Die Konferenz, die niemand sah
In den Salons wird geflüstern, in den Redaktionen wird gezögert, und in den Ministerien, so sagt man, werden Aktendeckel mit besonderer Sorgfalt verschlossen. Ein politischer Durchbruch sei erzielt worden, verlautet aus einer Quelle, deren Name nicht genannt werden will — und deren Existenz sich jeder Überprüfung entzieht.
So beginnen Geschichten, die keine Geschichte werden dürfen. Nicht weil sie unwahr wären, sondern weil sie noch keine Form haben: keine Tinte, keine Unterschrift, kein Protokoll. Nur das Wort, getragen von Mund zu Mund, von einer Hand zur nächsten, immer leiser werdend.
Die Terminal Tribune hat in den vergangenen Tagen versucht, das Gerüst dieser Nachricht zu verstehen. Wir haben bei den üblichen Stellen angefragt — dem Außenministerium, den ständigen Vertretungen, den akkreditierten Korrespondenzbüros. Die Antworten, die wir erhielten, waren von einer bemerkenswerten Gleichförmigkeit: Man bestätigte weder, noch dementierte man; man verwies auf laufende Gespräche, deren Inhalt naturgemäß vertraulich sei; man empfahl uns, Geduld zu üben.
Geduld. Ein Wort, das in der Diplomatie selten etwas Gutes bedeutet.
Was weiß man? Wenig. Was wird behauptet? Viel. Dass zwei — oder drei — Mächte, deren Namen in den Zeitungen der Hauptstädte dieser Tage mit sehr unterschiedlichen Vorzeichen erscheinen, sich an einen Tisch gesetzt hätten. Dass man sich, nach Jahren des frostigen Schweigens, wieder in die Augen sehe. Dass ein Rahmen gefunden sei — nein: dass ein Weg gefunden sei, der eines Tages zu einem Rahmen führen könne. Die Vokabeln sind mit Bedacht gewählt. Sie verraten den Mechanismus, ohne ihn preiszugeben. Man spricht von Annäherung, nicht von Einigung. Von Atmosphäre, nicht von Abkommen. Von Signalen, nicht von Unterschriften. Wer so spricht, will gehört werden, ohne verbindlich zu werden — eine Kunst, die in Genf längst zur Meisterschaft gereift ist und hier, in diesem neuen Spiel auf dem Brett, zur Vollendung getrieben wird.
Niemand nennt ein Datum. Niemand nennt einen Ort. Niemand nennt die Substanz — nur die Behauptung, dass es sie gebe. Dies, muss man einräumen, ist die archaische Form jeder Macht: Wir wissen, dass wir wissen, und ihr werdet erfahren, wenn wir es erlauben.
Eine Quelle, eine einzige, hat uns von dem Vorgang berichtet. Ihre Identität bleibt, wie immer in solchen Fällen, geschützt. Ihre Glaubwürdigkeit jedoch ist — das gestehen wir offen — Gegenstand unserer eigenen, noch nicht abgeschlossenen Prüfung. Die Terminal Tribune wird nichts drucken, was sich nicht verifizieren lässt. Aber sie wird auch nicht schweigen, wenn das Schweigen der anderen verdächtig wird.
Denn das ist die Lektion, die uns die letzten Jahre gelehrt haben: Nicht die Verträge, die unterzeichnet werden, entscheiden über die Zukunft. Es sind die Verhandlungen, die nie offiziell stattgefunden haben. Die Handschläge, die keiner gesehen hat. Die Sätze, die in Nebenzimmern fallen, während die Kameras auf das leere Podium gerichtet sind. Die Welt, in der wir leben, ist eine, in der das Sichtbare zur Nebensache geworden ist. Die Reden, die gehalten werden, sind nicht die Reden, die zählen. Die Konferenzen, deren Teilnehmerlisten veröffentlicht werden, sind nicht die Konferenzen, die Geschichte machen. Wer den Vorhang lesen will, muss zuerst seine Falten studieren — und das Spiel des Lichts auf dem Samt.
Was wir heute berichten, ist also weniger ein Bericht als eine Verhörmethode. Wir veröffentlichen das Gerücht, um es zu verhören. Wir nennen die Lücke, damit sie jemand fülle — oder damit sie offen bleibe als das, was sie ist: ein Rätsel, das jene, die es erzeugt haben, nicht lösen wollen.
Eines bleibt indessen festzuhalten: Wenn ein Durchbruch von solcher Tragweite tatsächlich stattgefunden hat, dann wird er Spuren hinterlassen — in den Devisenkursen, in den Truppenbewegungen, in den Gesichtern der Botschafter, in dem Tonfall der Kommuniqués. Man muss kein Prophet sein, um dies zu sehen; man muss nur die Geduld aufbringen, hinzusehen.
Bis dahin gilt, was in dieser Redaktion seit jeher galt: Wir tragen Handschuhe beim Schreiben. Wir drucken, was sich drucken lässt. Und wir schweigen nicht, wenn das Schweigen der Mächtigen lauter wird als ihre Worte.
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