Liberia erhält 1.200 US-Deportees — und 48 Stunden zur Vorbereitung
Zwei Tage. 1.200 Menschen. Eine Uhr, die tickt.
Am Dienstag dieser Woche verkündete die Regierung in Monrovia, sie werde binnen zwölf Monaten bis zu 1.200 Drittstaats-Abschiebungen aus den Vereinigten Staaten aufnehmen. Donnerstag, also 48 Stunden später, sollte die erste Maschine landen. Zwanzig Personen, afrikanische und westhemisphärische Staatsangehörige, medizinisch reisefähig, wie es hieß. Wer genau an Bord sein würde, sagte weder Monrovia noch Washington. Das State Department, so hieß es, teile solche Angaben grundsätzlich nicht mit.
Zwei Tage Vorlauf. Es ist die Sorte Frist, die entsteht, wenn eine Regierung eine Entscheidung getroffen hat und die Welt nicht zu lang zusehen soll, wie sie dabei zustande kam.
Der liberianische Informationsminister Jerolinmek Piah beschrieb die Ankommenden am Dienstag vor Journalisten als „Gäste der Republik". Sie könnten das Land verlassen, wann immer sie wollten, fügte er an, und Asyl beantragen, wenn sie dies wünschten. „Unterstützung für das Programm", versprach die Regierung parallel, eine Stärkung des liberianischen Migrationssystems. Was diese Unterstützung konkret bedeutet, blieb offen. Ein quid pro quo, betonte Monrovia nachdrücklich, sei das Abkommen nicht.
„Nachdrücklich" ist hier das diplomatische Wort für „bevor jemand anders es sagt".
Fünf der Betroffenen weigerten sich nach vorliegenden Informationen, nach Liberia verbracht zu werden. Sie wurden stattdessen nach Äquatorialguinea geflogen. Was mit ihren Schutzansprüchen geschieht, ob sie überhaupt gefragt wurden, welche Anwälte sie sehen — das gehört zu den Fragen, die zwischen den diplomatischen Noten dieser Woche unsichtbar bleiben.
Die Mechanik ist nicht neu. Seit die Trump-Administration im vergangenen Jahr ihr Amt antrat, hat Washington nach Zählung von Refugees International und Human Rights First mit mindestens 35 Staaten Vereinbarungen über die Aufnahme von Drittstaats-Deportierten geschlossen. Rund 22.000 Menschen sind bereits in 26 Länder geflogen worden, die nicht ihre Heimat sind. Liberia ist innerhalb dieser Architektur nun das größte Einzelkontingent.
Die meisten dieser Menschen, so schildern es amerikanische Anwälte und Menschenrechtsorganisationen, haben in den USA ein Asylverfahren durchlaufen. Immigrationsrichter stellten sie unter Schutz — vor der Aussicht auf Folter oder schwere Menschenrechtsverletzungen im Herkunftsland. Die Schutzverfügung hinderte Washington daran, sie direkt dorthin zurückzuschicken. Der Umweg über Monrovia, sagen Kritiker, werde nun als Schlupfweg benutzt.
Monrovia erinnert derweil an die eigene Geschichte — an die befreiten Sklaven, die einst von der Küste Amerikas an die Küste Westafrikas kamen, an die lange Tradition der Aufnahme. Es ist eine schöne Parallele, und sie ist mit Bedacht gewählt.
Die US-Regierung verteidigt die Drittstaats-Deals als rechtmäßig. In den Vereinigten Staaten werden mehrere der Vereinbarungen gerichtlich angefochten, auch das Liberia-Abkommen. Im Fall eines salvadorianischen Staatsbürgers, Kilmar Abrego Garcia, hatte die Trump-Administration versucht, eine Überstellung nach Liberia zu erreichen. Im Gegenzug, so wurde aus den Verfahren bekannt, verlängerte Washington die Gültigkeitsdauer bestimmter liberianischer Visa von zwölf auf 36 Monate und sagte 124 Millionen Dollar für Gesundheitsleistungen zu. Diese Verbindung taucht in der Erklärung dieser Woche nicht auf. Sie ist nur nicht vergessen.
Liberias Präsident Joseph Boakai war im vergangenen Jahr einer von fünf westafrikanischen Staatschefs, die im Weißen Haus empfangen wurden. Trump habe die Delegation damals gedrängt, Drittstaats-Deportierte aufzunehmen, berichtete Reuters seinerzeit. Auch das gehört offiziell nicht in die Pressemitteilung von Dienstag.
Was bleibt, ist eine Zahl: 1.200. Eine Frist: zwölf Monate. Eine Vorlaufzeit: zwei Tage. Ein Wort: „Gäste". Und die Handschuhe, die niemand ablegt.
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