Delhis doppelter November: 600 Kilometer Versprechen, zwei Monate Atemstillstand
Zwei Daten, ein und dieselbe Stadt, ein und dieselbe Verlegenheit. Am 30. November muss das Public Works Department von Delhi sechshundert Kilometer Straße vorzeigen, die der Hauptstadt das Versprechen von Befahrbarkeit einlösen; im selben November, im selben Dezember, sitzen die Kinder drinnen, weil die Luft über jenen Straßen nicht mehr eingetmet werden darf. Man darf das eine nicht ohne das andere lesen, denn es handelt sich nicht um zwei getrennte Meldungen aus zwei verschiedenen Ministerien — es handelt sich um die nüchterne Bestandsaufnahme einer Verwaltung, die an beiden Enden derselben Kette zieht und beide Male ins Leere greift.
Die Commission for Air Quality Management, jenes zwischenstaatliche Gremium, das zwischen Delhi, Haryana, Rajasthan und Uttar Pradesh vermitteln soll, was keine Regierung allein zu lösen vermag, hat Schulen empfohlen, im November und Dezember sämtliche sportliche Betätigung im Freien auszusetzen. Die Begründung liest sich, als stamme sie aus einem Handbuch der Höflichkeit gegenüber einer unhöflichen Realität: Man wolle die Kinder schützen. Schulverwaltungen, so meldet es die Berichterstattung, suchen ihrerseits eine dauerhaftere Lösung. Was das genau heißen soll, bleibt höflich unausgesprochen. Eine dauerhafte Lösung wäre saubere Luft. Eine dauerhafte Lösung wäre, das Übel an seiner Quelle zu fassen. Eine dauerhafte Lösung ist offenkundig nicht das, was zur Verhandlung steht.
Während die einen in den Hallen bleiben, müssen die anderen über die kaputten Straßen fahren. Der PWD, zuständig für rund 1.400 Kilometer Straßen im Stadtgebiet, hat sich selbst eine Frist gesetzt, die in der Sprache der Bürokratie wie ein Versprechen klingt und in der Sprache der Bürgersteige wie ein Eingeständnis: Bis Ende November sollen 600 Kilometer repariert oder zumindest in einen Zustand gebracht werden, der das Prädikat befahrbar verdient. 600 von 1.400 — das sind, wer mitzurechnen versteht, weniger als die Hälfte, und es sind jene 600, für die bereits Ausschreibungen auf dem Markt liegen. Die übrigen 800 Kilometer bleiben, was sie waren: Löcher, Flickstellen, gelegentliche Inseln kommunalen Optimismus.
Man kann diese Zahl isolieren und sich wundern, warum die Hauptstadt eines Landes, das zum Mond fliegt, es nicht fertigbringt, eine Straße glatt zu halten. Man kann sie aber auch neben die andere Zahl legen — die Zahl der Monate, in denen Kinder nicht im Freien Sport treiben sollen — und dann sieht man die Kontur dessen, was hier eigentlich verwaltet wird: nicht Infrastruktur, nicht Gesundheit, sondern das bequeme Arrangement zwischen Amt und Umstand, das immer dann entsteht, wenn eine Frist näher rückt und niemand sie vollständig wird einhalten können.
Die Schulen suchen eine langfristige Lösung, heißt es. Es wäre aufschlussreich, zu erfahren, welche das sein soll. Nicht eine, die das Problem löst — das wäre zu viel verlangt —, sondern eine, die das Problem so umformuliert, dass es verwaltbar wird. Vielleicht eine Luftreinigungsanlage in jeder Halle. Vielleicht ein Lehrplan, in dem Freiluftsport als historische Disziplin geführt wird. Vielleicht eine Definition von Outdoorsport, die nur noch den überdachten Schulhof einschließt. Was auch immer es sei — die Mechanik bleibt stets dieselbe: Man verlagert das Übel aus der Verantwortung des Staates in die Verantwortung des Individuums, das dann lernen soll, mit dem zu leben, was der Staat nicht mehr hergibt.
Dasselbe Muster auf dem Asphalt. Die Frist 30. November, die ausgeschriebenen 600 Kilometer, der PWD — es ist die administrative Geste, die sagt: Wir haben es versucht. Ob das Ergebnis trägt, ob die Straße im Februar noch hält, ob der Bürger im Dezember darauf vertraut, das alles steht auf einem anderen Blatt, das kein Minister unterschreibt. Es gibt eine besondere Art von Stille in dieser Stadt im Winter. Sie liegt über den Schulhöfen, die leer sind, und über den Straßen, die rissig sind. Beide Stille rührt aus derselben Gewohnheit der Macht, das, was sie nicht heilen kann, in Fristen zu verpacken und diese Fristen dann als Lösung zu verkaufen. Der 30. November wird kommen. Die Kinder werden drinnen bleiben. Die Straße wird sein, was sie war. Und die langfristige Lösung wird in einer Pressemitteilung wohnen, die niemand mehr liest.
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