F-35 für Ankara: Sieben Stimmen, ein Brief, offene Türen
WASHINGTON. Sieben türkisch-amerikanische Organisationen haben sich zu einer gemeinsamen Aktion zusammengeschlossen, die so ordentlich ist wie das Schreiben, mit dem sie mehr als fünfzig Mitglieder des Kongresses ansprechen: Man möge, bitte, den Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei genehmigen und die Sanktionen beenden, die im Gefolge der S-400-Anschaffung verhängt wurden. Gemeldet hat das die Daily Sabah unter Berufung auf die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Quelle ist damit benannt, und sie ist parteiisch, wie Quellen in solchen Fragen meist parteiisch sind. Was sie berichtet, ist präzise genug, um den Vorgang zu beschreiben — zu wenig, um ihn zu bewerten.
Die Forderung selbst ist nicht neu. Seit Ankara sich entschied, das russische Luftverteidigungssystem S-400 zu erwerben, steht die Türkei beim F-35-Programm an der Seite des Programms, nicht mehr darin. Die Teilnahme wurde ausgesetzt, die bereits geleisteten Vorauszahlungen — Ankara hatte dem Programm einst rund eine Milliarde Dollar anvertraut — liegen in einem Schwebezustand, der weder aufgelöst noch neu verhandelt wurde. Was die Lobbygruppen nun betreiben, ist eine politische Operation, kein technischer Vorgang: Die Weichen im Kongress sollen gestellt werden, bevor sich die Verwaltungsspitzen in Washington mit anderen Themen beschäftigen.
Die Stimmung, soweit sie sich aus den verfügbaren Quellen ablesen lässt, ist gespalten. Die Trump-Administration, so hat es der türkische Außenminister Hakan Fidan im Gespräch mit CNN Türk formuliert, teile mit Ankara den starken Willen, die CAATSA-Sanktionen zu beenden. Was auf administrativer Ebene keine Probleme bereite, werde sich, so Fidan wörtlich, im politischen Prozess zeigen. Es ist die saubere diplomatische Umschreibung für: Im Senat wissen wir es noch nicht.
Auf der Gegenseite formiert sich Widerstand. Die Euronews-Berichterstattung aus dem Juli dieses Jahres zeigt eine andere Lobby im selben Washington: die griechisch-amerikanische Gemeinschaft, die gemeinsam mit Mitgliedern des Kongresses daran arbeitet, die bestehenden rechtlichen Hindernisse für einen F-35-Verkauf an die Türkei zu erhalten. Argumente werden auf beiden Seiten gewechselt wie Handschuhe an einem kalten Morgen — NATO-Kohäsion hier, Souveränität der Ägäis dort, Verlässlichkeit als Bündnispartner hier, Beständigkeit eigener Beschaffungspolitik dort.
Was hier verhandelt wird, ist keine Flugzeugfrage. Es ist ein Tauziehen zwischen zwei Diasporagesellschaften, zwei strategischen Lesarten der Region und einer Bürokratie, in der Senatsausschüsse mit eigenen Mikrokosmen der Macht die Wege verkürzen oder verlängern können. Das griechisch-amerikanische Lager spricht von Erdoğans Abenteuerlust, die Türkei von ihrer Rolle als zweitgrößte Armee im Bündnis. Beide Seiten führen Zahlen, Daten und Geschichten ins Feld, die das Gewicht ihrer jeweiligen Position belegen sollen.
An dieser Stelle endet das, was mit gutem Gewissen berichtet werden kann. Die Presselandschaft der vergangenen Wochen hält sich an der Oberfläche des Vorgangs. Sie beschreibt das Schreiben, die Adressaten, die Reaktionen in groben Strichen. Was die Senatsausschüsse — insbesondere der Streitkräfteausschuss und der Auswärtige Ausschuss — intern beraten, ist nicht öffentlich. Welche Senatoren sich bereits positioniert haben, wird zur Meldung, sobald es eine zweite unabhängige Quelle bestätigt. Welche Deals im Hintergrund laufen, bleibt Spekulation.
Wer derzeit über den F-35-Verkauf an die Türkei schreibt, schreibt über Briefe, nicht über Verhandlungen. Über Stimmungen, nicht über Mehrheiten. Über den Kongress, wie er sich nach außen gibt, nicht wie er nach innen entscheidet. Jede konkrete Aussage zu Abstimmungen, Verschiebungen oder Gegenstimmen bedarf, sofern sie in den kommenden Wochen erhoben wird, einer zweiten unabhängigen Bestätigung — andernfalls bewegt man sich auf dem Papier der Lobbyisten, nicht auf dem Boden der Fakten. Das gilt für die türkische Seite ebenso wie für die griechische, für die Briefe nach Capitol Hill ebenso wie für die Stellungnahmen, die aus den Pentagon-Gängen nach außen dringen.
Was bleibt, ist die Geometrie der Lage. Eine Forderung steht im Raum. Eine Gegenseite hat sich formiert. Der Senat bleibt das Fragezeichen, an dem sich entscheidet, was Ankara bekommt und was es dafür gibt. Alles andere ist Rauschen, das derzeit nach Nachricht klingt.
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