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2. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Wenn das Land sich putzt und alle zusehen

2. Oktober 2026 — — Kastner

Salem, Mysuru, Coimbatore, Vizag — überall wird dieser Tage ein Schwur geleistet. Die Hände werden gefaltet, die Augen gesenkt, die Worte gesprochen. Es ist September 2026, und Indien hat sich in eine einzige große Reinlichkeitsinszenierung verwandelt.

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Die Southern Railway hat am Donnerstag in der Salem Division die „Swachhata Hi Seva"-Kampagne gestartet. Sie dauert bis zum 2. Oktober, dem Geburtstag Gandhis, der in diesem Land zur regelmäßigen Projektionsfläche für allerlei Tugendhaftigkeit wird. Divisional Railway Manager Panna Lal hat den Eid gesprochen, assistiert von Additional Divisional Railway Manager R. Saravanan, Chief Medical Superintendent H.B. Shivakumar und Senior Divisional Mechanical Engineer Gokul. Anschließend haben Beamte in Büros, Werkstätten und Bahnhöfen dasselbe getan. Die Erklärung der Division spricht von „special drives", von Kampagnen zur Verbesserung der Sauberkeit in Zügen, Bahnhöfen und Büros. Man darf vermuten, dass die Schuhe danach nicht blanker waren als zuvor.

Was in Salem ein Schwur ist, ist in Mysuru ein Schauspiel. Mudit Mittal, der dortige DRM, leitete die Zeremonie im Open-Air-Auditorium der Division. Shammas Hameed, weitere Offiziere, Vertragsmitarbeiter, Schüler — alle anwesend, alle vereidigt. Fünfzig Kinder der Lalitha School besichtigten die Abfallaufbereitungsanlage am Mysuru New Goods Terminal Yard sowie das Leinenzentrum mit Kläranlage. In Ashokapuram legten Schüler der Government High School das Gelöbnis ab und marschierten durch die Eisenbahnsiedlung. In Davangere wurde demonstriert, wie man Abfall in vier Kategorien trennt: nass, trocken, sanitär, sonderbehandelt. „Shramdaan", heißt es in der Pressemitteilung, freiwillige Reinlichkeitsarbeit. Die RPF Mysuru fuhr die Schüler. Bildung, so erfährt man, ist heute eine Exkursion mit Polizeibegleitung.

In Vizag East hat South Coast Railway die Kampagne ebenfalls eröffnet. Schülerinnen und Schüler durften beobachten, wie Züge gereinigt werden. Die Stadt hat dieser Tage ohnehin viel zu zeigen: das Cognetix IoT Summit 2026, das sie ausrichtet, gesellt sich zur Sauberkeitskampagne. Vizag versteht es, mehrere Bühnen parallel zu bespielen.

Am Coimbatore International Airport hat die Airports Authority of India eine eigene Inszenierung gestartet: die „Yatri Seva Abhiyan", vierundzwanzig Tage lang, mit täglich wechselndem Thema und Schwerpunkt auf „passenger facilitation", Dienst am Reisenden, Sauberkeit, Höflichkeit. Flughafendirektor Mohammad Arif eröffnete die Kampagne im Beisein von AAI-Personal und Stakeholdern. Vande Mataram wurde gesungen, Bharatanatyam getanzt — in Abflug- und Ankunftsbereich, vor den Augen der Passagiere, die vermutlich weniger an Choreographie als an Boardingzeiten interessiert waren. Man holte Feedback ein, prüfte Einrichtungen für mobilitätseingeschränkte Personen. Am 27. September, dem Welttourismustag, ist ein Kulturprogramm geplant, am 2. Oktober eine Putzaktion zu Gandhis Geburtstag. Es ist ein dicht getaktetes Programm, das seine Termine kennt.

Die Kampagne ist landesweit. Odisha, so berichten andere Zeitungen, beobachtet sie ebenfalls — mit Fokus auf sanitäre Versorgung und das Wohlergehen derjenigen, die tatsächlich putzen. Die indischen Eisenbahnen haben in früheren Jahren drei Säulen ausgerufen: Beteiligung, Verantwortung, Bürgersinn. Die Formulierungen klingen jedes Jahr gleich, nur die Überschriften ändern sich. Mal „Swabhav Swachhata — Sanskar Swachhata", mal „Cleanliness as a way of life". Die Maschine läuft, das Skript ist erprobt. Im vergangenen Oktober hat die Salem Division Gandhis 156. Geburtstag mit „Shramdhaan" im Divisional Office begangen — man ist auf diese Daten vorbereitet.

Was in den Berichten auffällt, ist die Disziplin der Wiederholung: dasselbe Gelöbnis, dieselben Taten, dieselben Fototermine. Ein Reporter notiert: Es ist der Zeitpunkt, an dem Beamte ihren Jahresbericht schreiben, Ministerien Bilanzen vorlegen, die Aufmerksamkeit der Medien sich auf die Hauptstadt konzentriert. Die Bahnhöfe sind dann für ein paar Tage Kulisse, und die Sauberkeit ist die diplomatische Visitenkarte, die man den Besuchern reicht.

Dass die Kampagne funktioniert, lässt sich nicht bestreiten. Sie funktioniert als Ritual. Sie funktioniert als gemeinschaftsstiftende Geste. Sie funktioniert, weil Tausende mitmachen — Schulen, Eisenbahner, Vertragsarbeiter, Polizisten, Reisende, die in Coimbatore zwischen Abfertigung und Gepäckband kurz innehalten und einer Bharatanatyam-Vorführung zusehen. Sie funktioniert, weil Indien ein Land ist, das seine Rituale pflegt — auch wenn die Strukturen, auf denen sie stehen, alt und mürbe sind.

Was die Kampagne nicht kann: die Probleme überlagern, die sie begleitet. Die chronische Überlastung des Schienennetzes, der Sanierungsstau an den Bahnhöfen, die offenen Fragen, wer in Pandemiezeiten welche Anlagen übernommen hat und wohin Summen flossen, über die in anderen Berichten unterschiedliche Zahlen kursieren — all das steht in anderen Akten, in anderen Räumen, in jenen Korridoren, in die das Scheinwerferlicht der Reinlichkeit nicht vordringt.

Die Indischen Eisenbahnen werden weiter putzen, weiter schwören, weiter fotografieren. Salem hat begonnen. Mysuru folgt. Vizag hat seine Schulklassen an die Waggons geführt. Coimbatore tanzt. Und am 2. Oktober, wenn die Kampagne endet, werden die Bahnhöfe aussehen wie zuvor — und der nächste September wird kommen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 3 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Vizag hosts Cognetix IoT summit 2026

    im Quelltext gefunden

  2. ZAHL South Central Railway wins five awards for energy efficiency

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  3. ZITAT Students see how trains are cleaned as South Coast Railway opens Swachhata campaign

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

Herangezogene Quellen

  • 4 weitere Quellen waren beim Schreiben nicht abrufbar

5 Quellen · 1 davon belegt · 4 externe Belege · 3 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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