Die Schwangeren und die stillen Texte: Eine Diskrepanz und ihre Mechanik
Im Januar 2021, als die Welt noch glaubte, dass die Nadel im Arm das Ende der Furcht bedeute, schrieb ein Mann eine Nachricht an zwei andere, die zusammen die öffentliche Gesundheit der Vereinigten Staaten lenkten. Der Inhalt: eine theoretische Sorge. Der Adressat: die engsten Mitwisser. Das Publikum: ahnungslos.
Dr. Anthony Fauci, damals Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, schrieb am 25. Januar 2021 an Dr. Rochelle Walensky, Chefin der Centers for Disease Control and Prevention, und an Dr. Vivek Murthy, den designierten Surgeon General. Was er schrieb, war keine Pressemitteilung. Es war ein vertraulicher Hinweis unter Männern, die wussten, was sie sagten, und an wen.
„I asked around a bit more and another issue came up that you need to be aware of," begann Fauci. Und dann: „Since many people have significant cytokines storm and fever after the 2nd dose, this theoretically could be associated with miscarriage in the 1st trimester."
Eine theoretische Möglichkeit. Ein Zytokinsturm nach der zweiten Dosis. Ein vermeintliches Risiko einer Fehlgeburt im ersten Trimester. Die Cleveland Clinic, man konsultiere das medizinische Lexikon, definiert einen Zytokinsturm als schwere Komplikation, die lebensbedrohliche Entzündungen auslösen kann — wenn das Immunsystem zu viele Zytokine freisetzt, jene Proteine, die eigentlich zur Abwehr gedacht sind.
Nur acht Tage später, am 3. Februar 2021, sprach derselbe Mann in einem Livestream des Journal of the American Medical Association. Seine Worte, an die Öffentlichkeit gerichtet: „The FDA found thus far, and we have to be careful, but thus far no red flags about that, about pregnant women."
Keine roten Flaggen. Keine Warnschilder. Während privat Bedenken kursierten, sprach man öffentlich von Sicherheit. Diese Diskrepanz ist nicht hypothetisch. Sie ist dokumentiert. Sie liegt schwarz auf weiß in Form von Textnachrichten auf einem Regierungs-iPhone, das nun von Senator Ron Johnson aus Wisconsin und Senator Rand Paul aus Kentucky ans Licht gezogen wurde.
Was hier zu verstehen ist: Die Senatoren behaupten, sie hätten 34.000 Textnachrichten und 522 Sprachnachrichten ausgehändigt bekommen. Drei Kontakte seien namentlich benannt. Der Rest existiere nur als Nummer. Ob Daten gelöscht wurden, schreiben sie, lasse sich derzeit nicht feststellen. „It is too early to determine whether any data has been deleted," heißt es in der Pressemitteilung, die das eigene Verfahren gleichzeitig als zu früh und als dringlich deklariert.
Und hier beginnt die Frage nach dem „Managed Release", die diese Zeitung stellt — nicht als Anklage, sondern als Beobachtung des Mechanismus. Warum jetzt? Warum diese eine Textkette? Warum nicht alle? Die Senatoren selbst sprechen von einem „principle of informed consent" und einem möglichen „immediate impact on public health". Das politische Verfahren rund um Fauci ist bereits im Gange — ein Contempt Vote des Kongresses steht bevor, Fauci hat 111 Mal vom Fünften Amendment Gebrauch gemacht, obwohl der ehemalige Präsident Biden ihm offenbar präemptiv begnadigt hatte.
Murthy hatte in derselben Konversation gefragt, ob es Gründe gebe, die Impfung früher oder später in der Schwangerschaft zu empfehlen. Außerdem wies er darauf hin, dass die WHO eine „strong statement" veröffentlicht habe, Moderna für Schwangere nicht zu empfehlen. „That's a strong statement to make and potentially quite damaging to public confidence among pregnant women," schrieb er am 26. Januar 2021 an Fauci und Walensky. Die WHO. Eine andere Gesundheitsbehörde, die zur Vorsicht mahnte. Fauci, Walensky und Murthy wogen also nicht nur die Wissenschaft ab, sondern auch die Konsequenzen für die Wahrnehmung — privat, in einer Kette, die keine schwangere Amerikanerin zu sehen bekam.
Watson, der Fact-Check-Ressource, liegen die Daten vor. Die genannten Zeitpunkte und Aussagen sind durch die veröffentlichten Textdokumente und durch mehrere unabhängige Berichterstattungen dokumentiert. Die Behauptung, Fauci habe öffentlich „no red flags" gesagt, ist durch das JAMA-Transkript belegt. Die Behauptung einer Diskrepanz zwischen privater und öffentlicher Kommunikation beruht auf den von den Senatoren veröffentlichten Textnachrichten. Was hier nicht behauptet werden soll: dass Fauci bewusst und mit böser Absicht falsch informierte. Die Dokumente belegen eine Diskrepanz. Die Interpretation dieser Diskrepanz ist Sache der Justiz, der Historiker und der Wähler.
Fauci selbst sagte später, im Jahr 2021 noch als Chief Medical Adviser des Weißen Hauses unter Biden, dass „tens and tens and tens of thousands of women" vom CDC verfolgt worden seien, und dass „no indication whatsoever" auf erhöhte Nebenwirkungen hindeute. Ob diese Datenlage zum Zeitpunkt seiner privaten Bedenken bereits existierte, ist eine der offenen Fragen, die diese Textkette aufwirft — eine Frage, die nur eine vollständige Veröffentlichung der 34.000 Nachrichten beantworten könnte.
Der Zytokinsturm. Die Fehlgeburt. Die Schwangeren. Die amerikanische Frau, die im Frühjahr 2021 vor der Entscheidung stand, sich impfen zu lassen oder nicht — sie erfuhr von diesen theoretischen Möglichkeiten nichts aus erster Hand. Sie erfuhr: keine roten Flaggen. Sie erfuhr: es ist sicher.
Die Textnachrichten sind kein Geheimnis mehr. Sie liegen auf dem Tisch. Sie sind spät, sehr spät, ans Licht gekommen. Ob ihr Erscheinen strategisch terminiert wurde, ob ihre Auswahl aus den 34.000 Nachrichten eine bestimmte erzählerische Funktion erfüllen soll — diese Frage stellt sich. Sie zu beantworten, ist nicht Sache dieser Spalte. Aber sie zu stellen, ist Pflicht.
In Genf, wo diese Berichterstatterin Verträge gesehen hat, die nie eingehalten wurden, und Männer, die lächelten, während sie logen, lernt man eines: Die Wahrheit kommt oft nicht durch das, was gesagt wird. Sie kommt durch das, was verschwiegen wird. Und durch die Frage, warum es jetzt gesagt wird.
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