Linklaters schlägt zu, während Wachtell Partner verliert
Es gibt Momente in den Salons der Macht, die riechen nach Blut und nach Kalkül — und derjenige, der zuerst die Handschuhe überzieht, ist selten der, welcher am lautesten darüber spricht. Wir kennen das, wir haben es oft genug gesehen, in jedem Konferenzsaal, in dem Männer mit weichen Stimmen harte Schnitte üben. So auch jetzt: Während sich die Abgänge bei Wachtell, Lipton, Rosen & Katz zu einer regelrechten Aderlass-Serie verdichten, hat Linklaters nach Informationen, die uns vorliegen, einen Top-Juristen abgeworben. Dies berichten Quellen aus dem Umfeld beider Häuser, wobei anzumerken ist — und diese Klarstellung ist nicht nebensächlich: Wir bewegen uns hier auf dünnem Eis. Eine einzige Meldung liegt dieser Darstellung zugrunde, verifiziert ist sie bislang nicht. Wer weiterliest, liest unter Vorbehalt.
Dass Wachtell derzeit unter Beschuss steht, ist mittlerweile keine Mutmaßung mehr, sondern dokumentierte Tatsache. Ende Juli 2026 vermeldete Reuters den Weggang des Litigation-Chefs William Savitt zu Gibson Dunn, eine Meldung, die Above the Law nur einen Tag später um weitere Details anreicherte: Sechs Litigation-Partner sollen damals den Sprung gewagt haben, initiiert durch ein offenbar folgenreiches Gespräch bei einem Kaffee — jener archaischen Währung, mit der in dieser Branche Karrieren besiegelt werden. Schon im Februar desselben Jahres hatte Latham & Watkins zwei weitere Partner aus dem M&A- und Finance-Bereich abgeworben, wie Bloomberg Law und die Financial Times übereinstimmend berichteten. Wachtell, diese Bastion der New Yorker Deals-Welt, die sich ein halbes Jahrhundert lang an der Disziplin ihrer kleinen, exklusiven Belegschaft wärmen konnte, blutet an mehreren Stellen gleichzeitig.
Und nun also Linklaters. Der Zeitpunkt — darauf muss man bestehen — könnte kaum prägnanter gewählt sein, oder kaum verdächtiger, je nachdem, wessen Perspektive man einnimmt. Wer in einer Phase der Schwäche zuschlägt, handelt entweder opportunistisch oder strategisch klug; diese beiden Eigenschaften schließen einander nicht aus, und in den Fluren der großen Kanzleien wird derzeit eifrig debattiert, welche der beiden Deutungen die zutreffendere ist. Welcher konkrete Jurist den Weg zu Linklaters gefunden hat, welche Mandate er mitnimmt, welche Mandanten ihm folgen könnten — all das bleibt vorerst im Dunkel des Unbestätigten. Es ist das Wesen solcher Meldungen, dass sie wie ein Skelett aus dem Schrank fallen: Man erkennt die Struktur, doch das Fleisch fehlt noch.
Unter Vorbehalt sei notiert: Die Beweggründe auf Seiten von Linklaters können vielfältig sein und müssen es nicht zugleich. Eine Expansion im US-Markt, eine gezielte Verstärkung in einem spezifischen Praxisbereich, ein Signal an die übrige Konkurrenz, dass man gewillt ist, im ganz großen Stil mitzuspielen — all dies sind plausible Erklärungen, die in den Expansionsmustern einer globalen Kanzlei nichts Ungewöhnliches darstellen. Was das Ganze jedoch aus dem Bereich des Normalen heraushebt, ist allein das Timing. Das Timing, verstehen Sie, ist in diesem Geschäft keine Nebensache. Das Timing ist die Waffe.
Was als Nächstes geschieht, hängt von mehreren Variablen ab, die derzeit kaum jemand vollständig überblickt — auch wir nicht, und wer uns das Gegenteil versichert, lügt. Wird Wachtell in der Lage sein, den Aderlass zu stoppen, oder ist die kritische Masse bereits überschritten? Werden weitere Top-Juristen das sinkende Schiff verlassen, und wenn ja, mit welchen Mandanten im Gepäck? Welche Mandate stehen zur Disposition, wenn die tragenden Säulen einer Kanzlei binnen weniger Monate wechseln wie Bedienstete in einem Hotel, das seine Sterne verloren hat? Und — dies ist die Frage, die unausgesprochen in der Luft hängt — bewegen wir uns hier ausschließlich im Bereich des Wettbewerbs um Talente, oder spielen größere Kontexte eine Rolle, die noch im Verborgenen liegen? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass die nächste Bewegung mit einer Spannung erwartet wird, die an die Eröffnung einer Schachpartie erinnert.
Was bleibt, ist das Bild einer Branche, die sich neu sortiert. Wachtell war über Jahrzehnte hinweg der Inbegriff der Disziplin, der Restraint, der kalkulierten Exklusivität. Eine Kanzlei, die weniger sein wollte, um mehr zu sein. Diese Pose hält freilich nur so lange, wie die Mandanten bleiben und die Partner die Fahnen hochhalten. Wenn beide ins Wanken geraten, wird aus der elitären Zurückhaltung rasch ein panischer Rückzug, und aus der Schachpartie ein Handgemenge. Linklaters hat in dieses Fenster hineingehandelt — ob aus Berechnung, aus Mut oder aus beidem, wird die kommende Saison zeigen. Wir werden es verfolgen. Mit Handschuhen, versteht sich. Und mit gesenktem Blick, denn das gehört sich so, wenn Gentlemen sich gegenseitig die Uhren stehlen.
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