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Terminal Tribune

28. August 2026

Dossier · Politik & Macht

Ein Lammy, eine Nummer, ein Hochstapler — Burnhams Flug nach New York

28. August 2026 — — Kastner

Es gibt Geschichten, die beginnen mit einer Telefonnummer. Diese hier beginnt mit einer, die nie hätte weitergegeben werden dürfen — und sie endet vorerst an der Park Avenue, beim Empfang der Vereinten Nationen, wo man im September die Reden hören wird, die jetzt vorbereitet werden.

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David Lammy, einst Stellvertretender Premierminister und aus dem Kabinett entlassen, als Andy Burnham den Posten übernahm, soll dem heutigen Regierungschef die Mobilfunknummer eines Mannes übermittelt haben, der sich als Stabschef des amerikanischen Präsidenten Donald Trump ausgab. Die Quelle ist das Boulevardblatt Daily Mail; eine zweite, der Sender LBC, berichtet übereinstimmend, Burnham habe der Nummer daraufhin tatsächlich Kurzmitteilungen geschickt — an jemanden, der behauptete, Susie Wiles zu sein, jene Frau, die in Washington tatsächlich als Stabschefin des Weißen Hauses amtiert.

Es ist ein alter Hut, dass Männer, die sich wichtig fühlen, von Männern, die sich wichtig machen wollen, hereingelegt werden. Was diesen Vorgang aus der Routine hebt, ist die Konstellation. Burnham, seit Kurzem britischer Premierminister, bereitet für September eine Reise nach New York vor, sehr wahrscheinlich anlässlich der UN-Generalversammlung. Er selbst hat in Kiew, beim ersten Auslandsbesuch im Amt, angekündigt, er wolle Trump dort persönlich treffen und für die Lieferung von Patriot-Abwehrraketen an die Ukraine werben — Raketen, die Präsident Wolodymyr Selenskyj in großer Zahl benötigt, ehe der Winter die Energieinfrastruktur seines Landes erneut verwüstet. Burnham sprach von einer Coalition of the Willing, von Zwischenhändlern und Bündnispartnern, einem mehrschichtigen diplomatischen Weg. Mit der richtigen Nummer in der Hand wäre eine solche Reise ein Kraftakt. Mit einer falschen wird sie zur Blamage, bevor das Flugzeug überhaupt startet.

Nun also der angebliche Hochstapler, der sich als Wiles oder einen anderen Trump-Vertrauten tarnte und bei Lammy offenbar so viel Vertrauen weckte, dass dieser die Nummer an Burnham weiterleitete. LBC berichtet von Mitteilungen, die Burnham an den angeblichen Berater schickte; eine Google-News-Aggregation spricht davon, der Premierminister habe Textnachrichten mit dem Imitator ausgetauscht. Bestätigt ist damit, dass eine Kommunikation stattfand. Was dabei besprochen wurde, welche Informationen aus dem Foreign Office in welche Richtung flossen, darüber schweigen die Quellen bislang.

Und hier beginnt das Muster, das den Bericht über einen schlichten Betrugsfall in einen weiteren Zusammenhang rückt — oder, vorsichtiger formuliert, ihm Aufmerksamkeit verschafft. Denn Peter Mandelson, in mehreren Funktionen politisch aktiv und ebenfalls mit ausgesprochen guten Verbindungen in die Vereinigten Staaten ausgestattet, wurde nach Darstellung der ersten Quelle bereits vor Burnham Opfer desselben oder eines vergleichbaren Hoaxes: Auch ihm habe sich jemand als Schlüsselfigur im Umfeld Trumps aufgedrängt. Daily Mail stellt den Vorgang in eine Reihe mit Lammys Weiterreichung an Burnham. Eine andere Lesart ist ebenso plausibel, und genau darin liegt der Widerspruch, den die bisherige Berichterstattung nicht aufgelöst hat: dass Mandelson und Burnham jeweils unabhängig hereingelegt wurden, ohne dass Lammy mehr war als ein gutgläubiger Mittelsmann. Eine dritte Variante, die nicht alle Quellen stützen, bestreitet gar, dass Burnham überhaupt hereingefallen sei.

Wer auch immer am anderen Ende der Leitung saß, er verfügte über jene Währung, die in Washington zwischen dem Weißen Haus und den Botschaften am Grosvenor Square am meisten zählt: das Versprechen von Zugang. Lammy selbst hat, das belegen ältere Berichte, aus seinen Verbindungen zur Trump-Administration nie ein Geheimnis gemacht; er hat seine Freundschaft mit Vizepräsident JD Vance öffentlich gepflegt und daraus politisches Kapital geschlagen. Eine solche Vita ist genau das, was Hochstapler suchen, die in die Nähe der Macht wollen — und genau das, was ein vorsichtiger Mittelsmann nicht ohne Rückfrage weiterleitet.

Dass ausgerechnet jener Lammy, den die Boulevardpresse inzwischen "Calamity" tauft, nun in der Mitte dieses Knotens steht, ist weniger Zufall als Konsequenz. Er wurde entlassen, als Burnham Premier wurde; er ist, diplomatisch formuliert, ein Mann mit Bewährungsproblemen und einem Netzwerk, das er für sich reklamiert. Dass aus diesem Netzwerk eine Telefonnummer nach oben wanderte — an einen Regierungschef, der sich auf seine erste Amerikareise vorbereitet, um dort über Patriot-Lieferungen für ein Land im Krieg zu verhandeln —, ist eine Sequenz, die jeder Geheimdienstreferent in London mit dem Rotstift anstreichen würde.

Wie genau der angebliche Hochstapler an Lammys Kontakt gelangte, ist bislang ungeklärt. Über ein geleaktes Adressbuch, über Social Engineering, über ehemalige Weggefährten oder einen professionellen Vermittler — das alles ist und bleibt Spekulation. Fest steht nach derzeitigem Stand der Berichterstattung: Die Nummer wurde weitergegeben. Die Mitteilungen wurden geschrieben. Die Reise nach New York ist angekündigt, sehr wahrscheinlich zur UN-Generalversammlung im September. Und irgendwo zwischen Whitehall und Manhattan wartet jemand darauf, dass ein britischer Premierminister anruft — oder eben nicht.

Die offene Frage, ob Lammy wissentlich oder unwissentlich Teil des Ganzen war, lässt sich heute nicht beantworten. Sie wird sich, wenn überhaupt, nur über jene Kanäle klären lassen, die zwischen einem entlassenen Stellvertreter und einem frischgebackenen Premierminister verlaufen — und über das, was Männer sagten, bevor es schlimm wurde.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 0 von 3 Behauptungen belegt
  1. DATUM Andy Burnham plant einen Besuch in New York im September

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZAHL Keine konkreten Zahlen vorhanden

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  3. ZITAT Keine direkten Zitate gefunden

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Herangezogene Quellen

5 Quellen · 0 davon belegt · 4 externe Belege · 3 prüfbare Behauptungen

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