappheit all das zusammenfasst, was andere in langen Artikeln, in parlamentarischen Anfragen, in Protestnoten zu fassen versuchen: dass etwas an diesem Unternehmen als schädlich empfunden wird. Nicht nur von Konkurrenten. Nicht nur von jenen, die an seinem Aufstieg verdienen oder daran scheitern. Sondern auch von jenen, die es aus der Distanz betrachten — aus der Distanz einer Redaktion, eines Leserforums, eines Sessels.

Es ist eine einzelne Quelle. Wer sie ist, sagt das Wort nicht. Ob sie im engeren Sinne recht hat, sagt das Wort auch nicht. Aber dass das Wort überhaupt fiel — dass jemand es aussprach, ohne es hinterher in 'komplex' oder 'differenziert' abzumildern, ohne es zu widerrufen — das sagt etwas über die Stimmung, in der dieses Unternehmen gegenwärtig betrachtet wird. Über die Stimmung. Genau weiß man es nicht. Man weiß nur, dass das Wort fiel, und dass es nicht zurückgenommen wurde.

Ich notiere dies, wie ich alles notiere: mit Handschuhen und ohne Erschütterung. Die Welt spielt Schach, und manche Figuren werden als 'giftig' markiert, lange bevor sie geschlagen werden. Das ist, wenn man genau hinsieht, kein Urteil. Es ist eine Vorahnung.

❖ Ende des Artikels ❖

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