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Terminal Tribune

5. September 2026

Dossier · Politik & Macht

iten als Diskurs — wer profitiert vom finalen Narrativ?

5. September 2026 — — Kastner

Es gibt ein Buch, das derzeit durch die Feuilletons und die Audiokataloge der anglophonen Welt wandert wie ein gut gekleideter Schatten durch einen Ballsaal: „End Times Fascism", verfasst von Naomi Klein und Astra Taylor, erschienen bei Macmillan. Die Diagnose, die man den vorliegenden Programmtexten entnehmen darf, ist so vertraut wie das Genre, dem sie angehört — der Faschismus kehrt wieder, mit neuen Visagen, alten Versprechen. Doch die interessantere Frage, die in der Eile der Veröffentlichungen selten gestellt wird, ist eine andere: Wer braucht eigentlich die Apokalypse? Wer wird vom Diskurs des Endes ernährt?

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Denn wer das Wort „Endzeiten" ausspricht, betritt eine Bühne, auf der das Licht bereits halb heruntergedreht ist. Die Protagonistinnen — Klein, die Ökonomin mit der geschärften Klinge für neoliberale Versprechen, und Taylor, die Filmemacherin, die weiß, wie man Bilder ordnet — inszenieren ihre Analyse als eine des finalen Akts. Trump wird erwähnt, Musk wird erwähnt, die Bunker der Milliardäre werden erwähnt, die Wege ins All werden erwähnt. Es ist ein Katalog, der sich liest wie die Inventarliste eines Schiffes vor der Überfahrt.

Und hier beginnt das, was die Berichterstatterin genau betrachten muss: die Mechanik der Erzählung selbst. Ist es ein Rerun — eine Wiederholung des zwanzigsten Jahrhunderts, nur mit besserer Ausleuchtung? Oder ist es ein Sequel mit eigener Logik und eigenen Märkten? Naomi Klein, so deutet es ein Gespräch an, das als Video vorliegt, oszilliert zwischen beiden Lesarten: Die Geschichte wiederhole sich nicht, sie werde umgeschrieben, mit den Stiften jener, die sich für unsterblich halten.

Am dritten Juni 2026, so kündigt es der Guardian in einer Live-Veranstaltung an, werden Klein und Taylor ihre Thesen auf einer Bühne entfalten, Fragen des Publikums entgegennehmen und, so darf man annehmen, das Publikum in eine Erzählung einbetten, die mehr Trost spendet, als sie verlangt. „Eine Geschichte nicht von Endzeiten, sondern von besseren Zeiten", lautet die Programmbeschreibung — eine Formulierung, die so elegant ist, dass sie fast schon wieder verdächtig wirkt. Denn wer das Ende benennt, benennt zugleich das Danach. Wer die Apokalypse ruft, ruft zugleich die Erlösung. Und wer beides ruft, hält die Form der Hoffnung in der Hand.

Die Diskussion, die hier stattfindet — und sie findet statt, in Buchhandlungen, auf Podien, in den Timelines jener, die das Wort Faschismus wie einen Talisman tragen —, ist keine Prophetie. Sie ist ein Diskurs über eine Erzählung. Und sie hat Ökonomie. Verlage profitieren, Sendeanstalten profitieren, Stiftungen finden Anlässe, ihre Mittel zu kanalisieren, die politische Linke erhält ein Feindbild, das groß genug ist, um Reihen zu ordnen. Es ist ein Ökosystem, in dem jede Stimme ihren Nährboden findet, ohne dass jemand behaupten müsste, es habe jemand diesen Nährboden angelegt.

Was die Berichterstatterin festhalten muss: Die Quellen sind spärlich, die Behauptungen groß. Die Existenz des Buches lässt sich verifizieren, die Existenz der Veranstaltung lässt sich verifizieren, die Existenz von Interviews lässt sich verifizieren. Ob das Narrativ trägt, ob die Mechanik der Erzählung die Realität abbildet oder ob sie eine eigene Realität schafft — diese Frage bleibt, nachdem die Scheinwerfer im Saal wieder angegangen sind.

Vielleicht ist das die einzige ehrliche Diagnose, die man wagen darf: Die Endzeit wird nicht kommen. Aber das Reden über sie wird nicht enden. Und in diesem Reden, in diesem beständigen Weben am Teppich der Dringlichkeit, liegt eine Macht, die älter ist als jeder Faschismus, den sie zu beschwören vorgibt.

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