Der Kulguru und die Relegierten — JNU und die Mechanik der Macht
Im Juni 2025 ersetzte die Jawaharlal Nehru University das Wort „Kulpati" durch „Kulguru" — eine sprachliche Operation, verkauft als geschlechtsneutrale Reform, getragen von jener Frau, die seit dem 7. Februar 2022 auf jenem Stuhl sitzt, den vor ihr M. Jagadesh Kumar innehatte, bevor er als Vorsitzender der University Grants Commission weiterzog. Santishree Dhulipudi Pandit, geboren am 15. Juli 1962, vormals Professorin für Politikwissenschaft an der Savitribai Phule Pune University, ist die erste Frau überhaupt, die in dieser Position an der JNU dient. Dass dies für sich genommen eine historische Tatsache ist, soll hier nicht bestritten werden. Dass es zugleich eine politische Tatsache ist, lässt sich schwerlich übersehen.
„Kulpati" trägt in seinem etymologischen Kern die Figur des Herrn — des Patrons, der aus eigener Autorität spricht. „Kulguru" setzt an deren Stelle den Lehrer. Wer in Genf gelernt hat, dass semantische Verschiebungen selten zufällig sind, liest auch diese wie einen Vertragsentwurf: Man benennt die Rolle um und suggeriert, das Verhältnis sei fortan ein anderes. Ob es das ist, wird anderswo entschieden.
Denn dieselbe Amtszeit, die das Vokabular umschrieb, hat eine Reihe administrativer Eingriffe hervorgebracht, die das politische Leben auf dem Campus neu vermessen. In einer Nacht im November 2025 kam es in der Dr. B.R. Ambedkar Central Library zu einer Auseinandersetzung um Gesichtserkennungsschleusen, die von Studierenden als Instrument der Überwachung gedeutet wurden. Am 2. Februar 2026 rustizierte die Verwaltung sämtliche gewählten Amtsinhaber der JNU Students' Union: Präsidentin Aditi Mishra, Vizepräsidentin Gopika K. Babu, Generalsekretär Sunil Yadav, gemeinsamer Sekretär Danish Ali sowie der frühere Präsident Nitish Kumar. Jede und jeder wurde für zwei Semester relegiert, mit einer Geldbuße von ₹20.000 belegt und vom gesamten Campusgelände verwiesen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Universität, dass ein Verwaltungsakt eine vollständig gewählte Studierendenvertretung auflöst — gleich fünf Namen, ein einziger Federstrich.
Wer den Campus betritt, bewegt sich seither in einem eng geschnittenen Korridor der Zulässigkeit. Demonstrationen im Umkreis von hundert Metern um das Verwaltungsgebäude sind, wie ein Studierender bemerkte, nicht mehr durchführbar; bereits 2023 hatte die Verwaltung Proteste in der Nähe akademischer Komplexe untersagt und einen Verstoß mit ₹20.000 geahndet. Überwachung, so der Bericht, habe den Alltag studentischer Politik verändert — ein Satz, der in seiner Beiläufigkeit wiegt.
Parallel verweist die Verwaltung auf ihre eigene Bilanz: seit Februar 2022 über 400 Vorstellungsgespräche, mehr als 200 besetzte Stellen, davon rund 70 Prozent aus reservierten Kategorien. Die Universität hält im National Institutional Ranking Framework den zweiten Platz unter den indischen Universitäten und hat, nach Jahren der Unterbrechung, wieder reguläre Konvokationen abgehalten; die sechste wurde von Präsidentin Droupadi Murmu eröffnet. Auch dies gehört zur Akte.
Gegenzeichnung kommt von JNUSU und JNU Teachers' Association. Im August 2026 forderten beide Gremien Pandits Rücktritt. Sie verwiesen auf Fälle, in denen Fachausschüsse Bewerberinnen und Bewerber wegen fehlender UGC-Eignung ausgeschlossen hätten, woraufhin Auswahlgremien sie später dennoch zuließen. Pandit wies die Vorwürfe als „malicious campaign" und „false propaganda" zurück. Es ist nicht ihre erste Begegnung mit einem solchen Verfahren; bereits 2009 hatte es an ihrer früheren Institution eine entsprechende Untersuchung gegeben — der Quellenstand bricht hier ab.
Im Februar 2026 trat Pandit in einem Podcast mit Äußerungen über Dalits hervor, die eine Protestwelle auslösten. Die JNUSU kündigte einen „Long March to the Ministry of Education" an, um die Rücktrittsforderung zu eskalieren. Das Bild, das sich zusammensetzt, ist das einer Amtsführung, die Symbole setzt — Kulguru, Konvokation, Rekrutierungsbilanz — und zugleich die institutionellen Kanäle studentischer Artikulation verengt. Die Handschuhe, mit denen dies geschrieben wird, sind sauber. Was sie berühren, ist es nicht immer.
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