Der Staat und die Kranken: Was Namakkal zu lange schon fordert
In einer Welt, die Behandlungen kennt und Verwaltungen kennt, ist das Versagen keine Naturkatastrophe, sondern eine Buchführung. Die Namakkal District HIV Positive People Welfare Society hat dieser Tage dem Staat Tamil Nadu eine Liste vorgelegt — und diese Liste liest sich wie ein Inventar des Weggeschauten.
Die Forderung: ein eigenes Wohlfahrtsgremium für Menschen, die mit HIV leben. So, wie es eines für die Transgender-Gemeinschaft gibt. Die Logik ist einfach: Wer eine Bevölkerungsgruppe verwaltet, verwaltet. Wer sie nicht verwaltet, lässt sie fallen.
Betrachten wir die konkreten Punkte. Kinder von PLHA, die an privaten Hochschulen studieren oder sich bewerben — der Staat soll die Kosten übernehmen. Menschen mit HIV, die chronische Nierenerkrankungen entwickelt haben und Dialyse benötigen — der Staat soll dedizierte Maschinen bereitstellen, regionsweise, in den Universitätskliniken. PLHA in Armut oder extremer Armut — monatliche finanzielle Unterstützung, Erhöhung der bestehenden 1.000 Rupien, damit überhaupt nahrhaftes Essen bezahlt werden kann. Freies Land, Häuser, Priorität in staatlichen Programmen. Chirurgische Versorgung ohne Diskriminierung, ohne die Verweigerung, die heute noch stattfindet.
Man liest das und man fragt sich nicht, wer profitiert. Man fragt sich, wer nicht profitiert. Denn eine Gesellschaft, die antiretrovirale Therapie kennt — die WHO beziffert das Risiko der Weiterübertragung unter Therapie mit 96 Prozent Reduktion —, die weiß, dass HIV behandelbar ist, wenn auch nicht heilbar, und die ihren erkrankten Bürgerinnen und Bürgern dennoch das Nötigste vorenthält, führt eine eigene Buchführung. Die Krankheit ist nicht das Problem. Die Buchführung ist es.
G Karunanidhi, Gründer des Tamil Nadu Network for Positive People, hat den Vergleich gezogen, der sich aufdrängt: Wenn eine separate Verwaltungsstruktur für Transgender möglich ist, warum nicht für PLHA? Die Zahl der HIV-Infizierten, so sein Argument, übersteige die Zahl der trans Personen. Es ist ein Argument der Quantität, das die Frage der Gleichbehandlung stellt, ohne sie zu beantworten.
Die Namakkal-Gesellschaft hat ihre Forderungen als Eingabe an die Regierung gerichtet. Eine Eingabe. Das Wort ist alt und korrekt und beschreibt genau das, was hier geschieht: ein formeller Akt, der gehört, geprüft, abgelegt werden kann. Die Erfahrung — meine eigene, in Genf, wo ich Verträge sah, die nicht eingehalten wurden — lehrt, dass das Gehörte noch lange nicht das Getane ist. Und dass die Distanz zwischen einer wohlwollenden Geste und einer strukturellen Verpflichtung genau die Größe hat, in die Menschen fallen.
Was nun fehlt, ist die Zahl. Die genaue Zahl der Betroffenen in Tamil Nadu, die heute ohne dedizierte Dialyse auskommen müssen, die ihre Kinder von privaten Colleges fernhalten, die zwischen Miete und Medikamenten wählen. Ohne diese Zahl bleibt die Forderung eine moralische. Mit dieser Zahl wird sie eine haushalterische. Und Haushalt ist die Sprache, die der Staat versteht.
Man trägt Handschuhe beim Sortieren solcher Akten. Nicht aus Hygiene, sondern aus Distanz. Die Kälte, die hier gemeint ist, ist nicht die der Gleichgültigkeit, sondern die der Präzision. Ein Wohlfahrtsrat ist keine Großzügigkeit. Er ist eine Infrastruktur. Und Infrastruktur baut man nicht aus Mitgefühl, sondern aus Einsicht in die eigene Verantwortung.
Die Gesellschaft wartet. Die Regierung hat, Stand dieser Zeilen, nicht öffentlich geantwortet. Das Schweigen ist, wer die Mechanik kennt, bereits eine Aussage. Es ist die Aussage, dass der Status quo verwaltet wird. Die Frage, von wem, hält diese Spalte offen.
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