Das Versprechen vom Fünfzehnten
Man muß Gambhir zugutehalten, daß er die Formulierung versteht. Ein Diplomat lernt nie aus — und sei es in Colombo, bei dreißig Grad im Schatten und einer Brise, die nach Jasmin riecht und nach den gebrochenen Schwüren der letzten Saison. „Come 15th morning", sagte er. „We're absolutely ready with every answer." Diese Syntax. Diese Uhrzeit. Dieser genaue Tag. Einem Manne, der Verträge unterzeichnet hat, sträuben sich die Nackenhaare bei solcher Präzision — denn wer ein Datum so exakt benennt, der hat bereits geplant, was er uns nicht sagen will.
Beginnen wir mit dem, was wir hören. Am fünfzehnten August beginnt in Galle eine zweispännige Testserie zwischen Indien und Sri Lanka, das zweite Spiel folgt ab dem dreiundzwanzigsten hier in Colombo. Der Trainer Gautam Gambhir sprach vor einer Trainingseinheit zur Mannschaft und hieß zwei Neulinge willkommen — den dreiunddreißigjährigen Saransh Jain, einen spätblühenden Spin-Allrounder aus Madhya Pradesh, und den Schnellbowler Auqib Nabi, der den verletzten Jasprit Bumrah ersetzt und Jammu & Kaschmir zur ersten Ranji-Trophäe führte. Es sind die üblichen Worte. Glückwünsche. Familie. Stolz. Das Vaterland. Man schluckt es, wie man Tabletten schluckt — mit Wasser und ohne hinzusehen.
Doch dann, mitten im Konfetti der Begrüßungen, diese kleine Bombe: „Ob wir zuerst schlagen oder zuerst bowlen, wir werden am Morgen des Fünfzehnten absolut bereit sein mit jeder Antwort, auf jede Frage, die uns gestellt wird, und jede Antwort, die wir zu geben bereit sind." Hören Sie genau hin. „Jede Antwort, die wir zu geben bereit sind." Das ist keine Vorbereitung. Das ist ein Vertrag. Das ist die Sprache eines Mannes, der weiß, daß manche Fragen nicht beantwortet werden dürfen — und der im voraus signalisiert, welche Antworten vorbereitet sind und welche nicht.
Man stelle sich das in einem Konferenzsaal vor. Man stelle sich Männer mit weichen Stimmen und harten Augen vor, die sagten: „Wir werden zur gegebenen Zeit antworten." Sie haben geantwortet. Sie haben nie geantwortet. Sie haben das Wort so oft benutzt, bis es seine Bedeutung verlor wie eine Münze, die zu oft den Besitzer wechselt. Gambhir verspricht nicht den Sieg. Er verspricht „Antworten". Er verspricht, „alle Kästchen abzuhaken". Er sagt nicht, was nach der 0:2-Heimniederlage gegen Südafrika im Dezember geändert wurde. Er sagt nicht, welche Lehren gezogen wurden. Er sagt nur: Am Fünfzehnten. Pünktlich. Mit geschlossenen Akten und sortierten Mappen.
Die Architektur dieser Erklärung ist verräterisch. Wer profitiert von dieser Vorfreude? Wer profitiert davon, daß das Datum genannt wird, bevor irgendetwas bewiesen ist? Der Verband, der den Clip veröffentlicht — jene Marmorplätze, auf denen jede Mitteilung wie in Stein gemeißelt erscheint. Der Trainer, dessen Stimme nun in zwanzig Sprachen wiederholt wird, bevor ein einziger Ball gespielt wurde. Die Neulinge, deren Namen nun in einem Atemzug mit einem Schwur stehen, der keiner ist.
Es gibt zwei Sorten von Versprechen. Die einen werden gehalten, weil sie nichts kosten. Die anderen werden gebrochen, weil sie alles kosten würden. Gambhirs Worte gehören zur zweiten Sorte — sie sind so formuliert, daß sie bei jedem Ausgang gelten können. Bereit wozu? Zu verlieren? Zu gewinnen? Zu erklären, was auch immer geschehen ist? Die Formulierung ist ein Käfig aus Worten, hübsch verziert, innen hohl. Und hier, verehrte Leser, liegt der Verdacht. Nicht in dem, was Gambhir sagte. Sondern in der Gewißheit, mit der er es sagte. Nicht in der Verheißung, sondern im Timing. Wer am sechsten August ein Datum wie den fünfzehnten benennt, der verkauft uns nicht Wahrheit. Der verkauft uns das Warten selbst. Das köstliche, fiebrige Warten, in dem die Erwartung größer wird als jede Antwort sein könnte.
Die wahren Antworten werden niemals im voraus angekündigt. Sie kommen still, unbeachtet, zwischen den Zeilen der Verlautbarungen, dort, wo niemand hinsieht. Saransh Jain mag eine schöne Karriere vor sich haben. Auqib Nabi mag Bumrahs Schuhe füllen, so gut es eben geht. Aber dies hier ist kein Aufnahmeprüfungs-Ritual. Dies ist die Inszenierung eines Termins, der nie ein Termin war — sondern ein Versprechen, das seine größte Wirkung am Fünfzehnten entfalten wird, ganz gleich, was geschieht. Ich trage Handschuhe, auch wenn ich schreibe. Man weiß nie, was man anfaßt.
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