Börse 1937
Terminal Tribune

24. August 2026

Dossier · Politik & Macht

Die Mechanik des billigen Köders

24. August 2026 — — Kastner

Drei Versprechen, eine Architektur. Wer dieser Tage durch die sozialen Netzwerke scrollt, begegnet einer Reihe von Angeboten, die zu schön sind, um wahr zu sein — und es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht sind. Der britische Elektronikhändler Currys sieht sein Logo auf Seiten, die er nicht betreibt, seinen Namen auf Rabatten, die er nie gewährt hat, und seine Marke auf Waren, die niemand zu den genannten Preisen erwerben kann.

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Da ist zunächst der Ninja Foodi Multi-Kocher, ein Küchengerät für acht verschiedene Garmodi, regulär im Handel für dreistellige Beträge zu haben. Auf Facebook kursieren Beiträge, die behaupten, man könne das Gerät nach dem Ausfüllen einer „kurzen Umfrage" auf der Currys-Webseite für 8,55 Pfund erwerben — als „Ausstellungsstück", versteht sich, in einer angeblichen „clearance sale". Die URL, die in den Beiträgen verlinkt wird, trägt zwar das Currys-Logo, gehört aber nicht zur tatsächlichen Domäne des Unternehmens.

Da ist sodann der Ninja SLUSHi, eine Maschine für gefrorene Getränke, die im realen Handel ebenfalls einen Preis im oberen zweistelligen Bereich erzielt. Auch hier lautet die Behauptung: Umfrage ausfüllen, Gerät erhalten. Eine Videoaufnahme zeigt eine Frau beim Auspacken; eine weitere zeigt einen Mann, der eine Currys-Uniform zu tragen scheint — wobei der Text auf seinem Ausweisschild zu einem Brei aus Buchstaben zerläuft, der kein Mensch entziffern kann. Die Aufnahme trägt, mit hoher Wahrscheinlichkeit, die Handschrift künstlicher Intelligenz.

Da ist schließlich das iPhone 17 Pro Max, 256 Gigabyte, regulär zu einem Preis von 1.199 Pfund gelistet. Auf einem der Screenshots, die in den sozialen Medien die Runde machen, ist eine Currys-Bestellung zu sehen, die das Gerät für 9,95 Pfund ausweist — als handele es sich um einen Fehler im System, ein Versehen der Buchhaltung, ein Geschenk des Hauses. Der begleitende Link führt abermals auf eine Seite, die zwar das Currys-Logo führt, deren Adresse jedoch nicht mit der offiziellen Webseite des Unternehmens übereinstimmt.

Die Mechanik, man muss es so nennen, ist von bestechender Gleichförmigkeit. Ein Produkt, das in der Wahrheit des Marktes seinen Preis hat. Ein Preis, der in der Lüge des Beitrags nichts mehr kostet. Ein Mechanismus — Umfrage, Klick, Daten — der den Konsumenten von der Plattform des Schnäppchens auf eine Seite führt, die seine Aufmerksamkeit in etwas anderes verwandelt. Welche Währung dabei tatsächlich fließt, steht in keiner der Beiträge.

Currys selbst hat sich, wie die britische Faktenprüfungsredaktion Full Fact am 24. August 2026 dokumentierte, zu allen drei Fällen geäußert. Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte jeweils, es handle sich nicht um ein tatsächliches Angebot des Hauses. Die Behauptungen wurden von der Redaktion als falsch eingestuft. Die Beiträge, so die durchgehende Bewertung, sind nicht echt.

Was hier stattfindet, ist kein einzelner Streich, keine isolierte Schludrigkeit. Es ist ein Muster, das sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit wiederholt — gegen Currys, gegen andere Händler, gegen das Vertrauen, das zwischen Marke und Konsument seit Jahrzehnten aufgebaut wurde. Full Fact weist in seiner Berichterstattung darauf hin, dass derartige Angebote regelmäßig geprüft werden, und empfiehlt, misstrauisch zu werden, wenn ein Rabatt sich nicht über die offiziellen Kanäle des Unternehmens verifizieren lässt.

In den Beiträgen selbst, und das ist die präzise Pointe der Konstruktion, wird der Eindruck eines Ausverkaufs erweckt, eines Fehlers, eines Moments, in dem das System kurz nicht aufpasst. Es ist die Erzählung vom glücklichen Zufall, die hier in Szene gesetzt wird — die Fiktion, dass eine Maschine für 1.199 Pfund plötzlich für weniger als zehn zu haben sei, weil jemand eine Umfrage ausfüllt. Die Geschichte funktioniert, weil sie den Wunsch bedient, beiseite zu schieben, was man über die Welt des Handels zu wissen glaubt. Sie funktioniert, weil sie billig ist im doppelten Sinne: billig im Preis, der genannt wird, und billig in der Herstellung, denn die Mittel sind nicht hoch.

Am Ende, so darf man bilanzieren, steht eine Rechnung, die niemand bezahlt hat — außer jenen, die ihre Daten, ihre Aufmerksamkeit, ihren Klick hingegeben haben, in der Hoffnung auf einen Deal, der nie existiert hat.

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