Farage am Remembrance Day: Der lange Marsch ins Zentrum
Es gibt Bilder, die in den Annalen eines Landes schwerer wiegen als Dokumente, und es gibt Bilder, die niemand vermisst hätte, wenn sie nicht gemacht worden wären. Die Nachricht, dass Nigel Farage, Führer von Reform UK, beim diesjährigen Remembrance Day erstmals in prominenter Position unter den politischen Spitzen des Vereinigten Königreichs stehen wird, gehört in die zweite Kategorie. Sie wird berichtet, weil sie berichtet wird; sie wird kommentiert, weil sie ein Kommentar verlangt. Was sie bedeutet, ist eine Frage, die das Protokoll allein nicht beantworten kann.
In Genf habe ich einmal eine Verhandlungsrunde erlebt, in der alle Anwesenden wussten, dass die Vereinbarung, die sie unterzeichnen würden, am nächsten Morgen nicht mehr gelten würde. Die Höflichkeit, mit der sie einander die Hand reichten, war vollständig. Die Handschuhe, die sie trugen, passten zu den Handschuhen der Gegenüber. Es war eine Zeremonie, die sich selbst genügte. Wer die Nachricht von Farages Platz am Denkmal liest, sollte sich erinnern, wie solche Zeremonien entstehen: durch jene, die etwas zu zeigen haben, und jene, die zugestimmt haben, es zu zeigen.
Denn die Nachricht kommt nicht allein. Sie kommt, wie die Daily Mail schreibt, im Gefolge eines Sieges, der als Durchbruch beschrieben wird — Farages langjähriger Ehrgeiz, neben dem Premierminister und anderen führenden Politikern an der Zeremonie teilzunehmen, sei damit als Symbol seines Eintritts in den politischen Mainstream erfüllt. Man beachte die Formulierung: nicht als politische Leistung, sondern als symbolischer Akt. Was als Vollendung eines langen Marsches dargestellt wird, ist, genauer besehen, die Gewährung eines Wunsches durch jene, die solche Wünsche zu gewähren haben.
Die BBC ergänzt das Bild, und zwar an seinen Rändern. In Clacton gewann Farage am vergangenen Wochenende 22.239 Stimmen. Die großen Parteien boykottierten die Nachwahl; sie schickten keine Kandidaten, sie empfahlen das Fernbleiben. Ein Sieg also, der nicht bestritten wurde, weil niemand antrat, der ihn hätte bestreiten können. Der maskierte Unterhalter Count Binface, der sich zur Tradition gemacht hat, bei britischen Wahlen mit Weltraumhelm und ironischem Programm anzutreten, erhielt fast 10.000 Stimmen. Die BBC fragte ihre Zuschauerinnen und Zuschauer, was die Wählerinnen und Wähler über die Wiederwahl denken, und schrieb selbst von einer Debatte innerhalb der Partei über die Frage, was der Sieg tatsächlich verändert habe.
Am Abend desselben Tages nahm der Parliamentary Standards Commissioner eine Untersuchung wieder auf, die sich, so die BBC und weitere Berichte, mit einer Spende in Höhe von fünf Millionen Pfund in Kryptowährung befasst, deren rechtliche und politische Umstände umstritten sind. Die zeitliche Nähe der beiden Ereignisse — Verkündung des Sieges und Wiederaufnahme der Ermittlungen im Abstand weniger Stunden — ist, man darf es so sagen, kein Zufall der Redaktion, sondern der Logik des Hauses. Parlamentarische Untersuchungen folgen ihren eigenen Verfahren; sie werden nicht wegen Wahlergebnissen eingestellt, und sie werden in der Regel auch nicht deshalb beschleunigt. Wer die Stunden zählt, misst die Disziplin der Institution.
Die Britinnen und Briten, die Remembrance Day begehen, werden an diesem November einen Mann sehen, dessen politischer Weg seit Jahren von der Frage flankiert wird, wie sein Aufstieg finanziert wurde und welche Kräfte ihn tragen. Sie werden einen Premierminister sehen, der ihm den Platz nicht verwehrt hat — ob aus Berechnung, aus Höflichkeit oder aus Mangel an einer überzeugenden Alternative, das gehört in die Akten, die hier nicht vorliegen. Sie werden einen Mann sehen, der nach eigenem Bekunden dort stehen wollte, wo die Kameras ihre Bilder machen und die Geschichte ihre Komposition ordnet, und der nun dort steht.
Ob die Zeremonie größer ist als jede einzelne Figur, die an ihr teilnimmt, ob das Protokoll hier nur eine höfliche Geste vollzieht oder einen politischen Akt vollendet — das sind Fragen, die nicht das Denkmal beantworten wird, sondern die Wochen und Monate danach. Die Handschuhe, die ich beim Schreiben trage, sind aus Leder und aus Gewohnheit. Was ich gesehen habe, seit ich Verträge lese, die nie eingehalten wurden, ist dies: dass die meisten Verschiebungen im Tonfall beginnen, lange bevor sie in der Substanz ankommen.
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