Mantel und Minarett
Die blaue Uniform der Girl Scouts of the USA trägt die Farben der Republik, und auf ihrer Brust soll ein Versprechen stehen, kein Gebet. Doch seit Tagen wandert ein Streit durch die Spalten der Zeitungen, der genau diese Frage verhandelt: was darf auf jenem Stück Stoff erscheinen, und was bleibt unsichtbar?
Eine Sprecherin der Organisation ließ am Mittwoch verlauten, man sei "stolz für jedes Mädchen", und stellte in einer Erklärung an Fox News Digital fest: "Entgegen der online kursierenden Fehlinformationen ist Girl Scouts keine religiöse Organisation und lehrt keine Religion." Seit mehr als einem Jahrhundert, so fügte sie hinzu, heiße man Mädchen jedes Glaubens und jeder Herkunft willkommen. Die nationale Anstecknadel "My Promise, My Faith" lade dazu ein, das Pfadfindergesetz mit dem eigenen Glauben zu verbinden. Alle weiteren glaubensbezogenen Patches, betonte die Sprecherin weiter, würden von unabhängigen Glaubensorganisationen entwickelt, nicht von GSUSA, und die Teilnahme sei stets freiwillig.
Die Erklärung richtet sich gegen eine Welle sozialer Beiträge, die der Organisation vorwirft, "muslimische Badges" zu vergeben, deren Erwerb das Lernen der fünf Säulen des Islam, Moscheebesuche und Gebetsübungen voraussetze. Auf Facebook schrieb eine Nutzerin, die Girl Scouts hätten sich "der kulturellen Invasion vollständig ergeben"; dies sei "keine Erziehung, sondern die gezielte Islamisierung einer einst der Patriotismus verpflichteten amerikanischen Institution". Andere kündigten an, keine Kekse mehr kaufen zu wollen.
Was an diesen Vorwürfen haltbar ist und was nicht, hat die Faktenprüfung Snopes in einer Bewertung als Mischung aus Wahrem und Falschem aufgeschlüsselt. Wahr sei, dass das Nationale Islamische Komitee für Pfadfinderinnen (National Islamic Committee on Girl Scouting, NICGS) religiöse Anerkennungspreise für die Auseinandersetzung mit dem Islam vergibt und dass GSUSA das Tragen dieser Patches auf der offiziellen Uniform erlaubt. Einige dieser Auszeichnungen verlangten die Beschäftigung mit den fünf Säulen oder den Besuch von Gebeten in einer Moschee. Falsch jedoch sei, dass GSUSA selbst islam-spezifische Abzeichen ausstelle; die Organisation entwickle und verwalte solche Programme nicht. Auch die eigenen, konfessionsneutralen Anstecknadeln seien an keine bestimmte Religion oder Kirche gebunden.
Dabei räumen die eigenen Unterlagen der Organisation der Sache eine bemerkenswerte Mitte ein. Eine auf der nationalen Webseite gehostete Übersicht listet vier islamische Anerkennungen auf — Bismillah, In the Name of Allah, Quratula'in und Muslimeen — neben Programmen für christliche, jüdische, buddhistische, hinduistische, baha'ische und andere Glaubensgemeinschaften, insgesamt neunundzwanzig an der Zahl. Jede Organisation entwickle und betreue ihr Curriculum selbst, heißt es dort, und muslimische Familien werden an das Islamische Komitee verwiesen. Ein Werkzeugkasten der Pfadfinderinnen des Bezirks Orange County in Kalifornien aus dem Jahr 2025 nennt Kirchen, Moscheen und Tempel als mögliche Veranstaltungsorte für Glaubensveranstaltungen und bestätigt, dass das Komitee muslimischen Mädchen Hefte und Medaillen zur Verfügung stelle.
Daneben existiert eine eigene Webseite mit dem Titel "All About Islam Patch", die sich gezielt an Pfadfinderinnen richtet und von jeder Altersstufe die Bearbeitung aller fünf Säulen sowie mindestens drei weiterer Aktivitäten verlangt. Zur Auswahl stehen ein Teilfastenversuch, eine Spende und das Ausfüllen eines Arbeitsblattes zu den fünf Säulen. Dieses Programm ist nicht auf der nationalen Webseite von GSUSA eingebettet, sondern wird separat gehostet.
So stehen sich zwei Sätze gegenüber, die beide wahr sein wollen. Die eine Lesart sagt: die Uniform trägt, was sie immer trug — das Versprechen, das Gesetz, die Pflicht. Eine andere sagt: die Uniform trägt, was Gemeinden ihr anvertrauen, und darunter ragen Minarette. Girl Scouts of the USA hat sich entschieden, beides zuzulassen. Die Frage, was ein Kleidungsstück über einen Glauben aussagen darf, ist damit nicht beendet, sondern nur neu zugeschnitten — in den Stoff einer Organisation, die sich als säkular versteht und die Insignien des Glaubens dennoch aufnimmt.
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