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Terminal Tribune

30. September 2026

Dossier · Energie & Klima

Coming Soon – drei Türen, ein Schild, kein Licht

30. September 2026 — — Hollis

Acht Zeichen. Englisch. Eine Floskel. Sie geistert seit Jahrzehnten durch Werbung, Internet und Redaktionsstuben wie ein Gespenst ohne Auftrag. Sie bedeutet nichts. Sie verspricht alles. Und ausgerechnet jetzt, im Herbst 2026, verbindet sie drei Geschichten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Auf den zweiten zeigen sie ein Muster. Was für eins, das soll der Leser selbst entscheiden.

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Fangen wir vorne an. Im November 2024 eröffnet Visegrad24 einen Account auf Substack. Visegrad24 – das ist jener YouTube-Kanal, der aus Warschau, Budapest und Prag heraus Stimmung macht. Gegen Brüssel, gegen Migration, gegen das, was aus dem Westen kommt. Eine Plattform mit geopolitischer Reichweite, Aufrufe in Millionenhöhe, Sprachrohr der illiberalen Mitte Europas. Und das Erste, was diese Plattform auf Substack veröffentlicht, ist kein Text. Keine Recherche. Keine These. Es ist ein einzelner Satz: „Coming soon." Kein Datum. Kein Autor. Kein Bild. Nur das Versprechen, irgendwann etwas zu liefern. Was, sagt niemand.

Springen wir siebzehn Monate nach vorn. Im September 2026 erscheint beim Onlinemagazin The Intercept ein längerer Artikel über Solarfarmen in der Mojave-Wüste. Überschrift: „Gold Rush in the Desert." Der Reporter fährt nach Rhyolite, Nevada, eine Geisterstadt aus der Goldgräberzeit. Fünftausend Einwohner zur Hochzeit, fünfzig Saloons, dann die Panik von 1907, dann leer. Heute Touristenstopp, Drehort für B-Movies, die niemand kennt. Drumherum, auf Land des Bundesinnenministeriums, zwei große Solarprojekte. Kevin Emmerich und Laura Cunningham von Basin and Range Watch sagen: Diese Wüste speichert Kohlenstoff in den Wurzeln ihrer Pflanzen. Die Solarmodule, die dort geplant werden, würden ein Jahrtausende altes Ökosystem zerstören. Der Artikel erzählt von Aktivisten, von BLM-Land, von einem Energieprojekt in einer Landschaft, die vor zehntausend Jahren noch Eis war.

Nun passiert etwas Seltsames. Der Visegrad24-Substack greift diesen Artikel auf. Teilt ihn. Aber nicht mit einem Kommentar, nicht mit einer Einordnung, nicht mit einer Frage. Sondern wieder nur mit dem Satz, der schon am Eröffnungstag dort stand: „Coming soon."

Zwei Quellen. Zwei Kontexte. Der gleiche Satz.

Und dann ist da noch ein drittes „Coming Soon", und das hat mit Energie nur insofern zu tun, als es aus einem Land kommt, das weiß, was Energie ist. Ein israelisches Electronic-Duo, gegründet 2012 in Tel Aviv. Zwei Produzenten, Dui Biton und Irad Brant. Sie nennen sich „Coming Soon!!!" – mit drei Ausrufezeichen, weil das im Psy-Trance-Geschäft wohl dazugehört. Sie haben als Remixer angefangen, dann eigene Produktionen. Progressive Trance, die Sorte Musik, die seit zwanzig Jahren auf Festivals in Wüsten dieser Welt gespielt wird – in der Negev, in der Mojave. Eine Band, die seit vierzehn Jahren unter dem Label des Wartens firmiert und es schafft, damit zu touren.

Drei Quellen. Drei Räume. Ein Satz. Und ein seltsames Echo: In der Mojave-Wüste streiten Aktivisten um jedes Wurzelwerk, jede Echse, jeden Strauch. Dieselbe Wüste, die auf den Festivalplakaten als verklärter Sehnsuchtsort für eine Musik gilt, die in der Negev geboren wurde. Biodiversität gegen Bühnenstaub. Beides ist möglich. Beides beansprucht denselben Boden.

Es gibt noch mehr. Auf Pinterest suchen dieser Tage 59.000 Menschen nach Ideen für „Coming soon"-Posts. Auf TikTok trendet ein „Coming Soon Template" mit CapCut-Vorlagen. Auf Tenor kursiert ein GIF eines Pandas mit gelbem Hut und Rucksack, das die Worte „Coming soon" auf schwarzem Grund trägt. „Coming soon" ist überall. Es ist die Luft, die wir atmen, wenn wir scrollen.

Aber drei dieser Vorkommen sitzen nicht in der Werbung. Sie sitzen dort, wo Politik, Boden und Klang sich berühren. Visegrad24 teilt den Solarfarm-Artikel – ohne den Satz zu erklären, der darüber steht. Das Musikduo heißt seit vierzehn Jahren so. Und der Substack, auf dem das alles zusammenkommt, hat bis heute keinen zweiten Beitrag veröffentlicht.

Was soll man davon halten? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, was ich auf den Ölfeldern gelernt habe: Ein leeres Schild ist entweder ein Versprechen oder eine Lüge. Auf dem Bohrturm steht nichts drauf, wenn nichts drunter ist. So war das damals in Texas. So ist das heute im Internet. Ich notiere. Mehr im Moment nicht.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 3 von 3 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Eine Substack-Publikation ist mit Visegrad24 verbunden

    „This is Visegrad24’s Substack.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZAHL Der Kabinettsbeschluss sieht einen Green Energy Corridor von ₹1.86 lakh crore vor, um 135 GW erneuerbare Energie zu evakuieren

    „The Union Cabinet on Wednesday (September 30, 2026) approved the 'Green Energy Corridor Phase-III' scheme with an outlay of ₹1.86 lakh crore to set up an intra-state transmission system with battery storage to evacuate 135 GW of renewable energy.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZAHL Die Kapazität des Green Energy Corridors beträgt 135 GW

    „to evacuate 135 GW of renewable energy“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

3 Quellen · 3 davon belegt · 4 externe Belege · 3 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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