Die Graham-Stichwahl: Eine Schwester, ein Präsident und schrumpfende Umfragen
Der Bleistift rutscht über das Papier, irgendwo in einer Redaktion, die nach Tabak und Tinte riecht. In South Carolina, diesem Bundesstaat der Kiefern und der Erinnerungen, wird am Dienstag eine Stichwahl entschieden, die mehr verrät als sie löst. Zehn Kandidaten treten an, um den Platz des verstorbenen Senators Lindsey Graham einzunehmen, der am 11. Juli an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gestorben war — ein Mann, der dreiundzwanzig Jahre lang im Senat saß und sich als eine der härtesten Falkenstimmen in Washington positionierte, bevor sein Herz aufhörte mitzuschlagen.
Unter denen, die ihm nachfolgen wollen, steht seine Schwester Darline Graham. Sie war keine Politikerin, bevor ihr Bruder sie aus der Anonymität hob und in seinen Sitz hievte. Jetzt, in der Sondervorwahl der Republikaner, gilt sie als Platzhalterin mit einem berühmten Namen — und, je nach Lesart, als Kandidatin mit Aussichten. Eine Quantus Insights-Umfrage sah sie zuletzt mit 30,4 Prozent vorne, deutlich vor dem Kongressabgeordneten Ralph Norman bei 17,5 Prozent. Eine bemerkenswerte Zahl, gemessen an der Tatsache, dass sie noch vor Wochen als bloße Übergangslösung beschrieben wurde.
Doch die Mechanik verschiebt sich. Die eine Quelle berichtet, dass Grahams Vorsprung in den Umfragen vor der Stichwahl geschrumpft ist. Die andere hebt hervor, dass Präsident Donald Trump in Myrtle Beach eine Rallye für sie ausgerichtet hat. Hier öffnet sich die Schere: Während die einen das politische Momentum als Folge des Präsidentenbesuchs deuten, verweisen die anderen auf die unberechenbaren Eigendynamiken einer Vorwahl, in der zehn Namen um eine Nachfolge ringen. Beide Lesarten stehen nebeneinander, und beide beschreiben denselben Vorgang aus zwei verschiedenen Blickwinkeln — vollständig wird das Bild dadurch nicht.
Die Rallye selbst ist eine Choreografie, wie man sie aus Washington kennt. Trump kommt, Trump spricht, Trump gibt seinen Segen. South Carolina ist sein Staat; der Mann aus dem goldenen Hochhaus kommt hierher wie ein Kaiser in die Provinz, und er weiß, dass eine Rede in Myrtle Beach, wo die Sonne über den Atlantik brennt, in den Köpfen der Wähler bleibt. Es wäre naiv zu glauben, ein solcher Auftritt habe keine Wirkung. Es wäre ebenso naiv zu glauben, er entscheide die Wahl. Was bleibt, ist die Beobachtung: Trump hat sich öffentlich hinter Darline Graham gestellt, sein Auftritt fiel in eine Phase, in der ihr Vorsprung schrumpfte, und der zeitliche Zusammenhang lässt sich nicht übersehen.
Senator Tim Scott, selbst aus South Carolina stammend und in Washington mit eigener Hausmacht, äußerte sich zuversichtlich, dass die Republikaner die Kontrolle über den Senat behalten werden. Es ist eine Stimme aus dem Establishment, die nicht überrascht — aber die Tatsache, dass sie fällt, während die Karten neu gemischt werden, gibt ihr ein bestimmtes Gewicht. Wer den Senat halten will, der rechnet in South Carolina mit.
Auf der anderen Seite des Feldes: Mark Lynch, der im Juni Zweiter wurde; die Kongressabgeordneten Russell Fry und Ralph Norman, beide mit eigener Hausmacht; der frühere Gouverneur Mark Sanford, der aus der Versenkung zurückkehrte; und sechs weitere Namen, deren Erwähnung hier genügen mag. Zehn Kandidaten, von denen am Dienstag nur einer als Sieger aus der Stichwahl hervorgehen wird. Wer das sein wird, sagt jeder Beteiligte anders.
Die Schwestern-Frage bleibt die spannendste Variable. Darline Graham trägt einen Namen, der in Washington seit Jahrzehnten fällt wie eine Münze in einen Brunnen. Sie trägt ihn als Erbe und als Bürde. Wählerinnen wie Gigi Bray aus Charleston sagten unlängst, die interimistische Nachfolge sei ehrenvoll, eine Wahl in den Senat aber nicht das Richtige. Kathy Bustos aus Mount Pleasant äußerte sich ähnlich: respektvoll im Ton, skeptisch in der Sache. Es sind diese Stimmen, die zwischen den Rallyes hindurch zu hören sind und die keine Umfrage vollständig einfangen kann.
Am Ende wird am Dienstag ausgezählt, was die Stimmzettel hergeben. Wer South Carolina im Senat vertreten wird, entscheidet sich zwischen einer Schwester, die einen Platz hält, und Männern, die selbst einen wollen. Präsident Trump hat seine Kandidatin bezeichnet; die Umfragen schwanken; das Ergebnis ist offen. Was bleibt, ist das Bild zweier Quellen, die denselben Vorgang verschieden rahmen — die eine betont den Einfluss des Präsidenten, die andere die Bewegung der Zahlen. Wer die Stichwahl deuten will, muss beide lesen, ohne sich für eine zu entscheiden, bevor der Wahltag vorbei ist.
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