Zehn Geschosse über Amman – Was eine Quelle berichtet, was fehlt
Am neunten Juli dieses Jahres, einem Datum das in den Archiven als Tag der Eskalation verzeichnet werden könnte oder als weiterer Eintrag in einem langen Buch der unbeachteten Vorfälle — die Akten sind noch offen —, soll die Aerospace Force des Korps der Islamischen Revolutionsgarden zehn ballistische Raketen auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Azraq in Jordanien abgefeuert haben. So lautet die Angabe einer einzelnen Quelle, deren Überprüfung noch aussteht. Die kuwaitische Generalstabsführung vermeldete zeitgleich, man habe feindliche Raketen- und Drohnenangriffe auf eigenes Territorium abgewehrt. Ob beide Meldungen zusammenhängen, ob sie Teil eines koordinierten Geschehens sind oder ob sie in jenem dichten Nebel der Desinformation ihren Weg in die Öffentlichkeit fanden, in dem Wahrheit und Erfindung so leicht die Plätze tauschen — dies alles ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu beantworten.
Wir halten uns an das, was bislang vorliegt. Eine Quelle. Ein Datum. Die Behauptung eines Angriffs auf einen jordanischen Stützpunkt, der seit Jahren als logistischer Knotenpunkt westlicher Militärpräsenz in der Region bekannt ist, und die parallele Meldung aus Kuwait über abgewehrte Angriffe. Die Geographie legt nahe, dass diese beiden Punkte auf einer Achse liegen, die man in den Lagezentren der Hauptstädte seit Langem auf der Karte eingezeichnet hat. Die Korrelation ist offenkundig. Der Beweis eines Zusammenhangs ist es nicht.
Die Pflicht zur Verifikation, meine Damen und Herren, ist kein akademisches Ritual. Sie ist das Fundament, auf dem jede weitere Berichterstattung steht oder fällt. Eine ballistische Rakete, die ihr Ziel erreicht, hinterlässt Trümmer, Radarspuren, Trümmeranalysen, diplomatische Noten. Eine Rakete, die abgefangen wird, hinterlässt ebenso Spuren — Berichte der Abwehrsysteme, Trümmer im Wüstensand, Stimmen in den Funkfrequenzen, die abgehört und entschlüsselt werden können. Nichts davon ist bisher öffentlich verifiziert worden. Die Quelle, auf die sich diese Darstellung stützt, ist eine einzige Quelle. Sie mag zutreffend sein. Sie mag auch nicht.
Die Frage, die sich jedem aufmerksamen Leser stellen muss, ist nicht, ob der Vorhang sich heben wird — sondern wer ihn wann und aus welchem Grund öffnet. Bis dahin bleiben wir bei dem, was nachprüfbar ist: dem Datum, der Behauptung, dem Schweigen der offiziellen Stellen, das lauter spricht als jede Bestätigung. Die Handschuhe sind übergestreift. Das Notizbuch liegt offen. Was fehlt, ist die zweite Stimme, die diese Erzählung zur Tatsache oder zur Fiktion macht.
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