Fünf Etappen erklommen, das sechste Ziel bleibt konturlos
Manche Nachrichten erreichen einen wie ein Fünf-Uhr-Tee in einem Salon am Genfer See. Man nimmt die Tasse entgegen, und erst beim zweiten Schluck bemerkt man, dass der Zucker fehlt, dass das Gebäck nicht zu der Geschichte passt, die der Gastgeber erzählt. So auch diese Meldung.
Eine Internetseite, die sich dem Kampf gegen das Karōshi verschrieben hat, hat verkündet, das fünfte Spendenziel sei erreicht. Das sechste Ziel werde angestrebt. Das Karōshi, jenes japanische Wort, das sich wörtlich mit "Tod durch Überarbeitung" übersetzen lässt, bezeichnet medizinisch zumeist den Herzinfarkt oder den Schlaganfall, der durch chronischen Stress und unzureichende Nahrungsaufnahme am Arbeitsplatz ausgelöst wird. Es ist ein ernstes Wort. Es ist ein trauriges Wort. Und es ist hier der Aufhänger.
Die Terminal Tribune registriert die Meldung. Sie registriert auch, dass sie aus einer einzigen Quelle stammt.
Wer die Archive öffnet, findet dort, datiert auf den neunundzwanzigsten Oktober des Jahres 2018, einen Eintrag, dessen Titel in jener ungeschliffenen Sprache des Internets gehalten ist: "MetOurFifthGoal, OntoOurSixth: KarōshiPrevention". Damals, vor sieben Jahren, war der sechste Schritt bereits angekündigt worden. Ein weiterer Eintrag, im September des Jahres 2022, feiert das Erreichen des vierten Ziels und kündigt das fünfte an. Die Linie, die sich aus diesen beiden Daten ergibt, ist eindeutig. Es handelt sich um eine fortgesetzte Kampagne, die in unregelmäßigen Abständen ihre Etappenziele ausruft, den Fortschritt dokumentiert und die nächste Schwelle benennt.
Was aber ist das sechste Ziel? Hier setzt das Schweigen ein, und Schweigen, das weiß man in den Korridoren jener Häuser, in denen Verträge geschrieben werden, sagt mehr als jedes Bulletin. Die aktuelle Mitteilung nennt keine Summe. Sie nennt keinen konkreten Verwendungszweck. Sie nennt keinen Termin. Sie nennt keine Namen. Das Archiv von 2018 hilft nur bedingt weiter, denn damals war zu lesen, das sechste Ziel solle der Unterstützung der Redaktionsbelegschaft dienen, damit diese "scharf" bleibe und einem Burnout vorgebeugt werde, eine Aussage, die in ihrer Kürze Bände spricht.
Die Frage liegt auf der Hand, auch wenn die Mitteilung sie selbst nicht stellt. Wer soll hier eigentlich vor dem Tod durch Überarbeitung bewahrt werden? Jene, die über die Toten durch Überarbeitung schreiben? Es wäre kein Skandal. Es wäre ein Geschäftsmodell, transparent und in sich geschlossen. Eine Plattform, die finanziell davon abhängt, dass ihre Autoren arbeiten, bittet um Geld, damit diese Autoren weiter arbeiten können, ohne daran zu sterben. Der Zirkel ist nicht hässlich. Er ist elegant. Er ist auch nicht neu. Doch er verdient, dass man ihn beim Namen nennt.
Die Form der aktuellen Verkündung verdient besondere Aufmerksamkeit. Sie zitiert keine Stimmen aus der Redaktion. Sie veröffentlicht keine Bilanz der bisherigen Einnahmen. Sie verbreitet einzig die Tatsache des erreichten Erfolgs und die vage Perspektive des nächsten Schrittes. Das ist, in der Sprache jener, die Klauseln formulieren, eine Pressemitteilung. Keine Dokumentation. Keine Rechnungslegung. Keine unabhängige Bestätigung. Eine Pressemitteilung, und zwar eine, die sich als Etappensieg geriert.
Es gibt in der Geschichte der Publizistik ein wiederkehrendes Muster. Wer eine Erfolgsmeldung verbreitet, ohne die Belege offenzulegen, bittet den Leser nicht um Vertrauen, sondern um Gefälligkeit. Die Plattform, die das fünfte Ziel ausruft, hat jedes Recht, stolz zu sein. Sie hat aber auch jede Verpflichtung, die Zahlen zu nennen, die diesen Stolz begründen. Ohne diese Zahlen bleibt die Botschaft ein Selbstgespräch, das nach außen getragen wird.
Die Terminal Tribune wartet auf die Veröffentlichung der genauen Zielsumme, der genauen Verwendung und der Namen derjenigen, die das Vorhaben tragen und verantworten. Sie wartet auf eine Aufstellung dessen, was mit den bisherigen Spenden geschehen ist. Sie wartet, mit anderen Worten, auf jene Dokumente, die aus einer Erfolgsmeldung einen nachprüfbaren Bericht machen würden.
Bis dahin bleibt das sechste Ziel das, was es in der Mitteilung selbst ist: eine Ankündigung ohne Konturen, ein Schritt in einen Nebel, der sich umso dichter zusammenzieht, je länger man hinschaut. In einer Zeit, in der Nachrichten wie Aktien gehandelt werden, ist eine Erfolgsmeldung ohne Zahlen ein Versprechen ohne Pfand. Man darf es zur Kenntnis nehmen. Man muss es nicht glauben. Und wer den Handschuh auszieht, bevor er die Seite wendet, sollte sich fragen, warum er ihn überhaupt angezogen hat.
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