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8. September 2026

Dossier · Politik & Macht

FREISPRUCH IN VALLETTA — ACHT ZU EINS FÜR DEN HILTON-ERBEN

8. September 2026 — — Kastner

In Valletta hat eine Jury den maltesischen Geschäftsmann Yorgen Fenech vom Vorwurf freigesprochen, den Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia in Auftrag gegeben zu haben. Das Urteil fiel am Mittwoch mit acht zu einer Stimme, nach achtstündiger Beratung. Fenech, 44, Erbe eines millionenschweren Immobilienimperiums und Miteigentümer zweier Hilton-Hotels, hatte sich seit seiner Anklage im Jahr 2019 wegen Mittäterschaft und krimineller Vereinigung zu verantworten.

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Der Prozess, der am 1. Juli in der Hauptstadt Maltas begann, war über Jahre von verfahrenstechnischen Verzögerungen geprägt und wurde von Pressefreiheitsorganisationen mit Argusaugen beobachtet. Die Anklage stützte sich im Kern auf die Aussage des Taxifahrers Melvin Theuma, der nach seiner Festnahme 2019 eine präsidiale Begnadigung erhielt und als Hauptzeuge der Staatsanwaltschaft Fenech als Auftraggeber des Attentats benannte. 150.000 Euro, so die Anklage, seien über Theuma als Mittelsmann an die Täter geflossen. Die Verteidigung konterte: nicht Fenech, sondern Keith Schembri, der damalige Stabschef von Premierminister Joseph Muscat, habe den Mord angeordnet. Schembri sagte aus, bestritt jede Schuld; die Polizei erklärte vor Gericht, er sei nie Verdächtiger gewesen. Muscat war 2019 unter dem Druck der öffentlichen Empörung über die Affäre zurückgetreten.

Es ist ein altbekanntes Muster, das man aus den Verhandlungsräumen kennt, in denen Verträge unterzeichnet und nie eingehalten werden: Männer, die lächeln, während sie aussagen, und am Ende gehen alle nach Hause — bis auf eine. Daphne Caruana Galizia wurde im Oktober 2017 durch eine ferngezündete Bombe in ihrem Auto getötet. Sie recherchierte, basierend auf den Panama Papers, zu Verbindungen zwischen Offshore-Geschäften und maltesischen Politikern — darunter zu einem umstrittenen Kraftwerksdeal, in den Fenech verwickelt war. Nach der Verurteilung zweier Brüder im Oktober 2022, die als ausführende Täter zu 40 Jahren Haft verurteilt wurden, war der Prozess gegen Fenech der Versuch, auch den vermeintlichen Auftraggeber zur Verantwortung zu ziehen. Dieser Versuch ist gescheitert.

"Wir sind zutiefst empört", schrieb Pavol Szalai, Leiter des Prager Büros von Reporter ohne Grenzen. "Das Urteil bedeutet, dass fast neun Jahre nach der Ermordung von Daphne Caruana Galizia die maltesischen Behörden versagt haben, den Drahtzieher zu identifizieren und zu verurteilen." Die Familie formulierte es noch schärfer: "Neun Jahre nach Daphnes brutaler Ermordung sind die institutionellen Versäumnisse, die ihren Mord ermöglicht haben, weiterhin nicht behoben und nicht reformiert worden."

Die Staatsanwaltschaft kündigte Berufung an. Damit verschiebt sich die Frage der Verantwortung von den Geschworenen auf die nächste Instanz — ob als Ausdruck echten Aufklärungswillens oder als beruhigende Geste an die Öffentlichkeit, die ohnehin längst begriffen hat, dass die Zusage, einen Fall zuende zu bringen, in dieser Sache noch nie eingehalten wurde, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Die Berichterstattung über das Urteil basiert wesentlich auf einer einzigen Primärquelle, dem International Consortium of Investigative Journalists, mit der Times of Malta als Medienpartner; die Freispruch-Entscheidung selbst wurde durch Berichte von The Guardian, NPR und der Los Angeles Times bestätigt. Welche Absprachen im Vorfeld getroffen wurden, welche politischen Erwägungen in die Beratung der Geschworenen eingeflossen sind — all das entzieht sich vorerst der Überprüfbarkeit.

Matthew Caruana Galizia, Sohn der Ermordeten und von 2014 bis 2018 selbst für ICIJ tätig, hat den Fall nie als bloße Familienangelegenheit behandelt. Für ihn war er ein Prüfstein für die Pressefreiheit in Europa. Neun Jahre nach dem Attentat, so muss man festhalten, ist diese Prüfung nicht bestanden. Valletta hat sein Urteil gesprochen. Ob es das letzte bleibt, wird die Berufung zeigen — und mit ihr die Frage, wem am Ende die Verantwortung zugeschoben wird.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZITAT A jury acquitted a Maltese business tycoon

    „A businessman accused of orchestrating the killing of Maltese journalist Daphne Caruana Galizia has been found not guilty on all charges.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT The acquittal pertains to the murder of Daphne Caruana Galizia

    „A businessman accused of orchestrating the killing of Maltese journalist Daphne Caruana Galizia has been found not guilty on all charges.“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

1 Quelle · 2 davon belegt · 3 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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