Die fremde Waffe: Wie deutsche Büchsenmacher Londons Souveränität umschreiben
Es gibt Waffen, die Geschichte schreiben, und es gibt Waffen, an denen man Geschichte ablesen kann wie Jahresringe. Die britische Infanterie trägt gegenwärtig ein Gewehr, das in den Siebzigern entworfen, in den Achtzigern ausgeliefert und seither mit einer Zähigkeit geflickt wurde, die sowohl von britischer Ingenieurskunst zeugt als auch von einer gewissen britischen Sturheit — das SA80, dessen Bullpup-Architektur so ambitioniert war wie die Entscheidung, sie überhaupt zu bauen. Heute steht dieses Gewehr zur Disposition. Heckler & Koch, der schwäbische Hersteller, dessen Name in britischen Kasernen so vertraut klingt wie der einer entfernten Verwandtschaft, konkurriert mit einer Reihe globaler Rüstungskonzerne um den Nachfolgeauftrag. Unter den Bewerbern findet sich ein weiterer deutscher Name: C.G. Haenel, dessen MK 556 — ein gasbetriebenes, selektiv feuerndes Sturmgewehr im Kaliber 5,56 × 45 Millimeter NATO — im September 2020 fertiggestellt wurde und seither als vollautomatische Variante eines früheren Haenel-Entwurfs, der CR 223, auf sich aufmerksam macht.
Es ist eine Konstellation, die nachdenklich stimmt — nicht wegen der Gewehre selbst, sondern wegen der Frage, wem ein Land seine Hände anvertraut. Man nehme den Brown Bess als Ausgangspunkt, jene Muskete, die das Rückgrat der britischen Infanterie über Jahrhunderte bildete: billig herzustellen, schnell zu laden, und ungenau über hundert Yards, weil ihr die Züge fehlten und die Toleranzen weit waren. Das ist der Boden, aus dem die britische Gewehrtradition erwuchs. Später kam die EM-2, ein kurzes Aufblitzen britischer Eigenständigkeit — ein Bullpup-Entwurf mit integriertem Tragegriff und Zielfernrohr, konzipiert für eine der ersten echten Mittelpatronen, der für kurze Zeit als Standardwaffe der britischen Streitkräfte für Handfeuerwaffen und Munition übernommen wurde, bevor politische Erwägungen, die mit dem Kaliber und dem transatlantischen Bündnis zu tun hatten, das Gewehr wieder vom Tisch fegten. Die Briten übernahmen stattdessen das 7,62-mm-Selbstladegewehr L1A1, eine Lizenzversion des belgischen FN FAL, und begannen 1969 in Enfield mit der Entwicklung einer neuen Waffenfamilie um ein eigens entworfenes britisches Kaliber 4,85 × 49 Millimeter, die als SA80 in die Annalen eingehen sollte.
Die Linie ist bemerkenswert, und sie ist britisch nur noch in Teilen. Die L1A1 war belgisch lizenziert. Das SA80 entstand im eigenen Land, trägt aber die Spuren eines langwierigen politischen Kompromisses. Und nun, da das SA80 ersetzt werden soll, treten deutsche Hersteller mit zwei verschiedenen Entwürfen an — einer aus dem Schwabenland, einer aus Thüringen. Hier ist, was diese Zeitung unumwunden festhalten muss: Die uns vorliegende Meldung stammt von einer einzigen Quelle. Sie wurde bislang weder durch unabhängige Dokumente noch durch amtliche Bekanntmachungen verifiziert. Das ist, bei einem Vorgang dieser Tragweite, ein blinder Fleck, den zu benennen wir uns nicht scheuen — denn wo zwei deutsche Firmen um die Bewaffnung der britischen Streitkräfte konkurrieren, verdient die Information mehr als eine bloße Veröffentlichung. Sie verdient eine harte Bestätigung durch amtliche Mitteilungen oder unabhängige Korroboration, bevor sie als Faktenstein in dieses Mosaik gesetzt wird.
Die Frage, die sich stellt, ist nicht primär technischer Natur. Natürlich spricht vieles für die MK 556: ein ausgereiftes 5,56-NATO-System, kompakt, zuverlässig, eingebettet in eine Munitionslogistik, die das gesamte Bündnis teilt. Natürlich hat auch Heckler & Koch, deren G3 einst die Bundeswehr trug und deren MP5 in Diensträumen auf der ganzen Welt steht, ihre Bewerbungstüchtigkeit längst unter Beweis gestellt. Doch die technische Tauglichkeit beantwortet nicht die Frage nach dem *Warum*. Warum dominiert deutsches Know-how in einem Sektor, der — gerade für eine Atommacht mit globalen Verpflichtungen — als Kern staatlicher Souveränität gelten sollte? Warum finden sich unter den Bewerbern Namen aus Suhl und aus Oberndorf, nicht aus Belfast, nicht aus Nottingham?
Man darf die Antwort nicht in der Sphäre der Verschwörung suchen; dort wird sie sich nicht finden lassen. Die Antwort liegt in einer Geschichte industrieller Spezialisierung, in der Wehrtechnik über Jahrzehnte europäisch verzahnt wurde, in Normen wie 5,56 × 45 NATO, die Beschaffung vereinfachen, und in einer Verteidigungspolitik, die Kosteneffizienz über Eigenproduktion stellt. Das sind die Mechanismen, die hier wirken — nüchtern, beinahe langweilig, und darum so wirksam. Eine Hand, die ein Gewehr hebt, hebt zugleich die Frage, wer es ihr gegeben hat. Das ist die alte Mechanik der Macht, sichtbar nicht in den Geheimakten, sondern in den Katalogen der Hersteller.
Die Briten haben sich, vom Brown Bess über die EM-2 bis zur L1A1 und zum SA80, immer wieder an anderen orientiert: an Belgien, an den Vereinigten Staaten, an der eigenen, halbherzigen Innovation. Nun, da eine Entscheidung über das nächste Standardgewehr ansteht, gehört die Entscheidung über die Souveränität, die mit ihm verbunden ist, in die Öffentlichkeit. Diese Zeitung wird den Vorgang weiter beobachten. Sobald die Erstquelle erhärtet ist, werden wir erneut berichten. Bis dahin bleibt: ein Wettstreit, der mehr verrät, als die Hersteller in ihren Hochglanzbroschüren preisgeben möchten — und den niemand lesen wird, solange alle nur auf die Bühnenbilder starren.
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