Sonnenschutz für Staudämme: Wem gehört das hauchdünne Versprechen?
Man muss Daniel Kwasi Kpeglo nicht kennen, um zu verstehen, worum es geht. Es geht um Wasser, um Afrika, und um die unausweichliche Frage, wem die Mittel gehören werden, die eine Welt ohne Wasser nicht mehr führen will.
Kpeglo, so erfährt man aus Pretoria, hat soeben seine Promotion in Physik an der University of South Africa abgeschlossen. Sein Gegenstand: ein neuartiges Nanomaterial, hauchdünn, fast unsichtbar, das über Stauseen und Reservoirs gelegt werden könnte wie eine Decke aus kondensiertem Licht. Was es filtert, ist nicht das Sonnenlicht selbst, sondern jener unsichtbare Anteil, den man Infrarotstrahlung nennt — die Wärme, die das Wasser aufnimmt und die es, in Dampf verwandelt, wieder hergibt. Verdunstung, dieser lautlose Aderlass der Tropen und Subtropen, soll so umgeleitet, gebremst, ausgetrickst werden.
Im Labor, versteht sich. Noch nicht im Feld. Noch nicht über einem der großen Becken des Limpopo, des Sambesi oder des Vaal, wo das Wasser in Säulen aufsteigt, die niemand zählt und jeder bezahlt.
Die Forschungsfrage selbst ist bestechend in ihrer Schlichtheit: Kann ein existierendes Nanomaterial so auf eine Wasseroberfläche gebracht werden, dass es als selektiver Filter für Sonnenlicht wirkt — sichtbares Licht hindurch, Infrarot zurück? Kpeglo hat, so die Darstellung, erstmals untersucht, ob ein solcher Materialansatz das Verdunstungsproblem lösen kann, indem er den Wärmeeintrag reduziert, ohne die photosynthetische Aktivität der Gewässer zu ersticken.
Es ist eine elegante Hypothese. Sie ist auch eine politische.
Denn Wasser ist, das wissen wir seit den Kriegen, die um Öl geführt wurden, nicht erst seit den Kriegen, die um Wasser geführt werden könnten, eine Frage der Macht. Wer über Süßwasserreserven verfügt, verfügt über Ernährungssicherheit, über Industriestandorte, über die Geduld von Bevölkerungen, die sonst ungeduldig werden. Afrika, dessen Wasser in Dämmen und Seen für menschlichen Gebrauch gespeichert wird, hat diese Reserven. Afrika hat nicht immer die Mittel, sie zu halten.
Kpeglos Arbeit — und hier beginnt der Vorgang, den man nicht auf der Bühne, sondern hinter dem Vorhang betrachten muss — ist ein Beitrag zur Frage, wie sich Verdunstungsverluste mindern lassen, ohne neue Quellen erschließen zu müssen. Die Logik dahinter ist nicht primär technologisch, sondern ressourcenpolitisch: Wer weniger verliert, muss weniger suchen. Wer weniger sucht, ist weniger erpressbar.
Das ist, in der Sprache der Forschungsförderung formuliert, ein Beitrag zur Wassersicherheit, zur Ernährungsproduktion und zur Dürreresilienz des Kontinents. In der Sprache der Geopolitik formuliert, ist es ein Beitrag zur Frage, wer in den kommenden Jahrzehnten über die kritische Infrastruktur Afrikas verfügen wird — ob die Technologie, die Afrikas Wasser hält, in afrikanischen Händen bleibt oder, wie so oft, in den Laboren jener entwickelt wird, die später die Lizenzen verkaufen.
Dass die Arbeit an der University of South Africa entstanden ist, dass sie von einem promovierten Afrikaner durchgeführt wurde, dass die Veröffentlichung den Weg über The Conversation nahm und damit in den offenen Diskurs gelangte — all das sind nicht zu unterschätzende Details. Sie zeigen, dass Forschung dezentralisiert werden kann. Sie zeigen nicht, dass sie es bleibt.
Denn Nanomaterialien sind kein Gemeingut. Ihre Herstellung erfordert Anlagen, ihre Charakterisierung erfordert Geräte, ihre Skalierung erfordert Kapital. Die Frage, die sich an jede solche Arbeit anschließt — leise, fast beiläufig, beinahe höflich —, ist die nach dem Patent, nach der Kommerzialisierung, nach dem Käufer. Wird das Material, wenn es denn reift, von einem südafrikanischen Konsortium produziert werden? Von einer europäischen Auftragsforschung? Von einem der großen Materialkonzerne, die heute schon einen erheblichen Teil der globalen Wertschöpfungsketten für fortgeschrittene Werkstoffe kontrollieren?
Kpeglo selbst benennt die Hürden, die noch zu nehmen sind: die Übersetzung vom Labor in die reale Welt, vom Modell in den Stausee, vom Paper in die politische Entscheidung. Er weiß, dass das Schwierigste nicht die Physik ist.
Die Physik, versteht sich, ist elegant. Eine atomar dünne Schicht, ein sogenannter transparenter Kondensator — der Quellentext bricht hier ab, als schämte er sich der Vollständigkeit —, durchlässig genug, um jenes Licht durchzulassen, das Pflanzen und Ökosysteme brauchen, und dicht genug, um jene Wärme zu reflektieren, die das Wasser sonst in den Himmel trägt. Die Kürzung des Verfahrensnamens steht dabei für eine Kürzung, die in der Berichterstattung über solche Verfahren selbstverständlich ist: Man erfährt, dass es funktionieren könnte. Man erfährt selten, wem es dann gehört.
Die Südhalbkugel trocknet aus. Das ist keine Metapher, das ist eine Messreihe. Steigende Temperaturen beschleunigen die Verdunstung, lassen die Reserven schrumpfen, die Dürren häufiger werden, die Migrationsbewegungen anschwellen, die Konflikte um die verbliebenen Quellen sich verhärten. Eine Technologie, die Verdunstung reduziert, ist unter diesen Bedingungen nicht ein nettes Add-on zur Forschung, sondern eine Frage der strategischen Stabilität.
Und strategische Stabilität wird, das wissen wir aus den Verträgen, die in Genf unterzeichnet und nie eingehalten wurden, nicht zwischenstaatlich verschenkt. Sie wird verhandelt, lizenziert, konditioniert. Wer morgen über die Mittel verfügt, Wasser dort zu halten, wo es gebraucht wird, verfügt über einen Hebel, der älter ist als jede Ölpipeline und beständiger als jede Wahlperiode.
Kpeglo hat seine Arbeit getan. Der Diskurs darüber, wessen Wasser sie schützen wird und wessen Gewinn sie mehren wird, hat gerade erst begonnen.
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