Keralam im September: Die Akte der verschenkten Megawatt
Wer je einem Lächeln begegnet ist, das einen Vertrag besiegelte, der niemals gehalten werden würde, der erkennt das Muster wieder: Man unterschreibt im Scheinwerferlicht und vollzieht die Kapitulation im Halbdunkel der Aktennotiz. Die Kerala State Electricity Regulatory Commission — jenes Gremium, das den Anspruch erhebt, zwischen Bürger und Bürokratie zu vermitteln — hat am elften September eine Order erlassen, die wie eine diplomatische Note klingt und wie eine Bankrotterklärung liest.
Die Zahlen, die derzeit durch Thiruvananthapuram geistern, haben das Format einer Beschuldigung. 93,6 Millionen Einheiten Strom hat Kerala im September durchschnittlich verbraucht — ein Wert, den der Bundesstaat in dieser Jahreszeit nicht kennt, der die Prognosen sprengt und die Bilanzen verzerrt. Tagsüber scheint die Sonne, die Solarenergie flutet das Netz, und am Abend, wenn die Haushalte ihre Inverter einschalten, die Klimaanlagen summen, die Kinder ihre Lampen brauchen, ist der Speicher leer. Die Lücke zwischen Erzeugung und Nachfrage wird nicht mit Megawatt gefüllt, sondern mit Beschwichtigungen.
Fünf große Batterie-Energiespeicher — jeder einzelne ein Versprechen für sich — sollten nach den ursprünglichen Plänen der KSEB bereits im Oktober 2026 betriebsbereit sein. Sie werden es nicht sein. Zwei davon im Bezirk Kasaragod — der 125-MW/500-MWh-Speicher in Myalatti, den die Solar Energy Corporation of India errichtet, und das 15-MW/60-MWh-Projekt in Mulleria, getragen von NHPC Ltd. — werden den kommerziellen Betriebsbeginn voraussichtlich halten. Die Anlagen in Sreekantapuram (40 MW/160 MWh) und Areacode (30 MW/120 MWh), beide über NHPC, sollen im November folgen. Bleibt Pothencode im Bezirk Thiruvananthapuram: 40 MW, 60 MWh, geplagt von Verzögerungen, gegen die kein Einspruch hilft. Die Kommission, der T.K. Jose vorsteht, hat in ihrer Order vermerkt, was wie eine Mahnung klingt und wie eine Drohung liest: Die KSEB möge das Projekt bis Dezember 2026 in Betrieb nehmen, wie es im Schreiben vom 11. August 2026 zugesagt worden sei.
Es ist die Sprache derer, die schon zu oft höflich gewesen sind. „Considerable delay" — erhebliche Verzögerung — das ist das diplomatische Minimum, hinter dem sich nichts verbirgt als die Tatsache, dass Monate verstrichen sind, in denen nichts geschah, außer dass Verträge geschlossen wurden, deren Erfüllung in der Schwebe liegt. Die Kommission empfiehlt, was sie schon vor einem Jahr hätte empfehlen können: die beschleunigte Umsetzung der Speicherprojekte. Die Empfehlung ist kein Anfang; sie ist das Eingeständnis eines Anfangs, der versäumt wurde.
Was nützt der beste Speicher, wenn die Sonne scheint und der Strom ins Netz drückt, den niemand abruft? Die KSEB „surrendert" — das englische Wort steht im Protokoll, und es bedeutet aufgeben, preisgeben — tagsüber jene Leistung, die sie aus Zentralkraftwerken und Rund-um-die-Uhr-Verträgen bereits kontrahiert hat. Man hat Strom, den man nicht speichern kann. Man hat Verträge, die man nicht erfüllen kann. Man hat einen Verbrauch, den man nicht bedienen kann. Die Gleichung ist so alt wie die Energiepolitik selbst, und ihre Lösung ist in Kerala überfällig.
Parallel hat die KSEB am vierzehnten September eine Ausschreibung flottgemacht: 300 bis 800 Megawatt sollen zwischen Oktober und Dezember beschafft werden, 300 bis 600 für Oktober und November, 500 bis 800 für Dezember, dazu 300 MW Rund-um-die-Uhr für jeden der drei Monate. Die nicht-finanziellen technischen Gebote öffnen am 23. September, die indikativen Preise am 25. um elf Uhr. Am selben Montag orderte die KSEB 75 MW von Odishas GRIDCO und 15 MW von ACB India Ltd., um die überbordende Nachfrage zu stillen — Notkäufe, deren Preis niemand beziffern mag, weil er den ohnehin klaffenden Spalt zwischen Einnahmen und Ausgaben weiter öffnen würde.
Man darf die Indikatoren lesen, ohne sie zu deuten. El Niño, ein schwacher Monsun, eine Nachfrage, die mit jedem Grad über dem Durchschnitt klettert — Kottayam maß am Dienstag 35,0 Grad, vier Komma eins über dem Mittel. Minister Joseph hat öffentlich erklärt, die Krise lasse sich nicht über Nacht lösen, und um Geduld gebeten. Wer einmal Verhandlungen geführt hat, weiß: Die Bitte um Geduld ist das Vorspiel zur Forderung nach Verzicht.
Was bleibt, ist die nüchterne Bestandsaufnahme: 93,6 Millionen Einheiten im September, fünf Speicher mit Kalenderterminen, die sich monatlich verschieben, eine Ausschreibung über bis zu 800 MW, und eine Kommission, die in den Akten festhält, was die Öffentlichkeit längst weiß. Die Pothencode-Akte ist nicht das Ende; sie ist ein Posten in einer Bilanz, die noch nicht geschlossen ist.
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