Zwischen Handschlag und Zuschlag
Es gibt Daten, die wie Beilagen zu Akten wirken. Man blättert sie um, und man blättert weiter. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass zwischen zwei Seiten ein blauer Strich fehlt. Eine Lücke, in der etwas verschwunden ist — oder hinzugekommen.
Die Lücke, von der hier zu sprechen ist, hat eine bestimmte Form. Sie trägt das Datum eines Treffens auf der einen Seite und das Datum einer Vertragsvergabe auf der anderen. Dazwischen: Tage. Wenige Tage.
Die Terminal Tribune erfuhr aus einer Quelle, deren Identität zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht offengelegt werden kann und deren Angaben vor einer Veröffentlichung zwingend einer unabhängigen Überprüfung standhalten müssen, von einem Vorgang, der diese Lücke füllt. Demnach hat ein Unternehmen, das in Verbindung mit dem britischen Geschäftsmann Nick Candy gebracht wird, Bergbaurechte in einem nicht namentlich genannten Staat zugesprochen bekommen — wenige Tage, nachdem Vertreter des Unternehmens mit dem Sohn eines Diktators jenes Landes zusammengetroffen waren.
Die Quelle legt den Vorgang in einer Klarheit vor, die beunruhigt. Sie nennt Daten. Sie nennt Namen. Sie nennt ein Treffen, das nicht auf den offiziellen Reiserouten eines Londoner Geschäftsmannes stand, und einen Zuschlag, der in der üblichen Geschwindigkeit eines behördlichen Verfahrens kaum erklärbar ist. Was sie nicht nennt, und was sie auch nicht nennen kann, ohne sich der Recherche zu entziehen, ist das Motiv. Sie liefert ein Zeitfenster. Sie liefert es präzise.
Dass ein Unternehmen Bergbaurechte erwirbt, ist an sich keine Nachricht. Bergbaurechte werden vergeben, seit das Messer gegen den Spaten getauscht wurde. Dass ein Unternehmen Bergbaurechte erwirbt, nachdem sein Eigentümer oder ein Vertreter desselben den Sohn eines Staatsoberhaupts getroffen hat, ist eine Nachricht, die man nicht mehrfach am Tag liest. Sie hat die Eigenschaft einer seltenen Briefmarke. Man hebt sie auf.
Es gehört zum Geschäft, dass Männer, die über Bergwerke entscheiden, mit Männern verhandeln, die über Staaten entscheiden. Es gehört zum Geschäft, dass diese Verhandlungen nicht immer dort stattfinden, wo das Protokoll es vorsieht. Es gehört auch zum Geschäft, dass solche Begegnungen gelegentlich ohne Ergebnis bleiben, gelegentlich in langwierigen Verfahren münden und gelegentlich in Erklärungen enden, die niemand überprüft. Was die Quelle behauptet, ist eine vierte Möglichkeit. Sie behauptet einen Zusammenhang, der schneller war als der übliche Gang der Dinge. Sie behauptet keine Bestechung. Sie behauptet keinen Vertrag, der im Hintergrund geschlossen wurde. Sie behauptet lediglich, dass die Tage zwischen dem Treffen und dem Zuschlag so kurz waren, dass sie eine Frage aufwerfen.
Die Frage, die sich aus dieser Konstellation ergibt, ist nicht die nach dem Ob. Bergbau ist Geschäft. Geschäft verlangt Kontakt. Sondern die nach dem Wann und dem Wie. Tage zwischen einem Treffen und einem Zuschlag — das ist, in der Sprache derer, die mit Akten umgehen, eine Geschwindigkeit, die entweder auf eine bereits vorbereitete Entscheidung hindeutet oder auf eine Entscheidung, die während des Treffens selbst getroffen wurde. Beides wäre berichtenswert. Beides verlangt eine zweite Quelle.
Die Terminal Tribune wird den Vorgang weiterverfolgen. Sie wird die Angaben ihrer Quelle gegen die Register der zuständigen Bergbaubehörden, gegen die Reisedaten der beteiligten Personen und gegen die publizierten Korrespondenzen der betroffenen Kanzleien und Botschaften halten. Erst wenn diese Gegenprüfung abgeschlossen ist, wird die vorliegende Information den Status einer Meldung erhalten, die ohne Einschränkung in den Druck gehen darf.
Bis dahin gilt, was in solchen Fällen immer gilt. Man hat eine Karte auf dem Tisch. Die Rückseite ist noch unbeschrieben.
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