DREI MONATE, ZEHN FELLOWS, VIER FRAGEN AN EIN AGENTENVERSPRECHEN
Mumbai, 15. September 2026. Hexaware Technologies hat heute seine Beteiligung an der Project NANDA Fellowship bekanntgegeben. Das Programm: drei Monate, vollständig remote, mehr als zehn Fellows, ein erklärtes Ziel — offene Infrastruktur für das, was die Branche inzwischen das "Internet of AI Agents" nennt. Gehostet wird es von FAN, dem Dachprogramm hinter Project NANDA, das wiederum am MIT Media Lab seinen Anfang nahm. Bewerbungen laufen, Prioritätsfrist ist der 19. September 2026.
Die Mitteilung erreicht den Redaktionstisch über zwei Kanäle — PR Newswire aus Mumbai und, mit leicht anderem Wortlaut, aus Iselin im US-Bundesstaat New Jersey, wo Hexaware seinen amerikanischen Hauptsitz unterhält. Wer sie liest, erkennt den Standard-Bausatz eines Tech-Hypes: eine Initiative mit Universitätstradition, eine Partnerschaft mit einem börsennotierten IT-Dienstleister — Kürzel an der National Stock Exchange of India: HEXT —, ein kleines, handverlesenes Cohort, ein Stipendium, direkte Mentoren und das Versprechen, geschriebener Code werde Teil "lebendiger, offener Infrastruktur" statt in einer Übungsbox zu verstauben.
Was daran tatsächlich neu ist, lässt sich in drei Punkten zusammenfassen. Erstens arbeiten die Fellows nicht an einem Produkt, sondern an Infrastruktur — Komponenten für Agenten-Discovery, für verifizierbare Identität und für sichere Koordination über organisatorische Grenzen hinweg. In der Sprache der Forschungsförderung ist das Vor-Feldarbeit: Man gießt das Fundament, nicht das Haus. Zweitens ist das Cohort nach Angabe des Veranstalters bewusst klein gehalten, "to preserve close mentorship and meaningful contribution" — eine Formulierung, wie sie jeder kennt, der einmal an einem Auswahlverfahren für ein Graduiertenprogramm teilgenommen hat. Drittens verfolgt Hexaware nach eigener Lesart ein "zweifaches Ziel": die nächste Generation von KI-Infrastrukturingenieuren ausbilden und zugleich zum offenen Agenten-Web beitragen. Die Initiative ergänzt die unternehmenseigenen Investitionen in agentische KI, darunter die hauseigene Liefer-Schicht Zerovity™.
Hier beginnt die eigentliche Arbeit des Berichterstatters. Eine Pressemitteilung, die "open" sagt, ohne die Lizenz zu nennen, ist eine Pressemitteilung, die gelesen werden muss. Vier Punkte lässt die Mitteilung offen.
Was bedeutet "open source" hier konkret? NANDA referenziert Komponenten wie Agenten-Discovery und verifizierbare Identität — beides Felder, in denen Standards noch nicht etabliert sind. Welche Lizenz gilt, welche Governance, welche Konfliktlösung, wenn konkurrierende Implementierungen aufeinandertreffen? Eine offene Infrastruktur ohne offen ausgewiesene Lizenz ist ein Widerspruch in sich.
Wer zahlt, und wer wird gezahlt? Hexaware spricht von einem "competitive stipend" — eine konkrete Höhe, eine Staffelung, eine Vergleichsbasis fehlen. In Programmen mit universitärer Herkunft sind solche Stipendien oft knapp kalkuliert; in Programmen mit industrieller Beteiligung können sie es auch sein. Solange "competitive" ein Adjektiv ohne Subjekt bleibt, ist es Werbung.
Was bleibt vom Cohort, wenn die Fellowship endet? Drei Monate sind kurz. Offene Infrastruktur lebt von Kontinuität — von Maintainern, die Issues triagen, von Reviewern, die Pull Requests prüfen. Wer hält die Komponenten instand, wenn die Fellows längst in regulären Verträgen sitzen? Die Antwort entscheidet, ob NANDA ein Lehrstuhl wird oder ein Strohfeuer.
Und schließlich: Wo sind die Leitplanken? Eine Fellowship, die "sichere Koordination über organisatorische Grenzen hinweg" als technische Aufgabe formuliert, muss sich fragen lassen, welche Grenzen das sind und wer sie zieht. In derselben Woche, in der diese Mitteilung erscheint, diskutieren Reporter von The Intercept und 404 Media in Los Angeles öffentlich über eine Überwachungsindustrie, in der KI-Agenten längst als Werkzeug dienen — von Flock-Kameras über Palantir bis zu Claude in der Kriegsführung. Eine offene Infrastruktur, auf der solche Werkzeuge eines Tages laufen könnten, braucht mehr als ein Stipendium.
Hexaware lädt Entwicklerinnen und Entwickler weltweit zur Bewerbung ein, der Pfad findet sich in der Mitteilung. Wer bis zum 19. September einreicht, wird bevorzugt geprüft. Danach zählt nur noch, was tatsächlich committed wird.
Aber wem gehört das Netz, das diese Fellows spannen — und wer hält es zusammen, wenn die Stipendien längst ausgezahlt sind?
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