ohne Siegel, Markt ohne Aufsicht
Es gibt Zahlen, die wiegen schwerer als ihr Gewicht. 167.639 Pfund, um genau zu sein — oder, je nachdem, wessen Mitteilung man liest, ein wenig mehr oder ein wenig weniger, denn die Spanne reicht von 165.000 bis über 167.000 Pfund. So viel rohes Rindfleisch, Schweinefleisch und Ziegenfleisch ist in Kalifornien und im Rest der Vereinigten Staaten vom Markt genommen worden. Die US-Landwirtschaftsbehörde USDA hat den Rückruf ausgelöst, klassifiziert als Class I — die höchste Stufe.
Hinter der Zahl steht ein Vorgang, der nüchtern betrachtet werden muss und es doch nicht ganz sein lässt. Star Meat Delivery Inc. mit Sitz in Lucama, North Carolina, hat Fleischprodukte hergestellt, ohne dass die gesetzlich vorgeschriebene Inspektion stattgefunden hat. Die Produkte trugen dennoch einen USDA-Kontrollstempel mit der Zulassungsnummer „EST. 1363" — ein falscher Stempel auf echtem Fleisch. Vakuumverpackt und in Kartons verpackt, ging die Ware an A&D Foods, einen Vertriebshändler in Georgia, der sie unter eigenem Etikett an Restaurants und Einzelhandel im ganzen Land weiterleitete. Betroffen sind Hackfleisch vom Schwein, Chorizo, Schweinekoteletts, Schweinerippchen und -füße, Rinderrippchen und Ochsenschwanz, Ziegenfleischstücke und andere rohe Fleischwaren, produziert vor dem 22. September 2026.
Man darf sich fragen, wie es sein kann, dass 167.000 Pfund Fleisch in einen Markt gelangen, der von einem der dichtesten Lebensmittelaufsichtssysteme der Welt bewacht werden soll, ohne je von einem Inspektor gesehen worden zu sein. Es geht nicht allein um Hackfleisch und Ochsenschwanz. Es geht um das Versagen einer Schleuse.
Das USDA spricht von „falschen Kontrollzeichen" und davon, dass die Produkte als „falsch etikettiert und nicht sicher zum Verzehr" zu gelten hätten. Zugleich räumt die Behörde ein, dass Lebensmittel ohne Inspektion „nicht deklarierte Allergene, schädliche Bakterien oder andere Verunreinigungen enthalten können, die die Gesundheit der Verbraucher gefährden". Es ist eine bemerkenswert weiche Formulierung für eine Klasse-I-Einstufung. Sie sagt, was sie nicht aussprechen will: Man weiß nicht, was in dem Fleisch ist. Man weiß nur, dass niemand nachgesehen hat.
Aufgefallen ist die Sache bei „FSIS-Überwachungsaktivitäten", nicht durch eine Verbraucherbeschwerde, nicht durch einen Arzt, nicht durch einen Mitarbeiter mit Gewissen — sondern durch die Routine der Aufsicht. Und dies ist die zweite beunruhigende Tatsache: Eine Zulassungsnummer, die während eines laufenden Genehmigungsverfahrens vergeben wird, ist keine Genehmigung. Sie ist ein Platzhalter. Dass unter einer solchen Platzhalternummer Ware mit dem Eindruck eines gültigen Siegels in Umlauf gebracht wurde, lässt sich nicht als bloßes Versehen abtun.
Star Meat Delivery hat sich verteidigt. Am 24. September erklärte das Unternehmen über Facebook, das betroffene Fleisch stamme von einem USDA-geprüften Lieferanten und sei verarbeitet worden, während das Unternehmen das Genehmigungsverfahren für Zuschnitt- und Verpackungsdienstleistungen für Kunden außerhalb des Staates durchlaufen habe. Die Behauptung, einen „gefälschten USDA-Stempel" verwendet zu haben, wies das Unternehmen zurück. Die Zulassungsnummer sei im Antragsverfahren rechtmäßig reserviert gewesen.
Das ist eine Verteidigung, die vor eine Anhörung gehört. Sie wirft eine politische Frage auf: Wenn eine Zulassungsnummer vergeben wird, bevor die Zulassung erteilt ist — wozu wird sie vergeben? Wenn ein Unternehmen während eines laufenden Antragsverfahrens Ware produzieren und in den nationalen Markt einspeisen darf — was hindert das nächste Unternehmen, es ebenso zu halten? Es ist, als habe man ein Schild aufgestellt, das besagt: Hier wird noch nicht kontrolliert — und es dennoch so aussehen lassen, als ob.
Kalifornien steht als erster Empfänger in der Mitteilung. Dass der bevölkerungsreichste Bundesstaat Ziel einer Lieferung wurde, die niemand geprüft hat, ist nicht nur ein logistischer Hinweis, sondern ein Indikator für die Reichweite des Versäumnisses. A&D Foods hat 23 Produkte unter eigenem Etikett weiterverteilt. Wie viele Container mit falsch etikettiertem Fleisch in diesen Tagen in Kalifornien und anderswo geöffnet wurden, werden die nächsten Wochen zeigen, wenn die Rückrufkette zu Ende verfolgt ist.
Bestätigte Erkrankungen gibt es bislang nicht. Verbraucher sollen betroffene Produkte wegwerfen oder dort zurückgeben, wo sie gekauft wurden. Es ist die Sorte Hinweis, die in solchen Mitteilungen immer am Ende steht und die, so fürchtet man, von vielen überlesen wird.
Was bleibt, ist ein Rückruf der höchsten Klasse, ein Unternehmen, das sich verteidigt, eine Aufsichtsbehörde, die ihren eigenen Fund als Routinefall behandelt. Wer hinschaut, sieht ein Lebensmittelproblem. Wer länger hinschaut, sieht ein Aufsichtsproblem. Und wer noch länger hinschaut, sieht, dass die Aufsicht selbst das Problem zu sein beginnt.
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