Börse 1937
Terminal Tribune

17. September 2026

Dossier · Politik & Macht

WENN DAS CAPITOL ÜBER MASCHINEN REDET, SCHWEIGT HORMUZ

17. September 2026 — — Kastner

Es gibt Momente, in denen die Geschichte sich nicht entscheidet, sondern nur entscheidet, wo wir hinsehen sollen. Der texanische Kongressabgeordnete Chip Roy hat in dieser Woche einen Bruch vollzogen, der in den Geschichtsbüchern als Wendepunkt stehen könnte — hätten wir nicht gleichzeitig andere Dinge zu fürchten.

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Roy sprach am Montag auf der Pro-Human Assembly des Future of Life Institute, einer Konferenz, die sich der künstlichen Intelligenz widmet, und forderte, was in Washington so selten gefordert wird: menschliche Atzentümerlichkeit. "AI has enormous potential to improve our world", sagte er dem Daily Caller, "but the American people are right to be concerned about very real risks it poses if we are not careful — from navigating demands on our energy and water resources, to its impact on job security, the dangers it may pose to our children and to our national security." Auf der Konferenz wurde er konkreter. "We, the people, have to decide how we want to structure our lives", sagte er. "God gave us dominion over this planet. We should NOT be a tool of AI." Das sind Sätze, die in Sonntagsreden gehören.

Sie gehören nicht in den September des Jahres 2026, in dem die Strasse von Hormuz an manchen Tagen nur noch vier Schiffe passieren lässt.

Denn während Roy im Capitol mit seinem Präsidenten bricht — Donald Trump hat die Sorge um künstliche Intelligenz wiederholt als "HOAX" und "ruse" abgetan, als Vorwand der grossen Technologiekonzerne, die in Washington um Regulation ersuchen —, während also im Inland über die Frage debattiert wird, ob Amerika in einem Wettbewerb mit China um die Vorherrschaft in der KI steht oder ob die Maschine den Menschen ersetzt, vollzieht sich ausserhalb des Saals eine Verschiebung, die keinen Kommentar mehr verlangt, sondern nur noch Zahlen. Am Wochenende hatten sich die Chefs dreier der einflussreichsten KI-Konzerne dem Ruf angeschlossen. Dario Amodei, CEO von Anthropic, schrieb einen Essay mit dem Titel "We Must Pace the Frontier". Sam Altman von OpenAI antwortete zustimmend. Elon Musk, inzwischen an der Spitze von SpaceXAI, schrieb schliesslich zwei Worte: "Dario is right."

Die Zahlen, die parallel dazu notiert werden, sind diese. Saudi Aramco hat alle europäischen Rohöl-Zuteilungen für September gestrichen und sämtliche für Ende September geplanten Ladungen abgesagt. Ein europäischer Einkäufer berichtet, bis November werde kein saudisches Öl mehr ankommen. Das ist eine de facto höhere Gewalt auf saudisches Crude nach Europa, vom drittgrössten Energieproduzenten der Welt, mitgeteilt durch die Hormuz Letter am fünfzehnten September. Die Prämien über Dated Brent notieren achtzehn Dollar pro Fass, was der Markt als Preissetzung für eine verlängerte Pipeline-Unterbrechung liest, nicht für einen einmaligen Ausfall. Europäische Raffinerien werden jetzt härter bieten für westafrikanische und amerikanische Sorten. Dieser Squeeze breitet sich aus.

Die Vereinigten Staaten selbst verzeichnen Dieselpreise auf neuem Rekord von 6,26 Dollar pro Gallone, ein Anstieg von über achtzig Prozent in neun Monaten. Lkw-Fahrer zahlen fast drei Dollar mehr pro Gallone als im Januar. Globale Vorräte sind seit Kriegsbeginn auf 7,6 Milliarden Fass gesunken, die Kurve bleibt bis März in Backwardation. Chevrons CEO sagt, die kommerziellen Bestände seien aufgebraucht, die strategischen Reserven weitgehend angezapft.

Das ist die Wirklichkeit, die parallel zur KI-Debatte existiert, ohne sie zu kommentieren. Das ist die Strasse von Hormuz, an der die durchschnittlichen Zehn-Tages-Transite von achtzehn auf vier gefallen sind. Das ist der Konflikt zwischen den Ansar Allah und Saudi-Arabien, der Europa als erste Linie trifft, weil Europa als erste Linie immer dann getroffen wird, wenn die Routen des Persischen Golfs unterbrochen werden.

Man könnte jetzt sagen, dass alles zusammenhängt — dass die Energiekrise die KI-Debatte nährt, dass die Wasserressourcen, die Roy in seiner Rede erwähnte, ohne Öl nicht gekühlt werden, dass die Datenzentren, über die wir streiten, Strom verbrauchen, der aus Kraftwerken kommt, die mit Gas laufen, das durch dieselbetriebene Notstromaggregate abgesichert wird, wenn der Wind nachlässt. Man könnte das sagen. Aber das wäre ein Nebensatz in einem Drama, das andere bereits schreiben.

In diesen Tagen bezweifeln Beobachter, die seit Jahrzehnten Staatszerfall beobachten, dass die Regime in Riad und Amman den Herbst überstehen werden. Die Formulierung ist nicht spektakulär. Sie ist die Formulierung von Männern und Frauen, die wissen, wann ein System zu viel Energie aufgenommen hat und kippt. Wasser wird zu Dampf, sagen sie — nicht lauter, sondern wahrer.

Was ich damit sage. Roy hat recht. Die Amerikaner sollen besorgt sein. Aber nicht nur über das, worüber er spricht. Sie sollen besorgt sein über das, was er nicht erwähnt. Über die Tankstellen, die im November schliessen. Über die Strasse, durch die kein Öl mehr fährt. Über die Hauptstädte, deren Namen wir bald anders aussprechen werden.

Die Geschichte wird nicht im Kongresssaal entschieden. Sie wird an den Knotenpunkten entschieden, an denen Energie fliesst oder nicht mehr fliesst. In dieser Woche floss sie nicht. Der Rest ist, mit Verlaub, Maschinenphilosophie.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Chip Roy hat sich bezüglich der KI-Politik von Trump gelöst

    „Republican Texas Congressman Chip Roy spoke out in favor of increased guardrails on Artificial Intelligence (AI), calling for a human-led approach to the emerging technology and breaking with President Donald Trump.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT Amerikaner haben Grund zur Sorge

    die vorgeschlagene Belegstelle steht so NICHT im Quelltext und wurde deshalb verworfen; das ist eine Aussage ueber den Vorschlag, nicht ueber die Quellenlage

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „The Middle East Iran and Yemen conflicts are hitting the point where key actors... The predicted energy crunch is arriving on the oil as well as the diesel front.“

  3. ZITAT Europa erlebt aufgrund des Iran-Kriegs einen Verschlechterung von Öl und US Diesel Engpass

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  4. ZITAT Tucker hat potenzielle massive Bombenkampagnen involving Trump/Israel kurz nach den Wahlterminen aufgedeckt

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  5. ZITAT Experten bezweifeln das fortgesetzte Überleben von Regimen in Saudi-Arabien und Jordanien

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

2 Quellen · 1 davon belegt · 0 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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