Wenn die Macht umzieht, folgen die Lobbyisten
Manchester hat eine neue Geographie. Sie steht nicht in den Schulbüchern, und sie wird auch nicht in den Geschichtsbüchern landen, die in dieser Stadt so sorgfältig gepflegt werden. Aber sie ist da: eine unsichtbare Karte der Klinken, die geputzt werden, der Termine, die gemacht werden, der Hände, die gedrückt werden, sobald die Macht in der Nähe ist. Seit Andy Burnham seine premierministerielle Basis im Heron House eröffnet hat, ist Manchester nicht mehr nur eine Stadt im Norden Englands. Es ist ein zweites Nervenzentrum der britischen Politik – und diejenigen, die von der Nähe zur Macht leben, haben das bemerkt.
Die Lobbyisten sind schneller als die Wähler. Wenn ein Premierminister – oder einer, der sich dafür hält – seinen Schreibtisch aufschlägt, folgen die Leute mit den Visitenkarten. Sie folgen den Gesprächen über Steuerpolitik, Infrastruktur, kommunale Finanzen. Sie folgen den Beamten, die das Frühstück bezahlen, den Beratern, die nach dem dritten Glas Wein zustimmen. Sie folgen dem Geld.
Berichten zufolge haben Lobbyisten ihre Operationen in Manchester seit der Eröffnung von Number 10 North ausgeweitet. Die Nachfrage nach Sitzplätzen in Hotels in der Nähe des Heron House ist gestiegen. Die Nachfrage nach Mittagessen mit den richtigen Leuten ist gestiegen. Die Nachfrage nach dem, was man in dieser Branche schlicht „Zugang" nennt, ist gestiegen.
Burnham selbst hat angekündigt, Number 10 North und das Heron House in Manchester während seiner Amtszeit einmal pro Woche nutzen zu wollen. Ein Premierminister, der pendelt. Eine Hauptstadt, die sich dupliziert. Eine Machtstruktur, die sich dehnt – über die M62 bis ins Herz der Midlands, und von dort weiter, wohin die Interessen es tragen.
Die Öffentlichkeit ist gespalten. Die einen sehen in der Eröffnung von Number 10 North eine längst überfällige Anerkennung des Nordens Englands, eine symbolische Geste, die das jahrhundertealte Ungleichgewicht zwischen London und dem Rest des Landes korrigiert. Die anderen sehen darin den Versuch, zwei Machtzentren gleichzeitig zu bespielen, ohne sich für eines entscheiden zu müssen. Die Greater Mancunians, so berichtet der Manchester Evening News, sind sich uneins – und zwar grundlegend.
Dass die Spaltung mehr ist als ein Strohfeuer der Profilne, zeigt ein weiteres Detail: Der erste internationale Staatsgast, der Number 10 North besuchen wird, ist kein Geringerer als der irische Taoiseach Micheál Martin. Nach dem Treffen werden beide Politiker ein irisches Gemeindezentrum in Greater Manchester besuchen, um Vertreter der irischen Gemeinschaft zu treffen. Eine diplomatische Geste, die nicht nur Manchester gilt, sondern auch Dublin – und allen, die zuschauen.
Was hier passiert, ist keine Verschwörung. Es ist die Grammatik der Macht. Wenn sich ein Zentrum bildet, folgen die Satelliten. Wenn sich eine Hauptstadt teilt, folgen die Schlachtfelder. Manchester hat in den letzten Jahren gelernt, wie man Hauptstadt spielt – und nun lernt es, wie man Hauptstadt verdient. Der Preis, der dafür bezahlt wird, ist nicht immer in Pfund zu messen.
Was bleibt, ist die Frage, die in der ersten Euphorie untergeht: Wer kontrolliert die Lobbyisten, die jetzt nach Manchester strömen? Wer registriert ihre Treffen? Wer prüft, mit wem sie sprechen? In Westminster gibt es Register, die unvollständig sind, aber es gibt sie. In Manchester, so scheint es, gibt es noch nicht einmal ein Register. Die Verwandlung eines Verwaltungsgebiets in einen Markt der politischen Einflussnahme ist nicht das Werk eines Tages. Sie ist das Werk vieler Hände. Aber sie beginnt immer mit einer Entscheidung: der Entscheidung, einen Schreibtisch aufzustellen.
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