Grönlands Bohrgeräte, Trumps Schatten und ein Versehen, das keines war
Manchmal beginnt die Geopolitik mit einer Containerladung und einem falsch verstandenen Wort. Im Juli 2026 ging ein texanisches Unternehmen namens Greenland Energy mit Sitz in Denver davon aus, dass eine Genehmigung zum Entladen und Lagern von Ausrüstung nur innerhalb des Ölexplorationslizenzgebiets erforderlich sei. Diese Annahme war, gelinde gesagt, eigenwillig. Die grönländische Regierung sprach von einem „starken Warnschuss". Der Geschäftsführer Roderick McIllree erklärte gegenüber dem dänischen Sender DR: „Es war ein Irrtum unsererseits, der sich nicht wiederholen wird." Es ist einer jener Sätze, die in protokollarischer Sprache so viel bedeuten wie: Wir wurden ertappt.
Die Geschichte beginnt nicht im Juli. Sie beginnt mit einem reichen Freund, der Donald Trump während seiner ersten Amtszeit den Gedanken in den Kopf setzte, die größte Insel der Welt zu erwerben. Seither hat der Präsident gedroht, sie von Dänemark zu kaufen, sie militärisch zu nehmen oder einen Deal einzufädeln. Dass Greenland Energy nun ohne Genehmigung Bohrgeräte, Container und einen Bagger im Osten der Insel anlanden ließ, wirft Fragen auf, die über bürokratische Schlamperei hinausgehen.
Der Ort des Geschehens heißt Nunap Qeqqa, auch Jameson-Land genannt, eine Halbinsel im Osten Grönlands, nördlich des Scoresby-Sunds, administrativ Teil der Gemeinde Sermersooq. Dort werden große Rohstoffvorkommen vermutet. Das Becken ist, so das britische Mutterunternehmen 80 Mile, bislang unerschlossen. Robert Price, CEO von Greenland Energy, beziffert das unter der Tundra schlummernde Öl auf eine Billion Dollar. Eine Zahl, die in Pressemitteilungen funktioniert wie ein Magnet.
Die Konstruktion hinter dem Projekt ist so verschachtelt wie ein Genfer Vertragsentwurf: Die grönländische Firma White Flame Energy A/S, eine Tochter des britischen Konzerns 80 Mile, führt ein Joint Venture mit Greenland Energy. London zeichnet für die Genehmigungsverfahren verantwortlich, Denver für Logistik und Koordination. Nach zwei Bohrungen soll Greenland Energy 70 Prozent der Anteile erhalten. Es ist ein Arrangement, bei dem derjenige, der die Bohrlöcher bezahlt, nicht derjenige ist, der die Bürokratie beherrscht — und das rächt sich nun.
Die Aufregung auf der Insel war groß. Sie gehört zum dänischen Königreich und steht seit Langem im Zentrum weltpolitischer Machtspiele. Das Material lagert nun in einem Hangar am Flughafen Nerlerit Inaat, nahe dem Dorf Ittoqqortoormiit, der nächstgelegenen Siedlung zum Lizenzgebiet. Die Regierung Naalakkersuisut stellte klar: Alle künftigen logistischen Maßnahmen müssen der Mineralbehörde gemeldet und von ihr genehmigt werden.
Am Donnerstag folgte die nächste Hiobsbotschaft. Das nötige behördliche Verfahren könne nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, die Genehmigungen lägen nicht zum geplanten Bohrbeginn vor. Die Bohrarbeiten würden im Winter 2026/2027 nicht stattfinden können. White Flame Energy war dies bereits bei einem Treffen im Juli mitgeteilt worden. Es fehlten öffentliche Anhörungen, eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Behörden erwarten nun einen „realistischen Zeitplan".
Die Umgebung, in die gebohrt werden soll, ist kein neutraler Boden. Es handelt sich um ein geschütztes Feuchtgebiet, Heimat seltener Vögel und der Moschusochsen, von denen lokale Jäger abhängig sind. Ob in dieser Zone überhaupt gebohrt werden darf, ist noch nicht entschieden.
Hier wird die Geschichte politisch. Der Vorsitzende von Greenland Energy, Larry Swets, gilt als nah an Trump. Jeff Landry, Gouverneur von Louisiana und Mann des rechten Flügels, wurde von Trump zum Sondergesandten für Grönland ernannt. Sein erklärtes Ziel: „Make Greenland a part of the US." Nach einem Besuch im Mai erklärte er, das Öl unter Grönland könne die Energiekrise nach dem US-Angriff auf den Iran lindern. „Wir könnten diese Barrel in etwa zehn Monaten produzieren", sagte er. Eine Zahl, die nichts mit der Realität grönländischer Genehmigungsverfahren zu tun hatte — und alles mit der Rhetorik eines Mannes, der Grundstücke verkauft.
Ulrik Pram Gad, Forscher am Danish Institute for International Studies, brachte es auf den Punkt: „Es gibt dieses vage Gefühl einer Verbindung zu Trump. Das schafft Angst und Spannungen, zumal man bei Trump alles erwarten kann." Anne Merrild, Professorin an der Universität Aalborg, ergänzte: „Mit dieser nicht genehmigten Entladung von Ausrüstung hat das Unternehmen seine Chancen bei den grönländischen Behörden nicht gerade verbessert."
Die Aktionäre von Greenland Energy, in New York notiert, hatten auf einen „Trump Pump" gehofft — eine präsidiale Empfehlung, die den Aktienkurs in die Höhe treibt. Was sie bekamen, war eine Verzögerung, ein Warnschuss und eine grönländische Regierung, die sich nicht hetzen lässt. Im Spiel der Großen Mächte hat Grönland gelernt, seine Karten langsam auszuspielen.
Was bleibt? Ein texanisches Unternehmen, das seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Ein britischer Partner, der für die Bürokratie zuständig ist und daran scheitert. Ein Präsident, der von Inseln träumt. Und ein Feuchtgebiet voller Moschusochsen, das möglicherweise mehr politisches Gewicht hat als alle Bohrlizenzen zusammen.
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