Pinaults Schneider: De Meo übernimmt Kering
Im Frühjahr dieses Jahres, als die Personalberater noch durch die Hotelsuiten am Boulevard Haussmann zogen, soll François-Henri Pinault erstmals mit dem Mann gesprochen haben, den er nun an die Spitze seines Luxuskonzerns setzt. Nur wenige Monate, wie er Analysten später mitteilte — eine Bemerkung, die zwischen den Zeilen mehr verrät, als sie zwischen den Zeilen zu sagen scheint. Luca de Meo, bisher Vorstandschef des französischen Autobauers Renault, verlässt das Unternehmen Mitte Juli. Im September übernimmt er die Geschäfte von Kering — jener Gruppe, die seit 2013 diesen Namen trägt, seit 1995 im Leitindex der Pariser Börse notiert ist und zu der Häuser wie Gucci gehören. François-Henri Pinault, seit 2005 Präsident des Konzerns, bleibt Vorsitzender des Verwaltungsrats.
Die Nachricht kam nicht durch Hintertüren. Renault bestätigte den Abgang seines Chefs mit einer Erklärung, de Meo habe seinen Entschluss mitgeteilt, das Unternehmen zu verlassen, um neue Herausforderungen außerhalb der Automobilbranche anzunehmen. Kering seinerseits bestätigte am Montag in einer eigenen Stellungnahme, dass de Meo als CEO ausgewählt worden sei. Der Französische Staat, der fünfzehn Prozent an Renault hält, beobachtet den Wechsel aus der Loge. So weit die offizielle Architektur — gestochen scharf wie ein Bauplan von Mallet-Stevens.
Doch hinter dem Vorhang wird bereits die Frage gestellt, die in den kommenden Monaten den Ton angeben wird: Was kann ein Mann, der aus der Autobranche kommt, in einem Haus bewirken, das von Leder, Seide und dem ungeschriebenen Gesetz dynastischer Kontrolle lebt? Die Antwort steht in keiner Pressemitteilung. Sie wird in den Quartalsberichten geschrieben, in den Kollektionen, in der Bewegung der Aktie.
De Meo tritt sein Amt in einer Phase an, in der Kering unter Druck steht — das ist die Grundannahme, die jeder Analyst teilt, der in diesen Tagen seine Modelle sortiert. Bei Renault hat er ein Unternehmen geführt, das sich mitten in einer Transformation befand: Elektrifizierung, veränderte Marktbedingungen, ein Staat als Anteilseigner mit eigenen Erwartungen. Ob diese Erfahrung sich auf ein Imperium übertragen lässt, das vom Laufsteg bis zur Lederwarenwerkstatt reicht, ist die Frage, die sich der Markt nun stellt — leise, höflich, mit gezücktem Notizbuch.
Die Analysten haben bereits begonnen, die Szenarien zu skizzieren. Die einen sehen in de Meo den Sanierer, den das Haus benötigt. Die anderen fragen, ob ein Außenseiter aus einer anderen Branche den Code der Haute Couture überhaupt lesen kann — jenen Code, der sich nicht in Bilanzen niederschlägt, sondern in der Art, wie ein Mantel fällt, wie eine Tasche sich öffnet, wie ein Name über Jahrzehnte aufgebaut, gehalten und verteidigt wird.
Was bleibt, ist eine Personalie, die präzise in der Struktur des Hauses verankert ist. Kering hat einen neuen Mann an der Spitze der Geschäftsführung. Der alte Mann bleibt im Sessel daneben, mit dem Vorrecht des Stifters. Pinault behält die Kontrolle, de Meo führt aus. Die Architektur ist eindeutig. Was darin wohnen wird, ist offen.
Die offene Frage, die über dem Ganzen steht: Wird de Meo das Haus transformieren — oder wird das Haus ihn transformieren? In Genf habe ich Verträge gesehen, die nie eingehalten wurden. In Paris habe ich Männern in die Augen geschaut, die lächelten, während sie logen. Man lernt mit der Zeit, auf das zu hören, was nicht gesagt wird. Was hier nicht gesagt wird: Dass ein dynastisch geführter Luxuskonzern einem Quereinsteiger aus der Industrie die operative Verantwortung übergibt, ist eine Aussage, die schwerer wiegt als jede Pressemitteilung.
Was man weiß: Kering braucht Veränderung. Was man noch nicht weiß: Wird de Meo sie liefern. Das, meine Damen und Herren, ist das Spiel, das nun gespielt wird — auf einem Brett, das älter ist als die Mode, die es finanziert.
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