Börse 1937
Terminal Tribune

21. September 2026

Dossier · Politik & Macht

CalPERS belohnt Frost mit 1,8 Millionen — gegen die eigenen Regeln

21. September 2026 — — Kastner

Die Geschichte beginnt mit einer Zahl, und die Zahl ist eine Beleidigung. Marcie Frost, Chief Executive Officer des California Public Employees' Retirement System, hat für das Geschäftsjahr 2026 eine Gesamtvergütung von 1.751.234 US-Dollar erhalten — zusammengesetzt aus einem Grundgehalt von 601.398 Dollar und einem Bonus von 1.149.836 Dollar. Für das kommende Fiskaljahr wurde ihr Gehalt auf 641.250 Dollar festgesetzt. Dies berichtet die Online-Plattform Naked Capitalism unter Berufung auf öffentlich zugängliche Vergütungsdaten.

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Wer hinter dieser Summe eine Investmentleistung vermuten würde, der lese weiter. Frost ist die neunte CEO in der Geschichte des Pensionsfonds. Ihre offizielle Biografie weist sie als Verwalterin aus, nicht als Investorin. Ihre finanzielle Offenlegung, das kalifornische Formular 700, enthält keine Wertpapierpositionen — ein Hinweis, dass die Frau, die über Milliarden entscheidet, selbst in Investmentfonds und Bargeld sitzt. Was ihre formale Qualifikation betrifft, so berichtet Naked Capitalism von einem Anwalt, der neu in der Pensionswelt ist und bei einer ersten Prüfung der CalPERS-Akten eben jene Diskrepanz zwischen Ausbildung und Vergütung bemerkte. Die Rede ist von einem High-School-Abschluss.

Doch nicht die absolute Summe macht den Vorgang brisant. Es ist der Pfad, auf dem sie erreicht wurde. Über Frosts neunjährige Amtszeit summieren sich die öffentlich ausgewiesenen Gehaltserhöhungen auf eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 18,33 Prozent. Eine solche Steigerung übertrifft die Inflationsrate des Landes um ein Vielfaches — und sie übersteigt jene Parameter, die das Board selbst für die Vergütung seiner höchsten Beamtin festgelegt hat.

Hier liegt der Kern des Vorgangs. Naked Capitalism formuliert es unmissverständlich: Die Bonushöhe sei unter Frosts bestehender Vergütungsstruktur nicht gerechtfertigt. Was den Vorgang von einem simplen Berechnungsfehler unterscheidet, ist die Tatsache, dass das Board diese Struktur einst selbst verabschiedet hat. Das externe Korraborationsmaterial bestätigt das Bild aus anderer Richtung: Die Sacramento Bee berichtet von einem Bonus von knapp 1,15 Millionen Dollar und einer Gehaltsanhebung auf 641.250 Dollar. CalMatters spricht von einer Rekordvergütung, die Frosts damaliges Einstiegsgehalt von 387.000 Dollar im Jahr 2017 um ein Mehrfaches übersteigt. Pensions & Investments dokumentiert die Sitzung vom 17. September, in der das Board ein Grundgehalt von 619.440 Dollar und einen Anreizbetrag von 766.782 Dollar für das vorangegangene Fiskaljahr beschloss — allein Letzterer bedeutet ein Plus von fünfzehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Man könnte an dieser Stelle fragen, wer in einem solchen Gremium gegen diese Zahlen stimmt. Die Antwort, die Naked Capitalism andeutet, ist die beunruhigende: Es werde bestraft, wer es wagt. Der genaue Mechanismus dieser Disziplinierung bleibt im vorliegenden Bericht offen — der Text bricht an dieser Stelle ab. Klar ist jedoch die Richtung. In einem Gremium, das seine eigenen Vergütungsparameter setzt und sie im September 2026 überschritt, hat die abweichende Stimme ihren Preis.

Die Investmentleistung, die CalPERS in den vergangenen Jahren erzielt hat, wird in der Branche dem Chief Investment Officer und seinem Team zugeschrieben. Frosts eigene Expertise, so berichten es pensionierte Mitarbeiter, entspreche eher der einer Schreibkraft — eine Charakterisierung, die in kalifornischen Sitzungssälen vermutlich nicht laut ausgesprochen wird. Der externe Vergleich, den die Quelle zieht, ist bezeichnend: Auf dem einstigen Salomon-Bond-Arbitrage-Desk habe ein CEO wie John Gutfreund etwa drei Millionen Dollar verdient, während sein Händler Lawrence Hilibrand dreiundzwanzig Millionen nach Hause trug. Die Logik der Märkte ist eine andere als die der Selbstverwaltung.

Was bleibt, ist die Frage nach der Aufsicht. CalPERS verwaltet die Altersvorsorge Hunderttausender kalifornischer Beamter. Die Vergütungsparameter, die das Board für seine CEO verabschiedet hat, waren kein Vorschlag — sie waren ein Rahmen, beschlossen im Interesse der Beitragszahler und der Steuerzahler. Im September 2026 wurde dieser Rahmen überschritten. Die Berichte, die derzeit vorliegen, beschreiben den Vorgang als Bruch einer selbstgegebenen Regel. Welche weiteren Beschlüsse in den Protokollen stehen, ungelesen, unwidersprochen — und welche Stimmen in den Archiven verstummt sind — das werden die nächsten Sitzungen zeigen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 3 von 4 Behauptungen belegt
  1. ZAHL CalPERS awarded Marcie Frost nearly $1.8 million total compensation

    „Her total 2026 award was a $1.149,836 bonus. that plus her salary of $601,398 results in total pay of $1,751,234.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZAHL The compensation is for an 18.33% CAGR in increases since hiring

    „That brings you to a record of 18.33% in publicly disclosed pay increases over her nine-year tenure at CalPERS.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZITAT This award violates Marcie Frost's pay parameters

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  4. ZITAT Board dissenters were punished

    „the board has been punishing members who even dare to question these unduly rich awards.“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

  • 4 weitere Quellen waren beim Schreiben nicht abrufbar

1 Quelle · 3 davon belegt · 4 externe Belege · 4 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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