Wenn das Papier verfällt: Notizen zur Sprache der Drohung
Es gibt eine Stille, die lauter ist als jede Erklärung. Ich habe sie in Verhandlungsräumen gehört, in den Minuten, nachdem ein Übersetzer den letzten Satz eines Protokolls verlesen hatte und beide Seiten wussten, dass nichts mehr kommen würde. Damals, in Räumen, deren Namen ich aus Gründen der Vorsicht nicht nenne, lernte ich: Das Ende eines Dokuments ist nie das Ende einer Geschichte. Es ist der erste Satz der nächsten. Ich notiere dies mit Handschuhen. Nicht aus Manier. Aus Erfahrung. Wer einmal erlebt hat, wie ein Lächeln sich in eine Unterschrift verwandelt, greift ungern ohne Schutz zur Feder.
Nun also berichtet eine einzelne Quelle, deren Angaben wir vor einer weiteren Veröffentlichung prüfen, dass das Memorandum of Understanding zwischen Iran und den Vereinigten Staaten ausgelaufen ist. Die Berichte, die uns in der zweiten Augusthälfte dieses Jahres erreichten — am fünfzehnten, sechzehnten, siebzehnten und achtzehnten August —, beschreiben, was folgt, wenn solche Papiere altern: nicht Verhandlungen, sondern das, was in der Sprache der Diplomatie als „Threat Display" bezeichnet wird, ein Begriff, der kühl klingt und es nicht ist.
Wir wissen aus diesen Berichten wenig Konkretes. Wir wissen, dass es Drohgebärden gibt — gegenseitige, so heißt es —, was die Frage aufwirft, ob das, was wir sehen, tatsächlich aufeinander abgestimmt ist oder ob jede Seite ihre eigene Inszenierung probt, ohne die andere zu kennen. Wir wissen nicht, welche Flugzeuge wo fliegen, welche Häfen angelaufen werden, welche Sätze in welcher Hauptstadt gesprochen werden. Wir wissen nur, dass die Quelle von „gegenseitiger Inszenierung" spricht — und dass dieses Wort uns misstrauisch machen sollte, weil es ein Publikum voraussetzt; und wer ein Publikum hat, schreibt nicht für sich allein.
Das Memorandum selbst war, soweit wir es rekonstruieren können, kein völkerrechtlicher Vertrag im strengen Sinne. Es war ein Rahmen, ein Versprechen auf weitere Versprechen, eine höfliche Geste in einer Zeit, in der die Höflichkeit längst aufgebraucht war. Solche Dokumente haben eine eigene Biologie: Sie werden geboren in Hoffnung, leben in Nachlässigkeit und sterben an Vergessen oder, was häufiger vorkommt, an Absicht. Welche dieser beiden Todesarten hier eingetreten ist, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass uns die Quelle derzeit keine Erlaubnis gibt, das eine oder das andere zu behaupten.
Was in solchen Momenten zählt, sind nicht die Kommuniqués. Es sind die Handschläge, die nicht stattfinden. Es sind die Telefonate, die angekündigt und nie geführt werden. Es sind die Sätze, die ein Sprecher sagt, während er seinem Publikum nicht in die Augen schaut, und die Sätze, die er nicht sagt, obwohl die Kameras laufen. Die Quelle deutet dies alles nur an; sie spricht von „Vorbereitungen für die nächsten Schritte", ohne zu sagen, welcher Art diese Schritte sein könnten. Wir notieren die Andeutung und warten auf Bestätigung.
Die wichtigste Frage, die sich aus diesen Berichten ergibt, ist nicht, was geschehen ist. Sie ist, was geschehen wird. Und genau diese Frage können wir derzeit nicht beantworten — nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil das, was uns vorliegt, ein Mosaik aus Halbwahrheiten ist, dessen Steinchen wir noch nicht zählen können. Die Quelle hat uns einen Blick durch ein Schlüsselloch gewährt. Was wir sehen, ist ein beleuchteter Raum mit leeren Stühlen. Wer sich setzen wird, wissen wir nicht.
Bis dahin gilt, was in solchen Momenten immer gegolten hat: Die Wahrheit steht nicht in den Worten, die gesprochen werden. Sie steht in der Reihenfolge, in der sie gesprochen werden, und in den Händen, die dabei die Stifte halten. Wir bleiben dran.
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