Die Brücke muß nach vorn — und das Geld gleich hinterher
Manchmal beginnt die Geschichte mit einem falsch gesetzten Komma. Hier beginnt sie mit einer falsch gesetzten Brücke. Die United States Navy prüft, wie die Washington Post berichtet, ob sich die Kommandobrücke ihrer neuen Flugzeugträger der Ford-Klasse weiter nach vorn verlegen läßt — näher zur Schiffsmitte, dorthin, wo sie lag, als die Essex-Klasse 1943 den Pazifik durchpflügte und junge Männer mit schlecht sitzenden Helmen den Katapulten zusahen. Sieben aktuelle und ehemalige Beamte bestätigten dem Blatt, daß die Untersuchung läuft. Eine Insel, die nach achtern rutscht, ist ein technischer Akt. Eine Insel, die wieder nach vorn wandert, ist ein Bekenntnis.
Es wäre bereits der zweite große Eingriff in die Ford-Klasse auf Wunsch des Präsidenten. Erst vor wenigen Tagen wies Donald Trump die Navy an, einen Plan für die Rückkehr zu dampfbetriebenen Katapulten zu entwickeln — jenen Maschinen also, die mit heißem Wasserdampf Flugzeuge aufs Deck schleuderten, lange bevor die elektromagnetischen Systeme, EMALS genannt, das eleganter, präziser und ohne die pittoresken Wolken aus weißem Dampf erledigten. Die Navy selbst räumt inzwischen ein, daß EMALS funktioniert. Sie hat allerdings auch eingeräumt, daß der Erstbau der USS Gerald R. Ford darunter litt. Siebzehn Jahre dauerte es, bis das Schiff fertig war. Siebzehn Jahre — eine Generation, gemessen an der Lebenserwartung eines Kindes, das zur Kiellegung geboren wurde.
Bryan Clark, ehemaliger Marineoffizier und heute Analyst in Washington, nannte eine mögliche Verlegung der Insel das, was sie ist: einen „großen Neuentwurf". Man könnte es ändern, fügte er hinzu, aber es wäre „sehr störend". Die Navy hatte den Aufbau bei den neueren Trägern bewußt nach hinten gesetzt. Dort entsteht mehr Platz für Flugzeuge nahe den Katapulten. Dort sinkt beim Landen die Gefahr von Luftverwirbelungen — jener unsichtbaren Turbulenzen, die Piloten das Leben kosten, ohne daß es jemand auf einer Pressekonferenz erklären müßte. Man verschiebt also die Brücke nach vorn, um Ästhetik zu bedienen, und nimmt dafür Aerodynamik in Kauf. Das ist, höflich formuliert, ein eigentümlicher Tausch.
Die Zahlen, die das Congressional Budget Office und der jüngste Schiffbauplan nennen, lesen sich wie das Kleingedruckte eines Vertrages, den niemand unterschreiben möchte. 22 Milliarden Dollar pro Träger — rund 19 Milliarden Euro. Zehn Schiffe sind langfristig geplant. Die USS John F. Kennedy absolviert derzeit Tests auf See. Die USS Enterprise und die USS Doris Miller werden gebaut. Letztere ist nach einem Schiffskoch benannt, der im Dezember 1941 bei Pearl Harbor ohne Ausbildung ein Flugabwehr-Maschinengewehr bediente und Verwundete versorgte, wofür ihm 1942 das Navy Cross verliehen wurde — Miller fiel mit 24 Jahren beim Angriff auf den Geleitträger Liscome Bay. Über diese Namensgebung wird in der Navy, wie CNN unter Berufung auf Insider berichtet, derzeit ebenfalls verhandelt. Zwei der drei Quellen geben an, es habe intern Gespräche über einen Namen zu Ehren Trumps gegeben. Ein Flugzeugträger nach einem amtierenden Präsidenten wäre ein Novum. Die meisten amerikanischen Träger tragen die Namen ehemaliger Präsidenten. Trump selbst kam dem Militärdienst fünfmal zuvor, viermal als Student, einmal wegen eines diagnostizierten Fersensporns, im Jahr 1968, als das Land sich im blutigsten Jahr des Vietnamkriegs befand. Man darf diese beiden Tatsachen in einem Satz nennen. Man muß es nicht.
Die USS Doris Miller soll frühestens 2034 in Dienst gestellt werden, die Kiellegung noch in diesem Jahr stattfinden. 337 Meter lang, 41 Meter breit, 12 Meter Tiefgang. Innerhalb der Navy wird das Schiff, so CNN, bereits nicht mehr Doris Miller genannt, sondern nur noch bei seiner Rumpfnummer CVN-81 gerufen. Zurück zum Bau. Die USS Gerald R. Ford kehrte kürzlich von einem langen Kampfeinsatz im Nahen Osten zurück. An Bord hatte ein Feuer viele Schlafräume unbewohnbar gemacht. Dazu kamen Probleme mit dem Abwassersystem. Dies gehört hierher, weil es die Frage stellt, was Priorität hat: eine Brücke, die wenige Meter nach vorn rückt, oder ein Schiff, das nach einem Einsatz ruiniert nach Hause kommt.
Trump hatte zuletzt auch neue Schlachtschiffe für seine „Goldene Flotte" ins Spiel gebracht. Das CBO schätzt die Kosten auf 275 Milliarden Dollar, etwa 237 Milliarden Euro, über 30 Jahre. Eine Studie aus Trumps erster Amtszeit hatte ergeben, daß ein solcher Eingriff — das Verschieben der Insel — Milliarden koste und das Programm deutlich verzögern würde. „Die Kosten und der Zeitaufwand wären schlicht enorm", sagte ein früherer hochrangiger Beamter der Washington Post. Man darf das wiederholen, weil es offenbar wiederholt werden muß. Die Brücke steht im Mittelpunkt — nicht die Brücke selbst, sondern die Geste, mit der sie an einen anderen Ort geschoben werden soll. Es ist die Architektur einer Erinnerung, die keine Nützlichkeit kennt. Es ist die Sehnsucht nach einer Zeit, in der Schiffe noch nach etwas aussahen und Kriege noch nach Helden. Beides stimmt. Beides hilft niemandem, der heute ein Startdeck freiräumen muß.
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