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Terminal Tribune

26. September 2026

Dossier · Politik & Macht

Piker, El-Sayed und das dreimalige Schweigen an einem Sonntag

26. September 2026 — — Kastner

Es gibt Sätze, die so klingen, als würden sie etwas sagen, und die doch nur die Form einer Antwort annehmen, um ihren Inhalt zu verbergen. Abdul El-Sayed, demokratischer Kandidat für den US-Senat in Michigan, hat am Sonntag bei "Face the Nation" einen solchen Satz gesagt — eigentlich drei hintereinander.

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Weijia Jiang, CBS-Korrespondentin, hakte zum wiederholten Male nach. Es ging um Hasan Piker, einen Twitch-Streamer aus Kalifornien, dessen Stimme in den sozialen Medien ein Gewicht hat, das die meisten Senatorenbüros nicht mehr erreichen. Sein Name stand im Raum, weil jüdische Wählerinnen und Wähler in Michigan wissen wollten, was der Kandidat, der mit ihm auf Wahlkampftour ging, von dessen Äußerungen halte: von der Gleichsetzung der USA mit Al-Kaida, von seinen Bemerkungen über den 11. September 2001, von seinen Positionen zu Israel und zur Hamas.

Die erste Frage beantwortete El-Sayed, indem er sie verneinte. Die zweite, indem er zählte: vier Auftritte diese Woche in Michigan, bei keinem sei das Thema aufgetaucht. Die dritte, indem er anbot, worüber man stattdessen reden könne — Lebensmittelpreise, Tanken, das tägliche Leben, jenes Leben also, das angeblich so beschäftigt ist, dass für einen Mann aus Kalifornien keine Minute bleibt.

Nüchtern aufgezählt, ist das der Befund. In der Tonart einer Frau, die einmal in Genf Protokolle las, klingt es nach einer eingeübten Antwortfigur.

Die Quellen erzählen die Geschichte uneinheitlich, und genau darin liegt ihr Kern. Während ein Bericht festhält, El-Sayed habe Fragen zu Piker zurückgewiesen, spricht ein anderer davon, der Kandidat habe Forderungen, sich von Piker zu distanzieren, abgewehrt — eine Formulierung, die bereits voraussetzt, dass andere ihm diese Distanzierung abverlangt haben. Was als rhetorische Variation erscheint, ist eine Verschiebung. Wer eine Frage zurückweist, behält seine Position. Wer eine Forderung abwehrt, muss sich fragen lassen, warum er sie nicht erhört hat.

Hinzu kommt, dass Piker keine Randfigur ist. Er hat El-Sayed nicht nur unterstützt — er hat Anhängerinnen und Anhänger der Demokraten aufgefordert, parteiinterne Kritiker des Kandidaten zu bestrafen. Das ist keine Sympathiebekundung. Das ist eine programmatische Einmischung von einer Plattform, die die Partei nicht kontrolliert.

Was Piker im Axios-Interview sagte, macht die Sache nicht leichter. "Pound for pound", auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten schlimmer seien als Al-Kaida: "Ja." Er verwies auf einen US-Luftangriff auf eine Mädchenschule im Iran, jenen Angriff vom 28. Februar, bei dem mehr als hundert Schülerinnen starben, während CENTCOM erklärte, die Schule habe neben einer aktiven Raketenbasis gelegen. Diese eine Zahl setzte er in Vergleich zu den fast dreitausend Toten des 11. September 2001, einer Tat, die er 2019 als etwas bezeichnete, das Amerika "verdient" habe, und die er später nur teilweise zurücknahm.

Die Reaktion folgte dem üblichen Muster. Republikanische Kommentatoren hielten fest, dass das eine ein vermeintlich fehlgeleiteter Militärschlag mit zivilen Opfern sei, das andere ein koordinierter Angriff auf Zivilisten mit dem erklärten Ziel, so viele Menschen wie möglich zu töten. Diese Unterscheidung steht außerhalb jeder politischen Couleur.

El-Sayeds Verteidigung folgt einem Muster, das in solchen Momenten verlässlich greift: das Argument der falschen Bühne. Piker sei kein Thema in Michigan, sagt der Kandidat. Die Wählerinnen und Wähler wollten über Lebensmittel reden. Das klingt plausibel. Nur wird es hier gegen eine Frage in Stellung gebracht, die sich mit Lebensmitteln nicht beantworten lässt.

Die Lebensmittel sind das Thema, an dem vorbeigeredet wird. Dahinter liegt die Frage nach der Ausrichtung einer Partei, die fünfzig Tage vor einer Wahl steht, in der es um jede Stimme geht. El-Sayed hat am Sonntag nicht gesagt, dass Pikers Vergleich unangemessen sei. Er hat nicht gesagt, dass dessen Bewunderung für Mao Zedong, dessen Verharmlosung der Verbrechen an den Uiguren, dessen Sympathie für ein nuklear bewaffnetes Iran mit den Werten seiner Partei vereinbar sei. Er hat Lebensmittel gesagt.

Die Kongressabgeordnete Debbie Dingell, ebenfalls aus Michigan, hatte Reporterinnen und Reporter bereits im August gebeten, mit den Fragen nach Piker aufzuhören — Republikaner würden das Thema aufzwingen. Man kann diese Bitte als Schutz des Kandidaten lesen. Man kann sie als Schutz der Partei lesen. Man kann sie als das lesen, was sie war: eine Bitte um Themenwechsel, bevor das Thema zu groß wird.

Wenn man den Sonntag Revue passieren lässt, bleiben drei Beobachtungen. Erstens: Der Kandidat hat eine inhaltliche Frage dreimal nicht beantwortet. Zweitens: Die Quellen beschreiben ein und dieselbe Geste mit zwei verschiedenen Vokabeln — und nur eine davon enthält eine Anklage. Drittens: Hasan Piker, dessen Name an diesem Sonntag nicht fallen sollte, hat sich nicht versteckt. Er hat nur sehr laut gesprochen.

Was das über den Zustand der Demokratischen Partei verrät, werden die Wählerinnen und Wähler in Michigan am Wahltag entscheiden. Was es über die Frage verrät, die an einem Sonntagmorgen dreimal gestellt und dreimal umgangen wurde, das verrät es schon jetzt: dass manche Antworten in der Politik nicht gegeben werden, weil ihre Folgen schwerer wiegen als das Schweigen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 4 von 4 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Abdul El-Sayed hat Fragen bezüglich der Verbindungen Hasan Pikers beantwortet/deflektiert

    „Rather than answering the question, El-Sayed deflected, saying that voters were not asking him about Piker and that they were more focused on the issues impacting their daily lives.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT Abdul El-Sayed hat den Fokus auf die Diskussion über Lebensmittel

    „I’m not interested in having a conversation about streamers in California because they are not raising the prices of gas and groceries,” El-Sayed added.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZITAT Hasan Piker behauptete, dass die USA mehr Terrorismus betreiben als Al Qaeda

    „In an interview with Axios, the left-wing streamer claimed that, “pound for pound,” America is worse than al-Qaeda.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  4. ZITAT Abdul El-Sayed hat auf Appelle zur Distanzierung von Hasan Pikers kontroverser Rhetorik ausgewichen

    „Rather than answering the question, El-Sayed deflected, saying that voters were not asking him about Piker and that they were more focused on the issues impacting their daily lives.“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

  • 3 weitere Quellen waren beim Schreiben nicht abrufbar

5 Quellen · 4 davon belegt · 3 externe Belege · 4 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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