im Oval Office — Die unheimliche Leere zwischen Warnung und Verachtung
Es gibt Worte, die tragen Handschellen. In den Archiven der Diplomatie habe ich viele davon gesehen — „Sicherheitsgarantie", „friedliche Absicht", „letzte Warnung". Worte, die in Konferenzräumen geschrieben und auf Schlachtfeldern vergessen wurden. Heute, in einer Zeit, in der Maschinen zu denken beginnen, fällt mir ein neues Wort ein, das diese Handschellen verdient: „Hoax".
Donald Trump hat es ausgesprochen. Nicht leise, nicht in einer Randbemerkung — mit der ganzen Wucht eines Präsidenten, der sich selbst zum „Hoax-Buster" ernannt hat. Die Gefahren künstlicher Intelligenz, so der Mann im Oval Office, seien eine Erfindung der Zweifler, vergleichbar mit dem Klimawandel, der russischen Einmischung in Wahlen, dem Amtsenthebungsverfahren seiner ersten Amtszeit. Es sind genau jene Themen, denen er dieselbe kalte Verachtung entgegenbringt. Wer warnt, wird zum Komplizen einer Phantomerzählung erklärt. Wer zweifelt, ist Gegner.
In Großbritannien klingt das Vokabular anders. Andy Burnham, Bürgermeister von Manchester, steht vor einer direkten Konfrontation mit Washington. Britische Minister kündigen an, die Warnungen der KI-Entwickler „beachten" zu wollen — ein altmodisches Wort, das so viel bedeutet wie: hört hin, nehmt ernst. Parlamentarier fordern ein Verbot sogenannter superintelligenter KI und rufen Burnham auf, die britische G20-Präsidentschaft des kommenden Jahres zu nutzen, um eine „Koalition der Willigen" zu schmieden. Es klingt nach den Sälen, in denen man Beschlüsse fasst und vergisst. Es klingt nach Versprechen, die in Protokollen verwelken.
Die Lücke zwischen diesen beiden Sprachen — zwischen „Hoax" und „Heed" — ist die eigentliche Nachricht dieser Woche. Nicht die Maschine ist das Thema, sondern die Verteilung der Aufmerksamkeit. Auf der einen Seite: ein Präsident, der die größte Technologie seiner Zeit zur „greatest economic development engine in history" erklärt und sich selbst als einzige hinreichende Kontrollinstanz sieht. „The only control or 'guardrails' that AI needs is a STRONG AND SMART (High IQ!) PRESIDENT", schreibt er. Die USA, so fügt er an, hätten bereits „tremendous CRIMINAL and REGULATORY power over these companies". Es ist die Stimme eines Mannes, der glaubt, dass Institutionen überflüssig werden, wenn nur die Person stimmt.
Auf der anderen Seite: eine wachsende Phalanx von Zweiflern, die aus den eigenen Reihen kommt. Der Chef von OpenAI gibt zu, die Welt habe Grund, sich zu fürchten — empfiehlt aber, den Firmen zu vertrauen. Es ist ein Satz, der an jene Scheckbücher erinnert, die man in der Hoffnung unterschreibt, dass der Aussteller morgen noch zahlt. Steve Bannon, einst Chefstratege des Präsidenten, spricht auf einer „pro-human"-Konferenz: „Wir geben diesen Leuten keine carte blanche. Es gab keine Debatte." Bernie Sanders, Senator und Demokratischer Sozialist, legt nach: Der Kongress habe „am Steuer geschlafen", die Unwissenheit des Präsidenten in dieser Frage sei „wirklich beschämend". Die Kritik kommt nicht von der Opposition allein — sie kommt aus dem Innenraum der Maschine selbst.
Und Burnham? Burnham recommittet zu den Net-Zero-Zielen, obwohl Abgeordnete ihn warnen, der Begriff sei den Wählern „giftig" geworden, erschöpft von steigenden Rechnungen. Es ist die Geste eines Politikers, der unbequeme Wahrheiten nicht aufgibt — und dafür einen Preis zahlt.
Die britische Regierung hat erklärt, man müsse die Warnungen jener beachten, die „an der Spitze" der KI-Entwicklung stünden. Eine vorsichtige Formulierung — die Formulierung eines Landes, das sich erinnert, wie leicht Versprechen zu Protokollen verwelken. Was geschieht mit einer Warnung, die ein Präsident zur Fälschung erklärt? Sie wird nicht entkräftet — sie wird überflüssig gemacht. Die Debatte, die Bannon vermisst, ist damit nicht eröffnet. Sie ist abgesagt.
Die Regulierung der KI, so melden Beobachter aus Washington, steckt in einem politischen Deadlock. Rufe nach Handeln des Kongresses werden lauter. Doch während die Uhren ticken, spricht der eine von einem Hoax, die anderen von einem Heed. Die Spalte zwischen Warnung und Verachtung ist breit genug, um eine ganze Diskussion zu verschlucken. Sie ist es wert, dass man sie mit dem Lineal misst.
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