Sieben Komma Fünf — und das Spiel dahinter
Tamil Nadu erwägt, die bestehende Quote von 7,5 Prozent für NEET-qualifizierte Absolventen staatlicher Schulen in der medizinischen Zulassung anzuheben. Eine neue Kommission unter einem pensionierten Richter soll prüfen, ob die seit 2020 geltende horizontale Reservierung ausgeweitet wird, möglicherweise auf zehn Prozent, wie es die Kalaiyarasan-Kommission im Auftrag der damaligen AIADMK-Regierung empfohlen hatte. Gesundheitsminister K.G. Arunraj gab dies am Montag in Chennai bekannt, am Rand der Veröffentlichung der MBBS/BDS-Merdeliste für das akademische Jahr 2026/27.
Dass Arunraj diesen Moment wählte, ist kein Zufall. Die Quote ist nicht einfach eine Zahl. Sie ist ein Versprechen, das Versprechen nämlich, dass jene, die in staatlichen Schulen lesen und schreiben lernten, nicht am Eingang zur medizinischen Hochschule abgewiesen werden, weil ihr Elternhaus sich keine private Prüfungsvorbereitung leisten konnte. Die Realität freilich ist nüchtern. 41.726 Bewerbungen gingen für die staatlichen Plätze ein, 35.926 wurden angenommen. Unter der 7,5-Prozent-Reservierung erreichten 3.625 von 4.860 Bewerbern die Schwelle. 9.999 MBBS-Plätze sollen in diesem Jahr durch das Counselling gefüllt werden.
Die Zahl ist plausibel. Sie ist auch unvollständig. Denn was die Kommission zu prüfen hat, ist nicht die Quote allein, sondern wie viele Jahre sie fortbestehen soll, ob sie auf andere Gesundheitsstudiengänge ausgeweitet wird, ob sieben Komma fünf genug sind. Die Empfehlung von 2020 lautete zehn Prozent. Die DMK antwortete mit der 7,5-Prozent-Marke, die Gouverneur Banwarilal Purohit im September 2021 absegnete. Seither gilt der Mechanismus als Erfolgsgeschichte, weil 313 Regierungsabsolventen sich qualifizierten, gegen sechs im Jahr zuvor. Es war, wie Politik funktioniert, ein Slogan, eine Identität, gar das eigene Gehirnkind, wie ein damaliger Ministerpräsident nicht müde wurde zu betonen.
Heute verschiebt sich die Mathematik. Die NEET-Cut-offs steigen Berichten zufolge um dreißig bis vierzig Punkte. Höhere Punktzahlen, weniger Plätze. Was 2021 ein Triumph war, droht 2026 eine statistische Verengung zu werden. Der Verlust von 800 MBBS-Plätzen, nachdem drei private Hochschulen den Status einer deemed university erhielten, wurde stillschweigend absorbiert. Über die Erhöhung der Quote wird nun nachgedacht, über das Wieviel der Sitze, die verschwanden, wurde nicht nachgedacht.
Hier beginnt der Raum, in dem die Nachricht endet und die Politik beginnt. Überlegungen, die Quote auf andere Kategorien von Studierenden auszudehnen, etwa auf Bewerber aus den nordöstlichen Bundesstaaten an staatlichen medizinischen Hochschulen, liegen auf dem Tisch, ohne dass Details bekannt wären. Eine Kommission, die noch nicht namentlich benannt ist, soll Klarheit bringen. Klarheit, versteht sich, im Sinne eines Verwaltungsakts, nicht im Sinne eines Staatsbürgers.
Das Muster ist nicht neu. Der Flughafen Parandur, den der damalige Chief Minister M.K. Stalin kippte, wirft ein Licht auf dieselbe Mechanik. Die einen sagen, das Projekt sei ohne Alternative gestrichen worden. Die anderen sagen, der Standort sei sorgfältig ausgewählt gewesen. Beide können recht haben. Beide schweigen über das, was mit dem bereits erworbenen Land geschehen soll. Die Enttäuschung im Lager der Befürworter ist dokumentiert, die Antwort der Regierung auf die Frage nach der Folgenutzung nicht.
So entsteht das Bild einer Verwaltung, die ihre eigenen Entscheidungen nicht zu Ende erzählt. Die Quote wird erhöht, vielleicht. Die Quote wird verlängert, vielleicht. Die Quote wird auf andere Studiengänge ausgedehnt, vielleicht. Das Verdikt einer Kommission, deren Zusammensetzung noch offen ist, soll entscheiden. Die Entscheidung freilich, die ein Verwaltungsakt verspricht, ist selten die Entscheidung, die ein Wartender braucht. Sie ist die Entscheidung einer Überschrift, nicht die eines Rechts.
So endet die Nachricht dort, wo die Politik beginnt, in dem Raum zwischen dem, was angekündigt wird, und dem, was geschieht.
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