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8. September 2026

Dossier · Politik & Macht

undvierzig Millionen Liter — und die Architektur einer Zahl

8. September 2026 — — Kastner

Es gibt Zahlen, die kommen mit dem rechten Fuß in die Welt. Sie tragen Smokings und lächeln, und niemand fragt nach ihrem Pass. Eine solche Zahl ist die Zweiundvierzig. Millionen Liter pro Tag, prognostiziert für das Jahr 2030, aufgetaucht in einer Zeitung, die ihrem Namen nach über Zeitlichkeit wachen sollte. Die Times druckte sie, und die Times hat viele Leser, und so wanderte die Zahl durch die Salons der Meinungsmacher, flankiert von Bildern dampfender Türme und dürrer Landschaften.

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Water UK, der Branchenverband, hatte diese Zahl im April tatsächlich verwendet. Nur: Es handelte sich um eine Zahl für den durchschnittlichen Spitzenbedarf an heißen Sommertagen, nicht für den alltäglichen Durchschnitt. Der durchschnittliche Tagesbedarf liegt, wie die Faktenprüfer von Full Fact ermittelten, etwa bei der Hälfte. Derzeit verbrauchen Datencenter in Großbritannien rund 6,6 Millionen Liter Wasser täglich — was etwa dem Bedarf von zwanzigtausend Durchschnittshaushalten entspricht. Bei einer Verdreifachung der Kapazität bis 2030 könnten es 19,8 Millionen Liter werden, sechzigtausend Haushalten gleich. Im schlimmsten Fall, würden alle neuen Zentren so arbeiten wie die wasserineffizientesten, stiege der Spitzenbedarf auf 77 Millionen Liter pro Tag.

Die britische Umweltbehörde räumt ein, dass verlässliche Daten zum Wasserverbrauch von Datencentern oft schwer zu finden sind. Diese eine Bemerkung — beiläufig, fast unhöflich knapp — sagt mehr über den Zustand der Regulierung als jeder Parlamentsbericht. Denn eine Industrie, deren Verbrauch niemand genau kennt, misst sich an Zahlen, die sie selbst liefert. Das ist kein Vergehen, es ist die Physik unvollständiger Aufsicht.

Die Mechanik der Zahl besteht nicht in der Zahl selbst, sondern in ihrem Mantel. Vierzig Prozent der englischen Golfplätze, die ihr Wasser selbst fördern, haben einen Spitzenbedarf von etwa 24 Millionen Litern pro Tag. Niemand schreibt Leitartikel darüber. Niemand zitiert diese Zahl beim Abendessen. Golfplätze haben keine Feinde, und Wasser, das auf Grünflächen verdunstet, gilt als ästhetisch. Wasser, das durch Serverkühler fließt, gilt als Skandal. So zuverlässig arbeitet das Ressentiment, so still seine Mechanik.

In Oklahoma gibt es keinen Spielraum für solche Sophisterei. In El Reno verloren drei Millionen Gallonen Wasser durch ein Leck an einem Hydranten — Schulen schlossen, Geschäfte schlossen, und die Spur führte zu einer Bitcoin-Mining-Anlage der Firma Athlon Blockchain Technology, gebaut und betrieben ohne die nötigen Genehmigungen. Die Stadt erließ bereits 2023 einen Stop-Work-Befehl, das Gelände wurde wegen mehrfacher Verstöße gegen Brandschutz und Sicherheitsvorschriften als gemeingefährlich eingestuft. Ein ordnungsgemäßes Nutzungszertifikat wurde nach Darstellung der Behörden nie ausgestellt. Auf Anfragen reagierte weder das Unternehmen noch Bürgermeister Steve Jensen noch Stadtmanager Matt Sandidge. Die Anlage — Server in Schiffscontainern, Luft- und Wasserkühlung für KI-Speicherung und Bitcoin-Mining, so die Website der Firma — sollte das nach den Plänen der Stadt auch nicht. Eine Anhörung war für Ende September angesetzt.

In Cheyenne, Wyoming, fand sich während des Baus eines Meta-Rechenzentrums das Bakterium Cupriavidus gilardii im Abwasser — ein Organismus, der Metalle verstoffwechselt, kein Geschenk für eine Trinkwasserleitung. In Georgia klagten Anwohner über trüb gewordenes Brunnenwasser. Die Zahl der Datencenter-Projekte hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt, ihre Beliebtheit bei den Anwohnern sank in umgekehrter Proportion.

Chris Johnson, Präsident des American Energy Leadership Institute, bringt den Einwand der Verhältnismäßigkeit vor: Die verlorenen drei Millionen Gallonen in Oklahoma entsprächen etwa 0,002 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs des Staates — neun Minuten landesweiten Verbrauchs. Andy Masley, der über KI-Wasserverbrauch schreibt, hält dem entgegen, dass jede Geschichte über Wasserverschmutzung durch Datencenter auf Baustellenabfluss zurückgehe — schlimm genug, aber dasselbe Problem, das jeder große Bau mit sich bringe.

Man sieht: Die Bühnen sind besetzt, die Scheinwerfer warm, das Publikum in seinen Sitzen. Auf der einen Seite steht die Gewissheit, dass eine Zahl, die ihren Mantel nicht ablegt, eine halbe Wahrheit ist. Auf der anderen Seite stehen die tropfenden Hydranten, die Metalle fressenden Bakterien, die trüben Brunnen, die Namenlosen Bewohner kleiner Städte. Die Wahrheit hat keine schöne Silhouette. Sie steht im Hinterzimmer, raucht eine Zigarette und wartet, bis die Reden auf der Bühne enden. Wer dann noch zuhört, hört das Wasser tropfen.

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