Eine Bühne, zwei Spieler, null Gerechtigkeit
Es gibt Sätze, die klingen wie Insignien auf einem Wappen, und Sätze, die wie Schlüssel in einem Schloss klicken. Präsident Donald Trump öffnete am Freitag das Schloss zur nächsten Runde in New York, indem er auf seiner Plattform Truth Social der Republikanerin Saritha Komatireddy seine "complete and total endorsement" für das Amt der Generalstaatsanwältin aussprach. Eine Kandidatin, die er bereits 2020 für das Bundesbezirksgericht des Eastern District of New York nominiert hatte. Man kennt sich. Man schuldet sich etwas. Trump nannte sie eine "America First Patriot".
Komplimente dieser Kategorie sind in Washington so selten wie ein ehrlicher Handschlag unter Banditen. Trump erklärte, New York sei eine "once wonderful State", die zwischen Gouverneurin Kathy Hochul und der "Most Corrupt Attorney General in the Country", Letitia James, zur Hölle gefahren sei. Er nannte James, die ihn 2022 mit der Trump Organization erfolgreich wegen angeblich aufgeblähter Vermögenswerte in Finanzberichten verklagt hatte, "Peekaboo James" und "Complete and Total Disaster". Ein Berufungsgericht hatte die damals verhängte Strafe von annähernd 465 Millionen Dollar später als verfassungswidrig eingestuft, da sie das Verbot übermäßiger Geldstrafen verletze. Das Urteil ist rechtskräftig. Es steht im Protokoll. Wie so vieles, was später nicht mehr zitiert wird, sobald es nicht mehr ins Bild passt.
Was hier wie ein privater Groll inszeniert wird, folgt einem Mechanismus, den jeder kennt, der je einen Vertrag in Genf gelesen hat: Die eine Hand unterzeichnet, die andere öffnet das Schaufenster. Trump baut seit Jahren öffentlich Druck auf, um James wegen angeblicher Hypothekenbetrugs-Vorwürfe strafrechtlich verfolgen zu lassen. Am 14. August sprach er im David S. Mack Center for Training and Intelligence in Garden City, Long Island. Am 9. Oktober 2025 wurde James von einer Bundesgroßenjury in Virginia wegen Bankbetrugs und falscher Angaben gegenüber einem Finanzinstitut angeklagt, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht. Die Anklage folgte einer Kampagne des Präsidenten gegen sein Justizministerium, die Verfolgung seiner politischen Gegner voranzutreiben, so die Associated Press. James beantragte daraufhin die Einstellung des Verfahrens und nannte es, man darf das archaisch nennen, "vindictive and politically motivated", getragen vom "animus" eines Präsidenten, der sie als Feindin betrachte. Eine Richterin muss nun entscheiden, ob die Anklage Bestand hat.
Die Verteidigung der amtierenden Generalstaatsanwältin liest sich wie das Protokoll einer belagerten Festung. Eine Sprecherin ihrer Kampagne verwies auf die Entfernung von fast 10.000 Schusswaffen aus dem Verkehr, die Zerschlagung dutzender Waffen- und Drogenhändlerringe und die Beschlagnahme hunderter Kilogramm Rauschgift seit Amtsantritt 2019. Die Sicherheit der Familien New Yorks sei oberste Priorität, "since day one". Die Sprecherin nannte die Angriffe "politisches Theater" und forderte den Kongressabgeordneten Mike Lawler auf, sich auf seinen eigenen Wahlkampf zu konzentrieren.
Lawler, Republikaner aus New York, hatte James tags zuvor in einer von Kraftausdrücken garnierten Forderung aufgefordert, ihre "verdammte Arbeit zu machen" und antisemitische Hassverbrechen zu verfolgen. Anlass war ein Vorfall in der Vorwoche, als ein Mann während des Schabbat-Gottesdienstes in eine Synagoge in Manhattan eingedrungen war und einen Besucher sowie ein Mitglied des Sicherheitsteams angegriffen hatte. Die Zuständigkeit für die Verfolgung solcher Taten liegt, genau besehen, bei den lokalen Staatsanwaltschaften und der Bundesanwaltschaft, nicht beim Generalstaatsanwalt des Bundesstaates. Dies nur zur Aktenklarheit. James hatte den Angriff bereits zuvor als "appalling and unacceptable" verurteilt.
Die Kandidatin, die Trump ins Rennen schickt, bringt einen Lebenslauf mit, der wie eine Visitenkarte für die richtigen Empfänger wirkt. Komatireddy war Stabschefin der Drug Enforcement Administration, ehemalige Bundesstaatsanwältin und clerkte für Brett Kavanaugh, bevor dieser Richter am Obersten Gerichtshof wurde. Sie habe sich kritisch geäußert über James' Umgang mit den Betrugsermittlungen des Staates. Trump listete in seiner Empfehlung die übliche Litanei auf: LAW AND ORDER, Wirtschaftswachstum, Wahlintegrität, sichere Grenzen, Verfassungstreue, Second Amendment. Man könnte meinen, es gehe um einen Sheriff im Wilden Westen. Es geht um die oberste juristische Beamtin des Bundesstaates New York.
Die Chronologie ist aktenkundig. Eine Klägerin verklagt einen Mann wegen Betruges. Ein Gericht kippt das Urteil. Ein Präsident fordert, die Justiz zu mobilisieren. Eine Grand Jury erhebt Anklage. Ein Präsident unterstützt den Gegenkandidaten der Klägerin. Die Schritte sind öffentlich dokumentiert, die zeitliche Abfolge in Zeitungen und Gerichtsakten hinterlegt. Ob das Muster Zufall oder Strategie ist, werden Archive beantworten, nicht die Schlagzeilen von heute.
Wer in New York lebt, kennt das Gefühl, zwischen zwei Dächern zu stehen, von denen eines gerade abgedeckt wird. Die Generalstaatsanwältin steht vor Gericht. Ihr Herausforderer steht vor keinem. Beide sprechen von Gerechtigkeit. Beide meinen dasselbe: den Sieg. Der Rest ist Bühne.
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